Musikfernsehen ist nicht mehr so interessant wie es früher mal war

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Bei Google findet man sie noch, im Programm von MTV ist sie aber verschwunden: Markus Kavkas wöchentliche Indie-Show „MTV Spin“ gibt es seit Anfang des Jahres nicht mehr. Wir sprachen mit dem Moderator über das Sterben der Clipkultur und die Zukunft des Musikfernsehens.

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Illustration: Julia Schubert

Ist das an uns vorbeigegangen, oder gab es keinen Abschied von "MTV Spin"? Das war eher ein leiser Abschied. Ich habe in der letzten Sendung nur Clips gespielt, die sich irgendwie um das Thema „Abschiednehmen“ drehen. Und habe dann in der letzten Moderation gesagt: das war jetzt die letzte Sendung. Aber man muss auch sagen: das Format "Spin" gab es seit 2001. Das ist im Musikfernsehen eine ungewöhnliche lange Zeit. Und natürlich gelten auch für Sendungen wie "Spin" die gleichen Messlatten wie bei allen anderen Formaten – und was Quoten betrifft laufen wir natürlich unter der Messlatte hindurch. Mit "Spin" endet nun aber auch eines der wenigen Formate, in dem überhaupt Musik gespielt wurde. Warum soll sich man eigentlich noch Musikfernsehen angucken, wenn man sich für Musik interessiert? Man muss sich da schon die Rosinen rauspicken. Ist ja kein Geheimnis, dass im Musikfernsehen soviel Musik nicht mehr kommt. Ich hätte mir deshalb seitens der Indie-Community auch eine größere Unterstützung gewünscht – und gezielteres Einschalten am Montag um 23 Uhr. Aber ich sehe natürlich die Problematik. Musikfernsehen wird heute ganz anders konsumiert als das noch vor fünf oder zehn Jahren der Fall war. Man guckt jetzt einfach nicht mehr, weil man denkt, da kommt jetzt bestimmt ein tolles Video. Sondern man guckt gezielt nicht Musik-Formate an. Und da war "Spin" natürlich ein kleines Inselchen. Eines der letzten ... ... "Spin" ist nur ein weiterer Baustein in der Kette. Davor gab es schon Fast Forward nicht mehr. Und davor gab es ein ganzes Viva2 nicht mehr. Es scheint so zu sein, dass man Leute, die speziell solche Musik mögen, nicht mehr dafür begeistern kann, sich solche Formate im Fernsehen einzuverleiben. Wo verleiben sie sich die denn dann ein? Ich glaube, dass mit dem Niedergang von Viva2 viele Leute ein für alle mal mit dem Musikfernsehen gebrochen haben. Sendungen wie „120 Minutes“ und „Alternative Nation“ gibt’s nicht mehr. Dann hat man vielleicht noch ein bisschen Fast Forward geguckt. Aber es war ja nun auch nicht so, dass Fast Forward der Stern am Quotenhimmel war. Und das war ja auch ein Grund, warum die Sendung irgendwann eingestellt wurde. Aber es gibt doch viele Menschen, die sich für diese Art von Musik interessieren. Ja, das sieht man zum Beispiel auch daran, dass Bands wie Franz Ferdinand ausverkaufte Touren in 3000er Hallen spielen und mal ganz locker in den TopTen der Album-Charts landen. Das Problem ist aber, selbst wenn alle Leute einschalten würden, die auf den Franz-Ferdinand-Konzerten waren, wären das immer noch zu wenig. War das früher anders. Haben mehr Menschen Oasis-Platten gekauft als heute die Franz Ferdinand-Platten? Unwesentlich mehr. Aber da gab es noch nicht soviele Kanäle, über die man sich über Musik informieren konnte. Musikfernsehen ist per se nicht mehr so interessant wie es früher mal war. Ein Video im Fernsehen zu sehen, in Zeiten in denen alle großen Sender irgendwas mit Musik machen – wenn auch sehr kommerziell - ist nicht mehr der letzte Heuler. Wenn man ein Magazin wie Tracks bei arte anguckt: wieviele Videos laufen da? Nicht soviele. Anscheinend informiert man sich zunehmend übers Internet oder über Printmagazine. Musikfernsehen spielt nicht mehr so eine große Rolle als Informationsmittel darüber, was es für neue Platten gibt. Vielleicht ist das Medium Videoclip einfach nicht mehr so interessant wie früher. Schaust du dir Clips im Internet an? Das tue ich natürlich von Berufs wegen. Aber das kommt auch dazu: Gerade Videos aus dem Indie-Bereich wurden im Fernsehen seltener gespielt. Dann haben sich die Plattenfirmen überlegt: sollen wir dazu überhaupt noch ein Video drehen? Und wenn sie sich dazu entschieden haben, war klar, dass man da keine 100.000 Euro-Budget reinbuttert, sondern dass das dann eine studentische Videogruppe macht oder ein Kumpel aus der Band. Das sieht natürlich entsprechend aus. Da will ich niemandem zunahe treten, aber es wirkt im Fernsehen nicht so gut, wenn eine Band im Studio mit DV abgefilmt wird und versucht lippensynchron den Song zu singen. Auch wenn das Stück toll ist. Deswegen schalte ich nicht den Fernseher ein. Videos schaut man im Netz an? Ja, du kannst die Clips halt alle im Netz sehen. Und zwar genau dann, wenn du gerade Zeit und Lust hast. Und es ist kein Verschnitt dabei. Deshalb ist der Bedarf wohl nicht mehr so groß, eine solche Sendung im Fernsehen zu haben. Könntest du dir vorstellen, irgendwann mal eine entsprechende Sendung dann halt im Netz zu moderieren? Das könnte ich mir schon vorstellen, da das Internet zu nutzen. Um zumindest nebenbei sowas zu machen. Über das Thema "Musikfernsehen" hat jetzt.de vor kurzem auch mit Charlotte Roche gesprochen. Das Thema wurde auf jetzt.de außerdem bereits hier und hier und hier behandelt.

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