Interview: Was sagt man, wenn man Bono trifft?

Wenn eine amerikanische Band durch Deutschland tourt, muss schon ein bisschen was passieren, damit sie für einen Abend in die USA zurückfliegt. Death Cab For Cutie unterbrachen ihre Reise, um am Abend der Grammy-Verleihung in Los Angeles anwesend zu sein - wo sie in der Kategorie "Best Alternative Album" nominiert waren. Wir sprachen mit Bassist Nick Harmer über Star Wars, Stars und Kleiderordnung. Den Preis als bestes alternatives Album des Jahres bekam übrigens die Platte "Get Behind Me Satan" von The White Stripes
dominik-schottner
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Illustration: Julia Schubert

Bassist Nick Harmer mit DCFC-Sänger Ben Gibbard Du sammelst Comics und Spielzeugfiguren. Erweiterst du deine Sammlung auf Tour auch mit internationalem Spielzeug? Ich bin kein verrückter Sammler, der auch noch die vierzehnte Ausgabe einer Figur braucht. Meine Sammlung ist sehr eklektisch. Wenn ich einen Moment oder eine Erinnerung bewahren will, dann versuche ich etwas zu finden, das das repräsentiert. Es ist wie Postkarten kaufen. In deiner Sammlung befinden sich auch viele Star-Wars-Figuren. George Lucas hat Euch im vergangenen Jahr auf seine Skywalker-Ranch eingeladen. Wie war es dort? Ich dachte ja, dass wir uns die Vorpremiere von "Die Rache der Sith"ansehen und wieder fahren würden – ohne George Lucas überhaupt zu Gesicht zu bekommen. Aber dann lief er da plötzlich herum und setzte sich sogar mit uns ins Kino! Das war toll, weil die ersten Star-Wars-Filme fester Bestandteil meiner Kindheitserinnerungen sind. Ich war damals verrückt nach Star Wars. Nach dem Film gab es großes Gedränge um George Lucas, da habe ich mich zurückgehalten und bin erst mal zum Buffet gegangen. Später kam er dann von selbst zu mir und ich bekam ein Autogramm. Ihr unterbrecht eure Tour, um zur Grammy-Verleihung nach Los Angeles zu fliegen. Von wem holst du dir dort ein Autogramm? In der Band lassen wir uns alle kaum von Prominenten beeindrucken. Aber es wird interessant sein, zu sehen, welche berühmten Sachen die ganzen berühmten Menschen dort anstellen. Wir werden wohl daneben stehen wie Wissenschaftler und uns fragen: „Schaut euch das mal an! Ist das nicht seltsam?“ Dabei seid ihr doch inzwischen selbst ziemlich bekannt ... Ja, stimmt schon irgendwie. Aber noch lange nicht so prominent wie Mariah Carey zum Beispiel. Oder Jessica Simpson. Oder Paul McCartney und U2, die auch da sein werden. Echt, die kommen auch? Wow. Beide sind nicht schuldlos daran, dass ich heute Musik mache. Aber was soll ich denn sagen, wenn ich Bono tatsächlich dort treffe? Einfach nur „Hi!“? Oder: „Hey, ich finde ,The Joshua Tree’ wirklich klasse“?

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Illustration: Julia Schubert

Mit wem würdest du denn gerne was trinken auf der Verleihung? Ich möchte alle einsammeln, die sich genauso fehl am Platz fühlen wie wir. Vielleicht werden wir ja mit Arcade Fire, die auch nominiert sind, zusammen in einer Ecke sitzen und uns kaputtlachen. Vielleicht ist so eine Verleihung aber auch sterbenslangweilig. Ich war ja noch nie da. Oder es gibt ein seltsames Klassen-System: Auf der einen Seite der Absperrung die superberühmten Menschen, die man anhand ihrer Gesichter erkennt, die dann unter sich feiern. Auf der anderen Seite wir, die nicht reinpassen und auch nicht mitfeiern dürfen. Hast Du dir schon Gedanken über dein Outfit gemacht? Anzug? Smoking? Ich werde einen normalen Anzug anziehen. Wir haben uns aber ehrlich gesagt mit den Grammys gar nicht so sehr beschäftigt. Unsere Konzerte sind uns wichtiger. Die Grammys sind so ein kleines Bonbon am Rande. Hier kann man nach der Preisverleihung schauen, ob Death Cab For Cutie den Grammy jetzt wirklich gewonnen haben. Auf der offiziellen Homepage der Band gibt es derweil Kurzfilme zu jedem Track des nominierten Album "Plans" zu sehen. Jeweils montags wird ein neuer Film online gestellt, der dann für eine Woche zu sehen ist - am Ende wird die Sammlung "Directions" als DVD veröffentlicht. (Fotos: deathcabforcutie.com)

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