"Ich kann auch eine Bitch sein"

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jetzt.de: Marina, vor zwei Jahren hast du über den “ausgekotzten American Dream” gesungen. Schmeckt er dir mittlerweile besser?
Marina: Zumindest gibt es jetzt Parallelen zwischen meinem wirklich Leben und dem, worüber ich damals gesungen habe. Einer meiner Songs handelte vom typischen „Hollywood wife“. Jetzt sehe ich schon mal wie eine aus!

Warum hast du dir die Haare blond gefärbt?
Ich wollte mal eine neue weibliche Rolle ausprobieren. Eine, die irgendwie unschuldig wirkt, es aber nicht wirklich ist. Songs wie „Homewrecker“ oder „Bubblegum Bitch“ könnte ich ohne die blonden Haare ja auch gar nicht glaubhaft singen.

Ich zitiere mal kurz aus „Bubblegum Bitch“: „Got a figure like a pin-up, got a figure like a doll, don’t care if you think I’m dumb, I don’t care at all, candy vest, sweetie pie, wanna be adored, I’m the girl you die for.” Ist das nur wieder eine Parodie bekannter Pop-Barbies – oder bist du jetzt selbst die “Bubblegum Bitch”?
Der Song handelt natürlich von mir! Es gibt einen Teil von mir, der genau so ist, wie ich es singe. Wenn das nicht so wäre, könnte ich zwar einen solchen Song schreiben, ihn aber bestimmt nicht so meinen. Ich bin nicht rund um die Uhr eine totale Bitch, aber ich kann schon mal eine sein. Die meisten Mädchen können das, nur geben es nicht viele zu. Und genau das wollte ich jetzt machen: die Dinge zugeben.

http://www.youtube.com/watch?v=-0piRiw-ajw

In deiner Branche eher unüblich…
Stimmt, aber ich behaupte mal, wenn Britney Spears eine Indie-Künstlerin gewesen wäre, hätte sie am Anfang ihrer Karriere auch so einen Song geschrieben.

Britney hätte dazu sicherlich die Einsicht gefehlt.
Weiß man nicht (lacht). Zumindest war ihre Persönlichkeit anfänglich ganz ähnlich der, die in „Bubblegum Bitch“ beschrieben wird. Die Leute haben sie manipuliert und ihr dieses unschuldige Image verpasst. Nicht dass sie damals nicht auch unschuldig gewesen wäre, aber sie hatte auch schon eine Seite, die die Leute nicht sehen sollten. So was gab und gibt es im Pop ja ständig, dass da jemand total niedlich dargestellt wird, in Wahrheit aber auch ganz anders kann.

Der typische Fake-Faktor, der dir bekanntermaßen schon immer ein Dorn im Auge war. Denkst du denn, du selbst hast dich immer echt und ehrlich dargestellt?
Ich glaube schon. Und dieses Album ist gerade textlich noch näher dran an der, die ich wirklich bin. Es ist geradezu brutal persönlich und offen. Aber da ich mich jetzt so style, denken viele Leute trotzdem automatisch, ich hätte mich verloren. Weibliche Acts müssen eben immer etwas mehr darum kämpfen, ernst genommen zu werden, wenn sie sich verändern. Und ich verändere mich gerne! Zum Glück wissen die meisten schon, dass ich nicht nur irgendeine blöde Puppe bin.

Wann ist denn jemand fake für dich?
Hm, gute Frage. Ganz allgemein sind natürlich diejenigen fake, die nicht zeigen, wer sie wirklich sind. Oft sind das Leute, die selbst noch gar nicht wissen, wer sie sind, wie sie sich präsentieren und ausdrücken sollen. Die noch auf dem Weg zu sich selbst sind.

Einmal singst du auf dem neuen Album: “I wanna be a real fake”. Was genau meinst du damit?
Auch hiermit will ich einfach nur sagen, dass ich mich zwar verändert habe, deshalb aber niemand glauben sollte, ich wäre jetzt jemand ganz anderes. Ich bin immer noch ich!

„Electra Heart“ von Marina and the Diamonds erscheint am 25. Mai auf Warner.

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