Interview: Sich übers Internet an Politiker ranrobben

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Screenshot von sieschreibendir.de Was ist sie-schreiben-dir.de? Wir wollen den Kontakt zwischen Bürgern und Politikern auf eine neue Art und Weise strukturieren. Die Idee ist, dass Menschen sagen, sie haben Interesse daran, Kontakt zu einem bestimmten Abgeordneten zu bekommen. Nachdem man identifiziert hat, wer eigentlich der Abgeordnete aus dem Wahlkreis ist, trägt man sich in eine Liste ein und sagt damit: „Ja, ich gebe meine E-Mail-Adresse gerne her, damit der entsprechende Abgeordnete sich bei mir meldet.“ Gut, und dann? Dann passiert zunächst nichts. Wir sammeln die Adressen und in dem Moment, wo 25 Adressen für einen Abgeordneten zusammengekommen sind, kriegt dieser eine Mail. Mit dieser E-Mail wird er eingeladen, 25 Menschen zu erklären, was er im Wahlkreis so treibt. Wenn der Abgeordnete antwortet, wird diese E-Mail von ihm in ein internes Forum eingespeist, wo dann die Nutzer über das Gesagte diskutieren können.

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Illustration: Julia Schubert

Christoph Dowe, Gründer von sieschreibendir.de Und wenn der Abgeordnete nicht antwortet? Dann akzeptieren wird das. Er bekommt allerdings wieder eine E-Mail, wenn es 50 oder 75 oder 100 oder 125 Personen sind, die mit ihm in Kontakt treten wollen. Die Hoffnung ist, dass der Druck irgendwann so groß wird, dass der Abgeordnete die Chance nicht verstreichen lassen will zu antworten, weil es sich auch um zukünftige Wähler handeln könnte. Momentan gibt es 702 registrierte Benutzer. Und in dem Forum ist bisher ein Abgeordneter aktiv. Warum sollten noch mehr Abgeordnete mitmachen? Wir stellen ja einen Kontakt zu den Wähler in ihrem Wahlkreis her. Dass heißt, wir stellen einen Verteiler zur Verfügung, über den sie direkt mit Leuten in Kontakt treten können, die aktiv gesagt haben: "Ich will von dir über deine Politik informiert werden." Und der nächste Wahlkampf kommt bestimmt. Und dann muss auch wieder irgendjemand die Plakate kleben und je nach dem, wie langfristig man da über das Internet oder sogar darüber hinaus einen Kontakt aufgebaut hat, hat man dann weitere Aktivisten, die zur Verfügung stehen - wenn man sie gut behandelt. Man kann doch als Wähler auch einfach in die Sprechstunde seines Bundestagsabgeordneten gehen. Braucht man denn das Internet, um sich an der Politik zu beteiligen? Das eine schließt das andere nicht aus. Es gibt viele Menschen, die erstmal nicht auf die Idee kommen, zu einer Bürgersprechstunde eines Abgeordneten zu gehen. Und für solche Menschen ist das Internet vielleicht eine von vielen Möglichkeiten, sich langsam an einen persönlicheren Kontakt ranzurobben. Im Internet kann man für Petitionen abstimmen und Bundestagsabgeordneten kontaktieren. Soll man denn demnächst auch über das Internet wählen? Von Wahlen übers Internet halte ich nur sehr begrenzt was. Ich glaube eher, das ist technisch und aus Sicherheitsgründen zu kompliziert, der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Ich finde auch, dass es einfach ein demokratischer Akt ist, zum Wahlbüro zu gehen. Es gibt aber Bereiche, wo Online-Wahlen vielleicht Sinn machen, Betriebsratswahlen zum Beispiel, in einer Firma wo sowieso jeder ein Rechner hat. Bei Bundestagswahlen kann man wirklich sagen: Es ist eine Schnapsidee. Apropos wählen: Warum haben Sie das Projekt nicht schon während des Wahlkampfs gestartet? Wir haben es bewusst nicht im Wahlkampf gemacht, obwohl es schwieriger ist, damit Aufmerksamkeit zu erlangen. Wir haben uns gedacht, Kommunikation zwischen Bürgern und Politikern soll eigentlich auch außerhalb des Wahlkampfes regelmäßig stattfinden und nicht nur immer in den drei Monaten vor der Wahl. Foto: politik-digital

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