Nichts für Otto-Normal-Verbraucher: Schlafen wie ein Flamingo

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Miss Marylou versucht sich als Flamingo Marylou, wie kamst auf die Idee, ein Hotel aufzumachen? Wir sind in Berlin im Hinterhaus der Lichtenradestraße 32. Seit Jahren arbeiten und leben hier Künstler zusammen. Als dann die Wohnungen im Vorderhaus frei wurden und das Gebäude leer stand, kam eins zum anderen und die Idee zum „Flamingo Beach Lotel“ war geboren. Geht das so einfach, ein Wohnhaus in ein Hotel zu verwandeln? (lacht)Ich bin zu den Ämtern gegangen und habe mein Anliegen vorgetragen, ein Kunsthotel aufzumachen. Zunächst mussten die Räume in Gewerbefläche umgewandelt werden. Es gibt Bestimmungen, die besagen, dass das nur so und so viel Fläche sein darf. Aber wir sind uns recht schnell einig geworden. Gab es Vorbehalte von Seiten der Behörden? Ja doch, die gab es. Die Leute dort hatten erst den Verdacht, dass ich einen rosa Puff aufmachen will, weil alles hier so pink aussieht. Erst als ich ihnen meine Zeugnisse präsentiert habe - ich bin ja gelernte Erzieherin -, konnte ich alle Beteiligten überzeugen, dass die Idee eigentlich ganz harmlos ist. Wie kam es dazu, dass du zum Hotelgewerbe gewechselt bist? Ich mag Kinder und Jugendliche zwar gern, aber der Beruf hat mich nicht voll ausgefüllt. Weil ich sehr gern kreativ arbeite und lebe, bin ich in die Lichtenradestraße 32 gezogen. Hier kommen immer wieder mal Schulgruppen vorbei, sodass ich im Kontakt zu Jüngeren bleibe. Was macht dein Hotel aus? Ich würde es als Beherbergungsbetrieb bezeichnen, nicht als Hotel. Hotelzimmer im eigentlichen Sinn gibt es ja nicht. Jede der neun Wohnungen hat eine Dusche, eine Toilette, eine Küche und zwei Zimmer mit Betten, die entweder als Doppel- oder Einzelbetten genutzt werden können. Wir bieten Reisenden ein Zuhause auf Zeit, eine Plattform für Kontakte und Abenteuer.

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Illustration: Julia Schubert

Wie sehen die Räume aus? Das Projekt ist im Wachstum, drei der Wohnungen sind noch nicht fertig. Jeder Raum ist individuell von verschiedenen Künstlern gestaltet. Über 30 Künstler haben mitgearbeitet. Dafür haben wir uns gemeinsam auf gewisse Grundvoraussetzungen geeinigt. Letztlich konnte sich aber jeder im gegebenen Raum frei austoben und eigene Ideen verwirklichen. Hat das reibungslos geklappt? Ja (lacht), es ist natürlich ein Experiment und niemand von uns ist gelernt. Wir haben zum Beispiel Glitzermasse in der Badewanne ausprobiert, das sah wunderbar aus, tat aber auf der Haut weh. Oder Kieselsteine im Zimmer. Das wirkt ganz großartig. Sauber halten lässt sich so etwas aber nicht. Von diesen Ideen haben wir uns dann wieder getrennt. Wie hast du das Ganze finanziert? Die Künstler haben gratis gearbeitet. Sie haben gemerkt, dass es sich um ein low budget Projekt handelt, deshalb heißt das hier ja auch „Lotel“. Die Möbel habe ich von Freunden und Bekannten geschenkt bekommen. Das Teuerste waren die Dinge, die man kaum sieht, wie Schrauben und Werkzeug. Insgesamt habe ich rund 6.000 Euro investiert, einen Großteil aus Spenden. Welche Gäste sprichst du an? Keine Otto-Normalverbraucher. Für unser Projekt müssen die Leute aufgeschlossen sein. Man kann gar nicht sagen, dass nur die ganz Jungen vorbei schauen. Es kommt auch mal der Onkel von einem Freund oder eine Reisegruppe. Die Gäste müssen in jedem Fall offen sein, denn hier geht es um die Inspiration, um ein anderes Wohnen. Was kostet die Nacht im „Flamingo Beach Lotel“? Ich biete eine günstige Unterkunft mit Möglichkeiten der Selbstversorgung. Im Sommer sogar zum Sonderangebot, denn es gibt nur in einer Wohnung warmes Wasser. Alle Bewohner müssen sich also eine Dusche teilen, deshalb kostet das Bett 10 Euro. Normalerweise nehme ich für ein Einzelbett 22, für das Doppelbett 44 und für eine ganze Suite 55 Euro. Das sind sehr günstige Preise, rentiert sich deine Arbeit? Mit den Preisen kann ich die laufenden Kosten und meine Ausgaben decken. Was übrig bleibt, investiere ich wieder ins Haus. Langfristig arbeite ich aber darauf hin, dass Investoren gefunden werden, um das Projekt zu schützen und finanziell besser abzusichern. Warum empfiehlst du Berlinbesuchern einen Ausflug nach Neukölln? Unsere Gäste sehen von unserm Standort aus die einfachen Leute, sie erleben hier das wirkliche Berlin. Es ist ein bisschen so, als ob man in die Toskana fährt und sich in die Dörfer traut. Abseits der Touristenpfade leben die echten Italiener. Neukölln spiegelt das echte Berlin wieder. Das touristische Zentrum ist durch die gute Verkehrsanbindung aber auch in kurzer Zeit erreichbar. Auf den nächsten Seiten kannst du dir Bilder von den Zimmern anschauen


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Illustration: Julia Schubert


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Text: caroline-alsheimer - Fotos: Lena Panzlau

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