Macht ein Gameboy attraktiv?

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In Wien piept das Herz der europäischen Chiptune-Szene. Einmal im Monat trifft sich der „Gameboymusicclub" in einer Wiener Bar. Mitmachen kann jeder und „auch wenn du nur ein einziges Lied spielen kannst darfst du gleich mit uns auf die Bühne“ sagt Stefan Schauer, Clubmiglied seit 2002. Zusammen mit seinen Kollegen Michael Suszynski, Irene Grabherr, Melanie Pilat und Moritz Radner hat er mit jetzt.de über die Beschränktheit und den Sexappeal des Gameboys gesprochen.

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Illustration: Julia Schubert

Was war früher euer Lieblingsspiel auf dem Gameboy? Irene: „Tetris“, ganz klar. Melanie: Bei mir war das glaube ich „Donkey Kong“. Wir beide sind allerdings die einzigen, die als Kind einen Gameboy hatten. Der Rest sind alles Newcomer. Oh! Eigentlich wollte ich mit euch erstmal über eure Kindheit mit dem Gameboy reden. Stefan: Tut mir leid, aber die meisten von uns haben erst ganz spät einen Gameboy gekriegt. Ich zum Beispiel habe meinen 2002 zu Weihnachten bekommen. Davor wollte ich zwar immer einen Gameboy haben, meine Eltern haben mir aber nie einen gekauft. Wie seid ihr dann darauf gekommen, mit dem Gameboy Musik zu machen Stefan: Durch Zufall. Ich habe im Radio von Gameboy-Musik gehört und bin dann mit Irene zu einem Konzert des Gameboymusicclubs gegangen. Das war 2002, kurz nach dessen Gründung. Michael war damals schon mit dabei. Moritz: Melanie und ich sind seit etwa einem Jahr dabei. Ich fand die Musik am Anfang furchtbar, beim ersten Konzert bin ich nach 20 Minuten gegangen. Es hat dann circa ein Jahr gebraucht, bis ich mich an die Musik gewöhnt hatte und dann auch selber etwas gemacht habe. Ein Klavier hat 88 Tasten, ein Gameboy nur einen A- und B-Knopf und ein kleines Steuerkreuz. Wird Musikmachen dadurch leichter oder schwerer? Michael: Naja, der Select-Knopf ist auch noch dabei, also sind es insgesamt acht Tasten. Ob es dadurch leichter oder schwerer wird weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist es ein ganz anderer Zugang. Irene: Das Programm, das wir benutzen, ist nicht kompliziert. Es funktioniert wie ein Synthesizer, aber eben in einer kompakten, einfachen und kleinen Form. Man steckt einfach die Kassette mit dem Programm in den Gameboy, so wie ein ganz normales Spiel. Das Prinzip kann jeder schnell und einfach lernen – sogar kleine Kinder. Bevor man spielt, kann man sich bestimmte Melodien ausdenken oder auch einfach drauf losspielen. Ihr seid ein Kollektiv, dass heißt es kommen neue Leute dazu und die Besetzung ändert sich ständig. Wie schreibt ihr eure Lieder? Moritz: Früher haben wir viel mit Sequenzen und Verkettungen gearbeitet, drei oder vier Personen haben dann zusammen etwas gespielt. Mittlerweile sind wir eher eine Einzelkämpfertruppe, das heißt jeder gibt sein Bestes und versucht besser zu sein, als die anderen. Irene: Wir sitzen alle stundenlang zuhause und versuchen, dass beste Stück hinzubekommen. Stefan: Ein enormer Leistungsdruck, aber wir wollen die beste Gameboyband der Welt sein! Es gibt mittlerweile gute und erschwingliche Musikprogramme für den Computer, die tausend verschiedene Töne und Rhythmen produzieren können. Wieso macht ihr mit einem Gameboy Musik? Michael: In erster Linie ist es die Größe. Er ist kompakt und funktioniert auch unplugged. Man kann deshalb überall Musik machen, egal ob im Zug, Zuhause oder im Auto. Mich reizt außerdem die Beschränktheit. Es gibt fixe Vorgaben, in denen man sich bewegt. Daraus muss man versuchen, das Beste zu machen. Stefan: Der Gameboy hat außerdem einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Computer: Wenn man sich mit einem Laptop auf die Bühne stellt, weiß das Publikum sofort, was kommt. Das ist langweilig. Macht man das Gleiche mit dem Gameboy, hat man zumindest die ersten drei Minuten die Aufmerksamkeit der Leute. Kann man mit den Gameboy alle Musikstile spielen? Auch Reggae oder Hip Hop? Melanie: Auf jeden Fall. Es gibt sogar Künstler, die Klassik und Volksmusik mit dem Gameboy spielen. Irene: Reggae hatten wir aber noch nicht. Das könnten wir eigentlich mal probieren. Ein Instrument zu spielen kann sehr sexy wirken, vor allem wenn man in einer Band ist. Meint ihr, das ist beim Gameboy auch so? Stefan: Der Gameboy ist ein sehr sexy Musikinstrument! Man kann ihn zum Beispiel in die Tasche stecken, zu einem Mädchen nach Hause gehen und ihr dort etwas vorspielen. Das funktioniert mit einer Schlagzeug oder einer E-Gitarre nicht. Weiß Nintendo eigentlich, was ihr macht? Melanie: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen.

Text: christoph-gurk - www.gameboymusicclub.org

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