Mein Ich, ein Delfin – ein Dokumentarfilm über virtuelles Leben

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Eine Doku über Second Life: Ist das nicht vor allem Werbung für diese virtuelle Welt? In meinem Film geht es gar nicht um Second Life an sich, sondern um die Leute, die in Second Life aktiv sind. Mir ging es um den Zusammenhang zwischen ihren Aktivitäten in Second Life und dem realen Leben, um individuelle Spielarten.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Regisseurin Susanne Jäger (Foto: privat) Wie sind Sie an das Thema rangegangen? Ein befreundeter Künstler hat ich auf Second Life aufmerksam gemacht, ich kannte das auch nicht. Deswegen bin ich vorurteilsfrei da rangegangen. Ich habe vor dem ganzen Hype, im Oktober 2006 mit der Recherche begonnen und habe das Thema dann verschiedenen Sendern angeboten. Da kannte noch niemand Second Life. Es hat relativ lange gedauert, bis dann der WDR Interesse daran hatte. Und was ist in dem Film dann zu sehen? Es geht um fünf Leute, die ich nach längerer Recherche gefunden hatte. Ich wollte die Vielfalt von Second Life zeigen. Außerdem war es mir wichtig, Leute zu finden, die ernsthaft dabei sind und denen es nicht nur um irgendwelche Sex-Sachen geht. Viele Künstler nutzen Second Life zum Beispiel als Plattform, Bands geben internationale Konzerte, was sie sonst nicht könnten, weil sie einfach nicht so bekannt sind. Mich hat fasziniert, dass da so viel in Second Life passiert, wovon man im realen Leben gar nichts mitkriegt. Einer der Protagonisten im Film hatte ein Jobangebot in Second Life bekommen und ist im realen Leben von Paris nach China gezogen, für diesen Job. Und man kann dort Sachen machen, die man im wirklichen Leben nie machen kann. Ein anderer Protagonist ist zum Beispiel ein totaler Delfin-Fan. Sein Avatar in Second Life ist ein Delfin und hat dort ganz viele andere Delfin-Freunde. Das klingt eher begeistert. Was ist Ihr persönlicher Eindruck von Second Life? Ich sehe Second Life vor allem als Plattform, die aber nicht so speziell ist, wie man nach dem Hype vielleicht dachte. In China zum Beispiel gibt es inzwischen viele Plattformen, die ähnlich funktionieren. Als Plattform hat es gute und schlechte Seiten. Gut finde ich, dass Leute mit gleichen Interessen sich austauschen können, egal, wo auf der Welt sie sind. Schlecht ist, dass es dort wie im richtigen Leben Perverse gibt, die nur komische Sexnummern wollen. Und wenn jemand ein total isoliertes Leben führt und nur noch in Second Life unterwegs ist, ist das natürlich auch schlecht. Ich habe da aber keine endgültige Meinung, weil sich das auch ständig verändert. Was war die wichtigste Erfahrung oder Erkenntnis bei der Arbeit? Ich hatte nach einiger Zeit tatsächlich Gefühle für diese Figuren. Das konnte ich mir vorher nicht vorstellen, weil die ja eher lächerlich aussehen, wie Puppen. Ich konnte mir nicht erklären, wie Leute sich in eine andere Figur verlieben können. Aber wenn man den persönlichen Austausch miterlebt, entwickelt man wirklich Emotionen für diese Figuren. „Mein wunderbares Ich – Der Alltag in Second Life“ läuft am Mittwoch, 29.August, um 22:30 Uhr im WDR und in der Berliner Galerie 35. Gleichzeitig ist die Dokumentation auch in newBerlin am Alexanderplatz direkt vor dem Fernsehturm und im Cubix Cinema zu sehen.

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