Ideale contra Kohle: Die Geschichte von Laras Geschäftsidee

Beim Deutschen Gründerpreis können Schüler eine Geschäftsidee ausarbeiten und vielleicht zum Leben erwecken. Lara, 20, hätte ihre Idee sogar verkaufen können - wollte sie aber nicht. Warum sie auf das Geld verzichtete, erklärt sie im Interview.
natalie-berner

Seit gut zehn Jahren gibt es den Deutschen Gründerpreis, mit dem gute Unternehmensideen ausgezeichnet werden - unter anderem auch die von Schülern ab 16 Jahren. Für die aktuelle Runde kann man sich bis 12. Februar 2009 anmelden, um im Rahmen einer fiktiven Unternehmensgründung ein Geschäftskonzept zu entwickeln. Was nach dem Wettbewerb mit den erfolgreichen Ideen wird? Die Geschichte von Lara Wutz, 20, gefragt, die 2007 mit zwei Freundinnen zusammen zu den zehn Siegerteams gehörte. jetzt.de: Lara, mit welcher Idee seid ihr damals beim Gründerwettbewerb angetreten? Lara: Wir haben eine fiktive Beratungsfirma gegründet, die Senioren und deren Angehörige auf der Suche nach optimaler Pflege im Alter unterstützt. Dafür hatten wir einen mehrstufigen Plan ausgearbeitet: Zuerst wird in einem Vortest das Grundsätzliche geklärt - also: muss Großmutter ins Altersheim oder braucht Opi nur Essen auf Rädern? Danach kommt es zu einer individuellen Beratung, bei der auf die speziellen Bedürfnisse eingegangen wird. Schließlich vermittelt ein Expertenteam den passenden Dienstleister. Und warum diese Idee? Ich bin im Internet über das Preisausschreiben gestolpert und danach zu zwei Freundinnen gegangen: "Na, würdet ihr ein Unternehmen mit mir gründen?" Die waren erstmal perplex. Dann haben wir uns überlegt, wer eine große und schnell wachsende Zielgruppe wäre? Senioren, dachten wir, das lag für uns auf der Hand. Danach haben wir uns an die Problemfindung gemacht. Was wird hier benötigt? Wonach besteht Nachfrage? Wie ging es weiter mit eurer Idee, nachdem ihr den Preis gewonnen hattet? Also es war klar, dass die Verwirklichung sehr kostenintensiv sein würde. Wir hätten einen Kredit von mindestens 100.000 Euro aufnehmen müssen und auch eigene Einlagen gebraucht. Noch in Hamburg am Rande der Preisverleihung wurden wir dann aber von einer großen Versicherung angesprochen, die Interesse an unserem Projekt hatte. Die haben uns Geld geboten, dass wir ihnen die Idee abgeben. Wir hätten aber keinerlei Mitspracherecht mehr gehabt und hatten den Eindruck, dass der ursprüngliche Charakter der Idee verfälscht werden würde. Deshalb haben wir abgelehnt.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Lara Wutz (links) mit Stefanie Repenning (Mitte) und Yulong Guo. Mit ihrer Idee "The Best Way - Beratungsservice für Senioren und ihre Angehörigen" belegten sie 2007 Platz vier beim Gründerpreis. Bereust du das jetzt? Nein, eigentlich nicht. Klar, so wurde das Projekt gar nicht verwirklicht. Aber uns war der ethische Aspekt einfach wichtiger. Es ging uns nicht um Geld, sondern um ein Mitspracherecht in irgendeiner Art und Weise - wenn auch nur beispielsweise ein Veto- Recht bei größeren Fragen! Ich halte das Projekt nach wie vor für sehr sinnvoll und nützlich und bin mir auch sicher, dass es früher oder später verwirklicht wird. Vielleicht staatlich. Natürlich ist es ärgerlich, dass ich dann vielleicht nicht involviert sein werde, aber wir bereuen nicht, das Angebot nicht angenommen zu haben. Habt ihr euch eure Idee patentieren lassen? Nein, das ist bei Dienstleistungen generell sehr schwierig und auch kostenaufwendig. Das heißt, unsere Idee ist nicht gesichert und könnte genauso gut von jemand anderem verwirklicht werden. Was aber mit Copyright geschützt ist, ist der Businessplan. Da haben wir die Rechte drauf und der ist auch so konkret ausgearbeitet, das wir theoretisch morgen anfangen könnten. Ist es ein Traum von dir, doch noch diese Firma gründen zu können? Ja, auf jeden Fall. Dieses ganze Projekt war wahnsinnig zeit- und kraftaufwendig und ist uns sehr ans Herz gewachsen. Letztendlich so sehr, dass wir es nicht für Geld hergeben wollten, als wir unsere Ideale gefährdet sahen. Trotzdem hätte ich niemals auf das Studium verzichtet. Für mich ist das Studium kein Mittel zum Zweck und auch nich nur nur auf den Beruf ausgerichtet. Ich möchte mir generelle Kompetenzen aneignen. Wie hat der Gründerpreis deine Zukunftsplanung verändert? Wirtschaft war früher für mich nie wirklich ein Thema. Ich hatte Deutsch und Geschichte Leistungskurs und interessiere mich sehr für Literatur. Hätte mir früher jemand gesagt, dass ich mal „International Business and Management“ studiere, hätte ich gelacht und gesagt, das passt gar nicht. Der Gründerpreis war eine tolle, prägende Erfahrung. Wir haben unglaublich viel gelernt.

Text: natalie-berner - Foto: Klaus Knuffmann

  • teilen
  • schließen