"Man wird hingesetzt und muss sehen, wie man klar kommt"

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jetzt-User Kaymac hatte im Juli und im Oktober 2008 die Texte Man darf nicht müssen oder im Flieger gibts kein Klo und Kein Klo über den Wolken veröffentlicht. Darin schildert er die Hürden, denen sich Rollstuhlfahrer gegenübersehen, wenn sie in Flugzeugen aufs Klo wollen. Kaymac, der seit 10 Jahren einen Rollstuhl nützt und beruflich wie private oft per Flugzeug unterwegs ist, fand viel Zustimmung - jetzt gibt es eine Petition im Bundestag.

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Illustration: Julia Schubert

kaymac heißt in echt Kay Macquarrie, ist 33 Jahre alt und arbeitet in Kiel als Projektmanager. Er half im Rahmen eines EU-Projekts gerade, ein deutsch-dänisches Online-Geschichtsmuseum aufzubauen. Gerade aber nimmt sein Einsatz für barrierefreies Fliegen viel Freizeit in Anspruch: Er korrespondiert mit Flugunternehmern und Unterstützern seiner Petition und unterhält auch den Blog rechtaufklo.de. Wir haben mit ihm gesprochen. [b]jetzt.de: Kay, wie kam es nun zu der Petition?[/b] Kay: Die Möglichkeit einer Petition habe ich von vorneherein in Betracht gezogen, habe sie aber als zu aufwendig betrachtet, weil ich nicht wusste, was sie für Auswirkungen haben wird. Deswegen habe ich mich anfangs im politischen Bereich umgekuckt und versucht, durch kleine selbstorganisierte Demos auf die Situation aufmerksam zu machen. Ich habe auch verschiedene Leute und Institutionen angeschrieben, aber alle Korrespondenzen verliefen im Sand. Was herauskam war unbefriedigend. [b]Was hast du stattdessen unternommen?[/b] Ich wollte in den klassischen Printmedien einen Artikel zur Problematik veröffentlichen, der aber nirgends angenommen wurde. Schließlich bin ich auf jetzt.de gestoßen und habe den Text dort veröffentlicht. Daraufhin gab es zahlreiches ermutigendes Feedback. Ein Kommentar lautete: Mach doch eine Petition daraus! Das war der Stein des Anstoßes, der mich dazu gebracht hat, mein Anliegen tatsächlich als Petition beim Deutschen Bundestag einzubringen. Ich hatte diese online eingereicht und bekam innerhalb von 10 Tagen eine schriftliche Bestätigung, dass meine Petition angenommen und veröffentlicht werde. Sie wird ab dem 19. Dezember im Petitionsausschuss behandelt. [b]Was willst du erreichen?[/b] Was daraus wird, steht dann nicht mehr in meiner Macht. Mir ist es in erster Linie wichtig, dass die Öffentlichkeit auf diesen Missstand aufmerksam gemacht wird. Die Menschen sind meist total erstaunt, wenn sie erfahren, dass gehbehinderte Menschen im Flugzeug nicht aufs Klo können. Da Deutschland nur eines von 27 Mitgliedsländern ist, habe ich die Petition auch bei der EU eingereicht. Ich fordere einen Bordrollstuhl und eine Bordrollstuhl-zugängliche Klokabine - was keine Selbstverständlichkeit ist. Beides ist in der EU-Flugverordnung, die die Bedingungen für gehbehinderte Menschen verbessern soll, nicht explizit erwähnt, weshalb die Fluggesellschaften in diese Richtung auch nichts unternommen hatten. Die Richtlinie ist unkonkret gehalten; die Fluggesellschaften interpretieren sie, wie sie wollen und können nicht zur Verantwortung gezogen werden. [b]Warum hat über das Problem bisher noch niemand nachgedacht?[/b] Die Möglichkeit, aufs Klo gehen zu können ist so elementar, dass sie nicht im deutschen Grundgesetz und der UN-Grundrechte-Charta drin steht, weil dies als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Im Flugzeug wird einem der Rollstuhl abgenommen, man wird irgendwo hingesetzt und muss sehen, wie man klarkommt. Das ist extrem diskriminierend und mit dem allgemeinen gesellschaftlichen Gemeinsinn nicht in Einklang zu bringen. In Bahnhöfen oder Verwaltungsgebäuden gibt es zwar auch noch Beeinträchtigungen für Rollstuhlfahrer, aber wenn man drin ist, kann man zumindest aufs Klo. Die Autonomie des Einzelnen ist dabei nicht so berührt wie im Flugzeug, wenn man aufgrund quasi „infrastruktureller Unzulänglichkeiten“ das Klo überhaupt nicht aufsuchen kann. [b]Hat sich inzwischen schon etwas zum Besseren geändert?[/b] Eine direkte Reaktion auf meine Petition gibt es bereits: Die Lufthansa stellt inzwischen einen Bordrollstuhl zur Verfügung, unter der Voraussetzung, dass man diesen 48 Stunden vor Antritt des Fluges beantragt. Seit Monaten habe ich bei der Lufthansa deswegen vorgesprochen, jetzt wurde es endlich umgesetzt. Ein schöner Anfangserfolg, der Mut macht, weiter zu kämpfen.

Text: thomas-steierer - Foto: Jan M. Schäfer

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