Mein privater Atomausstieg

Für alle, die von der Diskussion der Politiker und Stromkonzerne um den Ausstieg aus der Atomkraft genervt sind, gibt es jetzt die Möglichkeit, selbst zu handeln: Auf www.atomausstieg-selber-machen.de kann man seine WG ganz einfach atomstromfrei machen und auf Ökostrom wechseln. Wir haben bei Michael Meyer, Sprecher der Initiative, nachgefragt.
nina-heinrich

jetzt.de: Was genau ist denn Ökostrom? Michael Meyer: Ökostrom wird umweltfreundlich hergestellt aus regenerativen Energiequellen wie Wasser und Wind. Ökostrom ist klimaschonend und wird effizient hergestellt, unter anderem durch die so genannte Kraft-Wärme-Kopplung, bei der auch die entstandene Wärme genutzt wird.

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Illustration: Julia Schubert

Michael Meyer von der Initiative www.atomausstieg-selber-machen.de Wie ist die Idee zu atomausstieg-selber-machen.de entstanden? Der Auslöser dafür war der Antrag von RWE, das Kraftwerk Biblis A weiterlaufen zu lassen, obwohl es schon uralt ist. Das kam der Kündigung des Atomkonsens gleich, was viele Leute nicht akzeptieren wollten. Im Herbst 2006 wurde die Initiative atomausstieg-selber-machen.de gegründet. Hinter der Initiative stehen inzwischen alle 18 in Deutschland aktiven Umwelt- und Naturschutzorganisationen mit über fünf Millionen Mitgliedern. Was bieten Sie auf der Seite an? Man kann den Stromanbieter in drei Schritten wechseln, das ist ganz einfach. Wir empfehlen vier Anbieter: Naturstrom, Lichtblick, Greenpeace energy und die Elektrizitätswerke Schönau. So muss der Verbraucher nicht mehr lange recherchieren. Welche Kriterien sind das? Die Anbieter müssen bundesweit liefern. Der gelieferte Strom muss grün sein, das heißt, die Firmen sollen unabhängig von herkömmlichen Stromanbietern sein. Der Verbraucher soll sicher sein, dass sein Geld nicht indirekt in Atomkraftwerke investiert wird. Greenpeace energy hat sich zum Beispiel verpflichtet, das Geld der Kunden nach fünf Jahren in neue Anlagen zur Gewinnung regenerativer Energien zu investieren. Andere Anbieter haben ähnliche Systeme entwickelt. Wie nehmen die Leute das Angebot an? Im Juni und Juli hatten wir so viele Zugriffe wie noch nie. Das Interesse an Ökostrom ist spürbar größer nach den Strompreiserhöhungen zum 1. Juli, den Vorfällen in Krümmel und der Kommunikationspolitik von Vattenfall. Der Ökostromanbieter Lichtblick verzeichnet momentan jeden Tag 1000 neue Kunden. Welche Vorteile habe ich, wenn ich zu Ökostrom wechsle? Man schont Geldbeutel und Umwelt, denn in vielen Gebieten ist Ökostrom inzwischen sogar billiger als herkömmlicher Strom. Außerdem bedeutet der Wechsel auch einen politischen Akt, indem man sagt: Ich möchte die Förderung von erneuerbaren Energien unterstützen und nicht Atomkraft. Außerdem herrscht bei den vier Ökostromanbietern, die wir anbieten, Transparenz bezüglich des Preises, der ist bundesweit gleich. Stellt der momentane Ökostrom-Boom einen grundlegenden Wandel in der Einstellung der Leute dar? Es gibt seit vielen Jahren Umfragen, in denen 70% der Leute sagen, sie wollen keine Atomkraft mehr. Seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 gab es zwar die Möglichkeit zu wechseln, aber wenig Nachfrage. Jetzt steigen die Zahlen rapide, viele Kunden wechseln zu Billiganbietern und immer mehr auch zu Ökostromanbietern. Wie gesagt, die ganze Klimadiskussion, die Strompreiserhöhungen und die Störfälle bei Vattenfall sind da entscheidende Faktoren. Aber solange nicht das letzte Atomkraftwerk abgeschaltet ist, wird dieser Kampf weitergehen. Weitere Informationen gibt es auch unter der kostenlosen Ökostrom-Hotline (werktags von 9 bis 17 Uhr): 0800 7 62 68 52. Bild: privat

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