Jürgen über seinen Einsatz im Kongo: "Sie sind froh, dass wir helfen wollen."

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Was für Erwartungen hattest Du an deinen Einsatz im Kongo, bevor es losging? Und wie war die Realität? Ich habe erwartet, arme Menschen zu sehen und habe mich auf andere Umweltbedingungen und ein anderes Klima eingestellt. Aber dass die Armut in diesem Land so groß ist, hätte ich nie gedacht. Außerdem sind viel mehr Menschen auf den Straßen als in Deutschland. Was ist im Kongo Deine Aufgabe? In Ulm, wo ich stationiert bin, arbeite ich als Nutzerbetreuer für die PC–User und löse Netzwerkprobleme. Im Kongo mache ich eigentlich das gleiche wie in Ulm. Nur mit dem Unterschied, dass wir hier das Computernetzwerk aufbauen müssen und in der Ulmer Kaserne schon lange eins steht. Dementsprechend ist der Administrations- und Arbeitsaufwand hier im Kongo natürlich deutlich höher.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Was kam Dir in den Kopf, als Du erfahren hast, dass Du in den Kongo musst? Es war ein komisches Gefühl, weil es mein erster Einsatz ist. Ich dachte zuerst an meine Freundin, wie ich ihr am besten beibringe, dass sie mich eine lange Zeit nicht mehr sehen wird. Und natürlich auch an meine Eltern. Es ist schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um es ihnen beizubringen. Wie haben sie reagiert? Meine Familie war nicht so begeistert, aber sie haben es akzeptiert. Und meine Freundin war natürlich völlig entsetzt, als sie es erfahren hat, da sie Angst um mich hatte und nicht weiß, was mir dort passiert. Meine Freunde fanden es ganz „cool“. Wie ging der Einsatz los und wie sieht jetzt der Alltag aus? Direkt nach der Landung sind wir vom internationalen Flughafen in N´Dili in unser Camp in N´Dolo gefahren und haben dort unsere Zelte bezogen. Jeden Tag erwarten einen hier neue Herausforderungen, da im Kongo ganz andere Voraussetzungen existieren als zu Hause. Das beginnt mit einem fehlenden Telefonnetz und endet mit schwankenden Stromspannungen. Der tägliche Arbeitsaufwand wird aber langsam etwas weniger, so dass wir „nur noch“ sieben Tage die Woche um die elf bis zwölf Stunden täglich arbeiten. Am Abend sitzen wir manchmal bei einem Bier zusammen. In der Freizeit geht man einen Kaffee trinken, spielt Fußball oder sieht sich eine DVD an. Ausflüge am Abend oder Spaziergänge nach Kinshasa gibt es nicht, da wir aus Sicherheitsgründen nach halb sieben Uhr abends im Lager sein müssen. Wie sind Deine Eindrücke wenn Du unterwegs bist? Die immer wiederkehrenden Eindrücke sind die ständig sichtbare Armut der Menschen und die hohe Arbeitslosigkeit, da sehr viele Menschen einfach nur am Straßenrand sitzen und wirken, als würden sie auf irgendetwas warten. Gleichzeitig sieht man sehr häufig kleinere brennende Müllhaufen. Die Menschen verbrennen ihren Müll, weil es anscheinend keine Müllabfuhr gibt. Wie ist die Bevölkerung auf Euch zu sprechen? Sie sind froh darüber, dass wir ihnen helfen wollen. Hast Du Angst vor einer gewaltsamen Eskalation? Wie gehst Du mit Deinen Ängsten und Sorgen um? Angst davor, dass so etwas passieren könnte habe ich schon, aber ich denke nicht, dass es passieren wird. Falls ich Probleme oder Sorgen habe, kann ich meiner Familie und meiner Freundin am Telefon davon erzählen, da Kinshasa über ein gutes Handynetz verfügt. Und dann geht es mir schon viel besser. Was erhoffst du Dir ganz persönlich von dem Einsatz im Kongo und für das Land? Ich werde aus dem Kongo eine Menge Eindrücke mitnehmen und natürlich viel Erfahrung sammeln. Hier lernt man seine Kameraden richtig kennen. Ich hoffe, dass die Wahlen friedlich ablaufen und das Land eine Demokratie bekommt. Ich bin mir sicher, dass wir einen positiven Beitrag zur Entwicklung des Kongo leisten können. Wie lange wirst Du bleiben? Bis zum Ende der Mission am 30. November 2006. Foto: Bundeswehr

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