„Ich will Schutz – rund um die Uhr"

Weiter die quietschsüße Hannah Montana spielen? Darauf hat Miley Cyrus keine Lust. Lieber streckt sie die Zunge raus und zieht sich weitestgehend aus. Warum? Einen Einblick ins Leben des 20-jährigen Popstars gewährt Miley im Interview.
erik-brandt-hoege

jetzt.de: Miley, du hast ein neues Album aufgenommen und gerade veröffentlicht, vor allem aber steht jetzt wieder eines im Vordergrund: dein Privatleben. Nervig, oder?
Miley Cyrus: Ich bin in diesem Geschäft groß geworden und weiß ja, dass es viele Menschen da draußen gibt, die wissen wollen, wie es ist, berühmt zu sein. Sie wollen es so sehr und unbedingt wissen, dass sie nicht selten eine Grenze überschreiten, wenn sie mich danach fragen. Sie unterschätzen einfach die Tatsache, dass berühmte Personen neben ihrem Dasein als Sänger, Entertainer oder was auch immer eben auch ganz normale Menschen mit ganz normalen Bedürfnissen sind. Dieses ständige Interesse an Privatem macht mich ab und zu schon mal wütend.

Wütend? Kann man sich gar nicht vorstellen ...
Dann hast du mich aber noch nicht kennengelernt!

Wie ist es denn so, wenn du richtig wütend wirst?
Ein bisschen wild. Ich habe natürlich Respekt vor jeder Person, mit der ich zu tun habe, und zeige das auch. Leider werde ich selbst aber nicht immer genauso sehr respektiert, und das kann mich schon mal auf die Palme bringen.

Was machst du, um dich wieder runter zu fahren? Was tust du zur Entspannung?
Wenn ich eine Pause brauche, versuche ich immer, mich mit Freunden zu treffen und auszugehen. Besonders auf Reisen ist das wichtig. Wenn man nur noch unterwegs ist, in Hotels lebt und den ganzen Tag hart arbeitet, muss man sich zwischendurch auch mal die Orte ansehen, die man besucht.

Und das tust du am liebsten in den örtlichen Clubs?
Ja, das liegt für mich am nahesten. Ich will ja Musik machen, die in Clubs gespielt wird, also möchte ich auch wissen, was in Clubs so läuft, und zwar weltweit. Ich will wissen, wo die Leute auf was stehen.

Kannst du in den Clubs wirklich abschalten? Kommen nicht ständig Leute auf dich zu und wollen etwas von dir?
Ich habe gelernt, mich abzuschotten, und das merken die Menschen um mich herum. In Amerika gehen sowieso alle ständig zu denselben Partys und in dieselben Clubs, man kennt sich dort, es ist normal, wenn man auf Berühmtheiten trifft.

Und in anderen Ländern?
In anderen Ländern, das ist zumindest meine Erfahrung, wollen die Leute schon auch, dass man als Gast in ihrem Land dieses auch genießen kann. Sie wollen, dass man Spaß und einfach eine gute Zeit hat, denn sie wollen ja, dass man wieder kommt. Deshalb lassen einen meistens in Ruhe.

Zur Not hast du ja auch noch deine Bodyguards. Die sind immer an deiner Seite. Nerven die dich auch manchmal?
Nein, überhaupt nicht. Die sorgen ja nur für meine Sicherheit. Und ich will diesen Schutz auch haben – rund um die Uhr. In dieser Welt passieren so viele unglaubliche Dinge, es ist ein verrückter Planet. Und zudem ist es ja so, dass ich ständig darauf achten muss, wer auf mich zukommt, wer ein Foto macht, wer mit mir sprechen oder im Club mit mir tanzen will, und das nur weil er mich kennt. Ich stehe immer unter Strom. Und die Bodyguards stellen sicher, dass ich mich um viele Dinge, vor allem auf Reisen, nicht sorgen muss. Dass ich mich auch mal ausruhen kann.

