Nicht aufgeben

Alex und Dirk sind gegen Gebühren.
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Illustration: Julia Schubert

Alex und Dirk sind gegen Gebühren. Fotos: Simon Müller, Asta FH Dortmund Studiengebühren sind in vielen Bundesländern in Deutschland nicht mehr nur im Gespräch, sondern schon fast beschlossene Sache. In Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen wird es nun konkret. Die entsprechende Änderung des Hochschulgesetzes befindet sich bereits in der Umsetzungsphase. Deshalb gingen gestern in Stuttgart und Düsseldorf Studenten auf die Straße. Mit Reisebussen waren sie in die Landeshauptstädte gekommen oder gingen zu Fuß direkt von der Uni zur Demo. In Stuttgart waren es bis zu 6000 und Düsseldorf 2000 Demonstranten. Schon in den letzten Monaten hatte es bundesweit, in Hamburg oder Bamberg, immer wieder Protestaktionen gegeben. Kurz vor der Entscheidung der Landtage in den nächsten Wochen, sollte es in Stuttgart und Düsseldorf dieses Mal eine Großdemonstration werden. Aufwind gab den Studenten auch ein neues Rechtsgutachten. Demnach könnte das Hochschulgesetz in Teilen verfassungswidrig sein. Heute beginnen in Düsseldorf und Stuttgart trotzdem die Lesungen zur Einführung der Studiengebühren. Der Beschluss bleibt wahrscheinlich. Zwei Studenten haben gestern die Demo miterlebt. Wie es jetzt weitergeht, das löst bei ihnen ganz unterschiedliche Gefühle aus. In Stuttgart: Für die Demonstration gegen Studiengebühren ließ Alexanders Dozent am Mittag die Vorlesung ausfallen. Zusammen mit den Kommilitonen aus dem Seminar ging es dann zum Treffpunkt im Zentrum. Vorher hatte der 21-Jährige noch ein Transparent gebastelt „Studiengebühren stoppen!“ Glaubst du, die Demo gegen Gebühren war erfolgreich? Ja. Es ist supergut gelaufen. Noch besser als beim letzten Mal. Überall waren Leute. Nicht nur die eingefleischten Studiengegner, sondern auch Schüler oder Leute von der IG-Metall-Jugend mit ihren Fahnen habe ich gesehen. Genauso waren die Uni-Beschäftigten mit einem Warnstreik dabei. Zusammen ging's dann durch die Straßen, zur CDU-Zentrale. Das Gefühl ist rübergekommen. Der Widerstand ist noch da und er ist groß. Allen, die daran beteiligt sind, hat es auf jeden Fall Motivation gebracht weiterzumachen, weiter dagegen zu kämpfen. Meinst du, dass es auch die Landesregierung beeindruckt hat? Ja, ich glaube schon, dass die das stören wird. Es wird die Politiker nicht ganz kalt lassen. Und das merkt man ja auch in den Medien, dass sie auf uns reagieren. Die Demo ist ein gutes Mittel, um uns auf die Tagesordnung zu setzen. Wie bist du auf die Demo aufmerksam geworden? Ich studiere in Stuttgart. Da war's eigentlich schwer, nichts mitzukriegen. Es gab schon viel Werbung, Flyer, Plakate überall in der Stadt. Außerdem engagiere ich mich seit diesem Semester in der „Arbeitskreis Bildung“ bei uns an der Uni. Am 15. Dezember wird entgültig entschieden, was machst du bis dahin? Ich werde weiter machen. Ich bin der Ansicht, dass selbst, wenn ich denken sollte, dass ich nichts ändern kann, ich Position beziehen muss. Man muss zumindest versuchen, etwas zu ändern. Ich glaube, es ist ganz wichtig einen Gegenpol zu setzen. Dass das geht, haben wir gestern bewiesen. In Düsseldorf Von Dortmund bis nach Düsseldorf ist es nur eine knappe Stunde mit dem Zug. An der FH Dormund studiert Dirk Soziale Arbeit. Die Demo hat Dirk Spaß gemacht, die Stimmung war gut. Sie hinterlässt bei dem 26-Jährigen jedoch ein mulmiges Gefühl. Wieso bist du zu der Demo gegangen? Ich hab einfach das Plakat bei mir am Institut gesehen und mir gedacht: „Da müssen wir hin“ und meine Freunde eingespannt. Eigentlich dachte ich, dass Gesetz ist schon durch. Als ich erfahren habe, dass es nicht so ist, war klar, dass ich hinfahren werde. Es ist ja nicht viel Aufwand. Musstest du nicht zur Uni? Hm. Ja, dafür habe ich eine Veranstaltung sausen lassen. Mit Anwesenheitspflicht. Aber egal, dann hab ich da eben schon einmal gefehlt. Was versprichst du dir von so einer Demo? Bewirkt das überhaupt etwas? Ich wollte ein Zeichen setzen, um klar zu machen, dass ich dagegen bin. Dass wir dagegen sind. Es betrifft mich eben auch selbst. Meine Eltern können mich schon jetzt finanziell nicht unterstützen. Ich lebe von Bafög. Müsste ich fürs Studium zahlen, könnte ich nicht studieren. Ich glaube, ich bin nicht nicht der einzige, dem es so geht. Glaubst du, Studiengebühren sind noch zu verhindern? Das Gesetz wird durchkommen, denke ich. Und wie geht’s mit dir weiter? So wie es aussieht, muss ich das Studium jetzt ganz schnell durchziehen. Selbst wenn ich mich beeile, ein Semester werde ich mindestens zahlen müssen. Wie ich das mache, weiß ich noch nicht. Was es mit den Studiengebühren auf sich hat, wieviel, welches Bundesland plant und wann es losgeht, das alles erfährst du unter sueddeutsche.de

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