Ich werde ein Berliner

Zum Verkaufsstart seines Buches kommt der Berliner Blogger Wash Echte nach München. Ein Fragebogen
jetzt-redaktion

Am Freitag erscheint das Buch „Ich werde ein Berliner – How to be a really hip German“ im Goldmann-Verlag. Dabei handelt es sich um Texte, die ein Berliner Autor unter dem Pseudonym „Wash Echte“ in seinem Blog ichwerdeeinberliner.com veröffentlicht hat. Zur Veröffentlichung des Buches gibt es am Donnerstag in der Münchner Bar Niederlassung (Buttermelcherstraße 6) eine Lesung mit Deef Pirmasens. Der Berliner Wash Echte wird auch anwesend sein. Für die Lokalteil der Süddeutschen Zeitung erscheinende jetzt.muenchen-Seite hat er den "Kommen und Gehen"-Fragebogen ausgefüllt. Wo kommst du her? Zur Zeit wohne ich in Berlin, in einem dieser vermeintlich coolen Bezirke in der Nähe von Mitte. Dort habe ich einen Job, von dem ich dachte, er sei sicher und biete mir Karriereoptionen. Wenn man aber meine Künstler-Freunde in Berlin fragt, ist das nicht so. Sie machen sich Sorgen um meine Zukunft, weil sie glauben, ich verkaufe meine Seele an den Kapitalismus und verschwende so mein kreatives Potenzial. Wenn ich dann allerdings ihre Getränke bezahle, ist wieder alles in Ordnung. Denn sie scheinen ständig Pleite zu sein. Was suchst du in München? Ich möchte gerne eine erfolgreiche Lesung aus meinem Buch erleben. Deef Pirmasens wird daraus lesen und ich werde mich sehr schämen, wenn Leute ihn dafür ausbuhen. Was bringst du uns mit? Mein Buch „Ich werde ein Berliner“ und natürlich die Ehre, dass München die erste Stadt der kleinen Lesetour durch Deutschland ist. Welchen Münchner würdest du gerne treffen? Werner Herzog, weil er einer meiner Lieblingsregisseure ist. Wenn er keine Zeit hat, würde ich auch Uli Hoeneß gerne treffen. Ich glaube wir haben die gleichen Werte und Moralvorstellungen. Was machst du nach der Lesung? Ich fahre zurück in eine wirklich große Stadt – ein sich ständig erneuernder Ort, Heimat zahlreicher Szenen und Kulturen. Das Gegenteil von München. Nein, nein, ich rede nicht von Berlin. Ich werde ein paar Tage in London sein, bevor ich zurück nach Berlin fahre. Welches Klischee über München ist dir das liebste? Dass München diese kleine, gemütliche Stadt ist, die überhaupt keine Ambitionen hat, das neue New York zu werden. Es ist sehr angenehm in einer Stadt zu sein, die einen ehrlichen Bezug zu ihrer eigenen Hipness hat und sich nicht wie ein pubertierender Jugendlicher aufführt, der so tut als sei er der König der Welt. Was müsste München tun, um dich zum Bleiben zu bewegen? Es würde definitiv helfen, wenn die Süddeutsche Zeitung mir einen Job als Medien-Kommentator anbieten würde. Aber ich bräuchte auch eine neue Identität (samt Pass etc.). Denn habe ich öffentlich Sympathie für München bekundet, so könnte ich niemals mehr meinen Künstlerfreunden in Berlin unter die Augen treten. Was soll dir mal nachgesagt werden? Dass ich der Typ war, der nach München kam und dann eine internationale Karriere als Autor startete. Und wenn das nicht klappt, solltet ihr mich als den Typen in Erinnerung behalten, der all die nervigen Menschen zum Schweigen brachte, die ständig davon erzählen, wieviel cooler es doch in Berlin sei oder trotzdem nicht dorthin ziehen. Im Frühjahr 2010 haben wir unter dem Titel Berliner Arroganz und Münchner Freiheit einen Text von Wash Echte auf jetzt.de veröffentlicht. Im Sommer 2009 sprach er mit uns in einem Interview.

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Illustration: Julia Schubert
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