"Ich mag mich ja beim Sport nicht hauen"

Max Schweitzer, 17, ist einer der erfolgreichsten Taekwondokämpfer Deutschlands. Am Freitag tritt er bei der Weltmeisterschaft an. Ein Interview über Martial Arts und das Fulminante am Taekwondo
christiane-lutz

[b]jetzt.de: Für die Laien unter uns nochmal: Was genau ist Taekwondo?[/b] Max: Taekwondo ist eine koreanische Kampfsportart. „Tae“ bedeutet Fuß, „kwon“ ist die Faust, also die Handtechnik und „do“ ist der Weg, also der mentale Aspekt des Sportes, der natürlich sehr wichtig ist. Manche glauben, das Kämpfen sei irgendwie ernst. Ich sehe es nicht so. Ich bin eher der Techniker und mag mich ja beim Sport nicht hauen, obwohl ich mich als klein geratener Mann schon durchsetzen muss. Es geht vielmehr um das intelligente Gegeneinander-Antreten. Manchmal auch nur gegen einen imaginären Gegner, oder sich selbst.

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Illustration: Julia Schubert

[b]Was begeistert dich so daran?[/b] Die Körperbeherrschung, die Präzision. Ich bin eher zufällig zum Taekwondo geraten, als mich ein Schulfreund vor zehn Jahren eigentlich zum Judo mitnehmen wollte. Ich fand Judo spannend. Allerdings habe ich erst vor Ort bemerkt, dass es eigentlich ein Taekwondo-Training war. Mein Freund hatte schnell keine Lust mehr, aber ich war begeistert und bin geblieben. Vor allem die Freestyle-Disziplinen machen mir Spaß. [b]Wie sehen die aus?[/b] Es gibt verschiedene Richtungen im Taekwondo. Alles läuft unter dem Oberbegriff „Martial Arts“. Da gibt es zum einen die traditionelle Form aus Bewegung, klar, und die schnelleren Freestyle-Formen. Die sind schneller und akrobatischer. Ich denke mir dazu eine richtige Choreografie zu passender Musik aus, das wirkt viel fulminanter und spektakulärer. [b]Warum darfst du heute in die Toskana?[/b] Ich wurde vor zwei Monaten zur offenen Weltmeisterschaft der WTKA eingeladen. Ich trete in der Kategorie „Juniors Men under 19“ allein gegen internationale Sportler aus 78 Ländern an. Das ist schon sehr aufregend, wobei ich momentan aber noch recht entspannt bin. Das schöne Wetter verlockt eher zum Schwimmen als zum Trainieren. [b]Wie wird dein Wettkampf in der Toskana aussehen?[/b] Ich trete in drei Disziplinen an, die dann von einer Jury nach Punkten bewertet wird. Es gibt die traditionellen Bewegungsabläufe des Taekwondo, die „Creative Forms“ mit Musik und Choreografie und die "Extreme Forms", die sehr akrobatisch sind. [b]Hast du dir ein Ziel gesetzt für diese WM?[/b] Naja, natürlich wäre ein Platz auf dem Treppchen schön. Klar ist es an und für sich schon toll, hier dabei sein zu dürfen, aber natürlich will ich auch was erreichen. [b]Wie trainierst du zuhause?[/b] Ich lerne eigentlich für mich oder mit meiner „Martial Arts“ Gruppe, den Energetrix. Das sind fünf Jungs aus ganz Deutschland, mit denen zusammen ich ein akrobatisches Showprogramm zusammenstelle, mit dem wir dann auch auftreten.

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Illustration: Julia Schubert

[b]Und was machst du, wenn du gerade an keiner Weltmeisterschaft teilnimmst?[/b] Dann leite ich meine eigene Taekwondo-Schule. Ich darf bei uns in der Stadt die Räumlichkeiten eines Fitness-Studios nutzen, das ist super. Ich biete Kurse für alle Altersklassen an. Mit den Kindern macht es mir richtig Spaß. Zum Glück bin ich neben meiner Ausbildung noch flexibel genug, dreimal pro Woche Trainings abhalten zu können. [b]Was für eine Ausbildung machst du denn? Ich mache im Betrieb meines Vaters eine Ausbildung zum Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker. Mein Vater begleitet mich aber auch gerade bei der WM. Er hat ja selbst mal eine Weile Taekwondo trainiert - unter meiner Anleitung! Das war mal nette Abwechslung. Schließlich ist er sonst mein Chef.

Text: christiane-lutz - Fotos: privat

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