Liebe, das Hauptthema des Lebens: Interview mit Schauspieler Franz Dinda

Der 24-jährige Schauspieler wurde durch „Am Tag als Bobby Ewing starb“ bekannt und war zuletzt als Bundeswehrrekrut in „Kein Bund fürs Leben“ zu sehen. Aktueller Höhepunkt seiner Karriere: Ende September erhielt er den Förderpreis des Deutschen Fernsehpreis 2007.
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Franz Dinda kommt gerade vom Schießtraining. Er dreht zurzeit einen Film über die Entführung von Hans-Martin Schleyer, in dem er einen Terroristen spielt. Parallel ist er mit der Fertigstellung seines ersten Gedichtbandes „Liebesreimheit“ beschäftigt. Ein Projekt, an dem der äußerst romantisch veranlagte 24-Jährige bereits seit sieben Jahren arbeitet. Geplante Veröffentlichung: im Frühjahr 2008.

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Illustration: Julia Schubert

Wann hast du deine romantische Ader entdeckt? Ich habe mich schon als Teenager wie wahnsinnig in die Liebe gestürzt. Vielleicht liegt es daran, dass ich ohne Vater aufgewachsen bin und das Gefühl hatte, viel Liebe nachholen zu müssen. Ich wüsste gar nicht, was ich ohne das Thema Liebe mit meinem Leben anfangen sollte. Extremes Glück – dafür ist die Liebe der beste Aufhänger. Wäre mein Leben ein Mittelmaß, würde ich wie eine kleine Pflanze vertrocknen. Was fasziniert dich an Gedichten? Gedichte kann man mehrmals lesen, und je nach Stimmung andere Dinge in ihnen entdecken. Es ist wie eine Art Therapie. Selbst der größten Trauer kann man einen positiven Effekt abgewinnen, wenn man sie ausschlachtet und zu einem guten Gedicht verarbeitet. Dann kann man sich über das Gelingen des Gedichtes so sehr freuen, dass die Trauer leichter zu überwinden ist. Aber Liebe ist ja nicht nur melancholisch und traurig, sondern das Schönste, was es geben kann. Wobei ich sagen muss, dass ich in meinem Leben noch keine Beziehung langfristig durchgehalten habe. Ich bin immer wieder selbst verwundert, dass gerade ich, der die Liebe ja zum Hauptthema seines Lebens gemacht hat, es beziehungstechnisch nicht gebacken kriegt. Ist die Flüchtigkeit der Liebe ein Zeichen unserer Zeit? Ich wehre mich dagegen, ein Opfer unserer Zeit zu sein. Aber es ist natürlich ein Problem, dass wir den Wunsch haben, flexibel zu sein. Es ist mir bewusst, warum ich nach einer Weile die Flucht ergreife. Vielleicht finde ich ja in den nächsten Jahren heraus, was ich dagegen tun kann. Wärst du gerne in einer anderen Zeit geboren? Ich hätte gerne in den 20er Jahren gelebt. Ich mag das Stilbewusstsein der damaligen Zeit: Die Salongesellschaften, in denen man Smoking und Lackschuhe trug. Ein echter Gentleman ist doch in der heutigen Zeit eine Rarität. Man wird ja schon schief angeschaut, wenn man einer Frau die Tür aufhält. Weil es in den Augen der anderen gestellt und unnatürlich wirkt. Das finde ich schade, denn nach wie vor sollte man Frauen auf Händen tragen. Sind Frauen es nicht mehr gewohnt, dass man romantisch ist? Man muss ja heute schon Kämpfe ausfechten, um eine Frau zum Essen einladen zu dürfen. Weil sich Frauen sofort in ihre Rolle als Frau zurück gedrängt fühlen und sich nicht mehr ernst genommen fühlen. Das ist eine der schlechten Seiten der Emanzipation, wobei ich mich jetzt nicht ins Fettnäpfchen setzen will. Aber Komplimente ziehen doch immer. Ja, aber Kompliment ist nicht gleich Kompliment. Es darf nicht zu schleimig sein und trotzdem glaubhaft. Da muss man erstmal hinkommen. Das Stichwort lautet Charme. Ich versuche, mein Herz stets auf zwei Händen vor mir her zu tragen, auch wenn ich damit manchmal auf die Nase falle. Mein großes Vorbild ist Elvis, der hat Liebe und Kitsch würdevoll verkauft. Was kann man von Elvis lernen? Wie man zu seinen Gefühlen steht und über das Thema Liebe souverän berichten kann. Elvis war unglaublich großherzig. Er war sich darüber klar, dass kein Besitz der Welt einen Sinn hat, wenn man ihn nicht mit seinen Freunden teilt. Das finde ich extrem erstrebenswert. Ab dem Punkt, an dem man von seinem Gehalt leben kann, ist alles andere nur noch Luxus, beziehungsweise Sahnehäubchen. Denkt heutzutage jeder immer nur zuerst an sich? Ja, ich glaube schon, dass unsere Gesellschaft uns zum Egoismus erzieht. Weil uns impliziert wird, dass wer hoch hinaus will, seine Ellenbogen benutzen muss. Die „Generation Flexibilität“ ist generell darauf aus, immer das Maximum aus allem herauszuholen, ob es nun Gefühle oder Finanzen angeht. In dem Irrglauben, man könne dadurch glücklich werden. Muss man nicht gerade als Schauspieler seine Ellenbogen benutzen? Ab und zu schon, aber das ist ja eigentlich überall so. Ich habe für mich akzeptiert, dass ich mit meiner Art und Weise irgendwann den Punkt erreichen werde, an dem ich erkenne: Weiter geht´s nicht. Zum Glück habe ich Leute, die Dinge wie Vertragsverhandlungen für mich übernehmen, bei denen ich mich komplett über den Tisch ziehen lassen würde. Müsste ich meine ganze Karriere allein organisieren, hätte ich ein Problem. Ich würde wahrscheinlich überall kostenlos mitspielen, weil ich mich so freue, dass ich drehen darf.

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