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Illustration: Julia Schubert



Glaubst du, du würdest es vermissen, so sehr im Mittelpunkt zu stehen, wenn du morgen plötzlich kein Popstar mehr wärst?
Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es eine Zeit lang sogar genießen würde, nicht mehr so berühmt zu sein, es dann aber tatsächlich sehr vermissen würde.

Was genau würdest du vermissen?
Echte Entertainer, egal aus welchem Unterhaltungsbereich, können nicht glücklich sein, wenn sie nicht mehr auf der Bühne stehen können. Sie leben dafür, andere Menschen zu unterhalten, und wenn sie das nicht mehr können, ist das sehr deprimierend für sie. Ich könnte mir eine kurze Phase ohne Öffentlichkeit schon vorstellen, eine kleine Pause. Mehr aber auch nicht.

Was ist mit Ruhm und Reichtum? Würdest du das nicht auch vermissen?
Überhaupt nicht! Ruhm und Reichtum sind mir ziemlich egal. Das Einzige, was ich vermissen würde, sind die Auftritte.

Was magst du daran besonders?
Wenn die Leute vor mir meine Texte mitsingen. Wenn sie das mitsingen, was ich persönlich durchgemacht habe. Das ist das Größte für mich.

Veränderst du dich, sobald du auf die Bühne gehst?
Ich bin immer ich selbst. Es gibt bei mir keinen Off-Schalter, der mich zu jemand anderem macht. Ich glaube schon, dass mich dieser extreme Adrenalinschub auf der Bühne ein Stückweit kontrolliert. Aber ich bin trotzdem immer noch ich.

Derzeit stehst du u.a. mit der Single „Can't Stop" auf den Bühnen. Ein Song und ein dazugehöriges Video, die offensichtlich von einer spontanen, wilden Party handeln ...
Absolut! Es ist ja so: meine Fans sind in der Regel noch sehr jung, aber längst auf der Suche nach möglichst viel Spaß. Der Song und das Video sollen zeigen, dass man Spaß auch abseits einer durchgestylten, in sich geschlossenen Szene haben kann. Eben ganz spontan und unaufgeregt. Das ist übrigens auch etwas, das sich in der Musikindustrie gerade generell widerspiegelt: es muss nicht mehr alles so aufgetakelt sein. Die Leute wollen mehr Echtheit.

Woher denkst du kommt die Sehnsucht nach Echtheit?
Viele erhoffen sich dadurch sicherlich eine engere Bindung zu den Künstlern und zu erfahren, wie diese wirklich sind.

Es heißt, das Video zu „Can't Stop" wäre von einer viertägigen Feier von dir und deinen Freunden inspiriert. Stimmt das?
Ja, wobei es auch ein Mix aus Partys ist, auf denen ich war, der im Video verarbeitet wurden. Gute Partys! Ich wollte, dass die Leute das sehen und irgendwie dabei sein wollen. Ich wollte, dass sie meine besten Freunde sein und unbedingt mal mit mir auf so eine Party gehen wollen, weil eben alles so cool aussieht.

Die Regisseurin Diane Martel nennt das Video „verrückt, wie von einem anderen Stern, exhibitionistisch". Ist es auch genau das, was du in dieser Karrierephase verkörpern willst?
Ja. Diane und ich wollten, dass das Video aussagt, dass man frei sein will, wenn man jung ist. Wir haben das Video auch in einem Take gedreht, keine Szene inszeniert, sondern einfach drauf los gefeiert.

Dieses Partygirl, dass du derzeit bist, ist Lichtjahre entfernt von deinem einst so niedlichen Disney-Image. Hast du dich bewusst gewandelt?
Alle versuchen derzeit zu erklären, wie ich mich verändert habe. Und alle glauben auch genau zu wissen, wie die Veränderungen passiert sind. Dabei vergessen sie, wie es ist, wenn man 20 ist. Wenn man so alt ist wie ich, verändert man sich von selbst – vollkommen ungeplant. Im Gegensatz zu dem, was überall gesagt und geschrieben wird, gibt es dafür keine Formeln. Es ist ein Prozess, auf den man selbst oft keinen Einfluss hat. 

Text: erik-brandt-hoege - Foto: afp

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