Monira Rahmans Kampf gegen die Säure

Säureattentate auf Frauen und Mädchen - das ist ein grausamer Brauch, dem seit Jahren immer wieder Männer in Bangladesh folgen. Meistens sind es abgewiesene Heiratsbewerber, die mit ätzenden Flüssigkeiten Rache für die Zurückweisung nehmen. Allein in den letzten fünf Jahren gab es mehr als 1700 solcher Attacken.
maik-soehler
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Illustration: Julia Schubert

Asma Akter ist eines der Mädchen, das einem Säureattentat zum Opfer fiel. Amnesty International hat ihren Fall dokumentiert. Asma und ihre Familie lehnten vor sieben Jahren den Heiratsantrag eines Nachbars ab. Er schlich sich daraufhin nachts ins Haus der Akters und übergoss die schlafende Asma mit Säure. Ihr Gesicht, ihre Kopfhaut und die Hände wurden schwer verätzt, ihr linkes Augenlid löste sich fast vollständig auf. Asma war damals 13 Jahre alt. Hilfe fand sie zum Glück bei der Acid Survivors Foundation . Diese Stiftung, die Opfern von Säureattacken beisteht, wurde im Jahr 1998 von Monira Rahman gegründet. Für ihr Engagement erhielt Rahman am Sonntag in Berlin den Amnesty International Menschenrechtspreis 2005. In der Begründung von Amnesty heißt es: „Blieb den Opfern von Säureattentaten früher oft nur ein Dahinvegetieren oder der Selbstmord, macht die Stiftung von Frau Rahman heute aus ihnen Menschenrechtsverteidigerinnen, die ihr Gesicht bewusst der Öffentlichkeit zeigen, um weitere Verbrechen zu verhindern.“ Zuerst einmal: Herzlichen Glückwunsch zum Menschenrechtspreis. Was bedeutet Ihnen und Ihrer Stiftung dieser Preis? Rahman: Er stellt eine große Ehre und eine riesige Anerkennung für mich und unsere Arbeit in der Acid Survivor Foundation dar. Dadurch fühlen wir, dass wir nicht alleine sind und sehr viel Unterstützung erfahren, Unterstützung und Solidarität von vielen Menschen und Organisationen. Das ist für uns sehr wichtig und dafür sind wir sehr dankbar. Was genau tun Sie und Ihre Stiftung? Wir helfen den Opfern von Säureattacken in Bangladesh. Betroffen sind pro Jahr ungefähr 400 Mädchen und Frauen. Unsere Arbeit umfasst eine medizinische und psychologische Betreuung und Rehabilitation, in Bangladesh selbst oder im Ausland, aber auch Rechtsberatung und -beistand sowie Unterstützung bei der sozialen Wiedereingliederung. Wir arbeiten darüber hinaus mit der Regierung, den Medien und Organisationen der Zivilgesellschaft zusammen, klären auf, mischen uns auf Seiten der Opfer ein, versuchen, bessere Gesetze zu erreichen. Das ist nicht immer leicht. Was sind ihre Ziele? Das wohl wichtigste Ziel ist, die Säureangriffe in unserem Land zu stoppen. Wir wollen es nicht weiter hinnehmen, dass die Körper und Gesichter von Mädchen und Frauen verätzt werden. Es geht aber auch darum, dass die Opfer der Attacken mit ihren Schmerzen und mit ihrem Leiden nicht allein sind, dass sie gestärkt werden und unabhängig leben können. Sie sollen so leben können, wie sie es wollen, und sie sollen dabei Würde und Respekt erfahren. Für die Arbeit unserer Stiftung wäre es außerdem gut, die Angebote ausbauen zu können, um so den Opfern von Säureattacken die bestmögliche medizinische und psychologische Versorgung zukommen zu lassen und ihnen anschließend die Rückkehr in die Gesellschaft zu erleichtern. Auch würden wir gerne juristisch mehr tun können, damit die Täter häufiger angeklagt und bestraft werden. Was kann man in Deutschland tun, um Ihre Arbeit zu unterstützen? Internationale Unterstützung kann uns enorm weiter helfen. Wenn viele Deutsche ganz schlicht und einfach „Nein“ zu den Säureangriffen sagen, wenn sie ihre Ablehnung ausdrücken und erklären, dass das nicht akzeptabel ist, dann ist das für uns sehr wichtig. Dafür aber ist es erstmal nötig, dass die deutschen Medien über das Problem berichten und es möglichst vielen Menschen bekannt machen. Auch der deutsche Staat kann einiges bewirken, etwa wenn Ihre Regierung mit der Regierung von Bangladesh über die Säureattacken, die Hilfe für die Opfer und mögliche Präventivarbeit sprechen würde. Dies alles zusammen stärkt das, was wir jeden Tag in Bangladesh leisten. Und Unterstützung können wir weiterhin gut gebrauchen. Weitere Informationen unter www.acidsurvivors.org und www.amnesty.de Foto: AP

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