Markiert euer Revier am Keramik-Baum

Die 25-jährige Joanita Herrenknecht ist Studentin an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Im Rahmen des Studiums hat sie den Pee-Tree entworfen: ein neues Pissoir, das die Natur zurück in die Stadt holen soll
lars-weisbrod
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Illustration: Julia Schubert

Dein Modell ist Teil des Projekts "Pee-Pee". Wie kamt ihr auf die Idee, neue Entwürfe für öffentliche Toiletten zu entwickeln und "angesichts der zunehmend eingesetzten klaustrophobischen Kloautomaten eine freundlicher anmutende Pissoir-Kultur wiederzubeleben"? Unser Dozent war Gastprofessor James Irvine, ein relativ bekannter Designer. Er hat schon mal was für eine Sanitärfirma gemacht und über ihn kamen wir an dieses Projekt. Der Pee-tree ist dein Beitrag: ein Baum aus Keramik als Urinal. Wie bist du auf diese Idee gekommen? James Irvine selber hat mal eine Geschichte erzählt. Er ist früher auf dem Weg zur Schule immer an einem bestimmten Baum vorbeigekommen und hat ihn angepinkelt. Nach einer Weile hat der Baum wirklich seine Blätter verloren und war dann irgendwann weg. Ist so langsam abgestorben. James Irvine hat das so lustig erzählt, dass ich auf die Idee kam, so ein Keramikklo zu machen. Es soll etwas Lustiges sein, das auch irritiert, weil du im urbanen Raum einfach keinen Baum hast. Es ist draußen für die Stadt gedacht und soll eben diese Pinkelecke, die so ein bisschen übel riecht, ersetzen. Man soll ja auch da dran gehen und das zutaggen mit irgendwelchen Stickern oder Graffititags. Also das fänd’ ich schön, wenn die Leute wie auf den Klos in den Bars ihren Namen reinritzen oder so. Wer hat sich denn schon für das Projekt interessiert? Von japanischen Zeitschriften hab ich viel Resonanz bekommen, eine Zeitschrift in Hongkong wollte es abdrucken. Die Asiaten fanden es ziemlich, ja, gut einfach. Liegt aber auch vielleicht in diesem Comichaften, was das hat, die ganze Geschichte. Wie denkst du als Designerin denn über andere öffentliche Toiletten oder die mobilen Toiletten bei Festivals? Ich hab mich jetzt nicht mit einem Partyklo beschäftigt. Wobei die Geschichte auch superinteressant wäre, klar. Das ist doch immer so, du fängst mir irgendwas an und dann hörst du auf und dann kannst du irgendwie für den Rest deines Lebens nur noch Klos machen. Aber du musst dann auch sagen, das war jetzt mal eine Idee und jetzt mach ich was anderes. Und: was sind deine nächsten Projekte? Im Moment habe ich gerade ein Projekt mit Jurgen Bey abgeschlossen - irrer Holländer - und ein anderes: die 1L Vase. Werde nächste Woche die Projekte auf meine Seite yoma.de laden. Ansonsten baue ich gerade Lampen, mache bei einem Schmuckwettbewerb mit und tausend andere Dinge.

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