Nur Mut, Mädchen! Frau Popoff fördert technik-interessierte Schülerinnen

Junge Frauen in technische Studiengänge und Berufe bringen - das ist das Ziel des ersten bundesweiten Online-Mentoring-Programms Emento. Aglaja Popoff ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Braunschweig und koordiniert Emento. Am Mittwoch nun geht der erste Mentorenkurs zu Ende. jetzt.de hat aus diesem Anlass mit Popoff gesprochen
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Frau Popoff, was ist Emento? Emento ist webbasiertes Mentoring, daher E-Mento - das E steht für virtuelles Arbeiten. Eine berufs- oder studienerfahrene Person begleitet eine unerfahrene Person und hilft ihr, Kontakte zu knüpfen und Türen zu öffnen. Auf einer Internetplattform findet ein Austausch zwischen den Mentorinnen und den Mentees statt. Zusätzlich gibt es Präsenzveranstaltungen an Uni-Instituten, zum Beispiel am Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum. Dort berichten uns Forscherinnen von ihrer täglichen Arbeit. Die Mädchen können auch selbst Maschinen ausprobieren und Labors besuchen. Einige Projekte finden auch in Betrieben, wie zum Beispiel bei Volkswagen Braunschweig statt, wo Ingenieurinnen wie die Maschinenbauerin Yvonne Marek oder die Maschinen- und Fahrzeugbauingenieurin Melanie Laatsch ihre Arbeit in Entwicklung und Produktion vorstellen. Wie kann man mitmachen und wie funktioniert die von Ihnen angesprochene Plattform? Jede Schülerin kann sich einfach per Mail anmelden. Die Anmeldung für die Themenschwerpunkte Informatik oder Ingenieurwissenschaften gilt für drei Monate. In diesen Fächern ist der Frauenanteil in Uni und Beruf am Niedrigsten: zum Beispiel waren in Braunschweig nur gut neun Prozent der Elektrotechnikstudenten des vergangenen Wintersemesters Frauen. Auf der Plattform dann stellt sich jeder kurz mit einem Profil vor und gibt seine Wünsche an. Zusätzlich bieten wir Praktika, moderierte Themenchats und Hintergrundinfos - ein Forum rund um die Berufsorientierung wird von technischen und studentischen Mitarbeitern betreut. Die Internetform hat vieles möglich gemacht, dadurch haben wir zum Beispiel sogar Mentorinnen aus dem Ausland gewonnen. Wie kommt Emento an? Bis jetzt gibt es nur positive Rückmeldungen. Die Kontaktaufnahme fällt den Schülerinnen durch das Internet leichter. Die Mentorinnen sind ja zum Teil 30 Jahre älter, das schafft schon Respekt. Für die Mentorinnen ist es schön, einen Einblick in die Lebenswelt der Schülerinnen zu erhalten. Manche von ihnen haben dort zum ersten Mal gechattet.

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Illustration: Julia Schubert

Warum fördern sie junge Frauen für technische Berufe? Es herrscht ein genereller Mangel an Ingenieuren – da setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass man auf das Potential der Frauen nicht verzichten kann. Und bei vielen Mädchen ist ein gewisses Grundinteresse für technische Themen da, das aber nicht ausreicht, um sich wirklich für solch einen Beruf zu entscheiden. Deshalb liefern wir Informationen. Wir beantworten Fragen wie: Was mache ich später als Ingenieurin? Wir fördern außerdem das Selbstvertrauen der Mädchen in ihre technischen Fähigkeiten. Ist das mangelnde Selbstvertrauen ein Grund für die geringe Frauenquote? Ja, und ein wichtiger Punkt ist auch, dass der Umgang mit Technik den Frauen leichter fällt, wenn sie unter sich sind. Zum Beispiel beim Experimentieren kommen die Frauen oft zu kurz. Viel hängt auch mit der Sozialisation zusammen – nach wie vor gibt es die Geschlechterstereotypen und Frauen wählen aus nur sehr wenigen Berufen aus. Woher stammt die Idee zu dem Projekt? Emento gibt es seit Anfang 2004 und es läuft noch bis Ende 2006. Schon davor gab es ein Projekt mit Schülerinnnen. Als das zu Ende war, haben wir uns gefragt: Wie können wir jetzt weitermachen? Gegründet wurde das Projekt vom Gleichstellungsbüro der TU Braunschweig, finanziert hat es das Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Für wen ist Emento gedacht? Wir richten uns an Schülerinnen der Klassen 11 bis 13. Zeigt das Projekt Wirkung? Offenbar. Ende letzten Jahres haben wir eine Verbleibstudie mit den Schülerinnen aus dem Vorgängerprogramm gemacht. Wir haben zahlreiche Rückmeldungen erhalten – etwa 60 Prozent studieren in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern. In normalen Schuljahrgängen studieren dagegen nur etwa 30 Prozent der Schüler in diesem Bereich. Bei dem Projekt haben aber sicher vor allem Schülerinnen teilgenommen, die ohnehin schon Spaß an der Technik haben? Ja, aber auch bei denen mangelt es oft an Selbstvertrauen – das wollen wir vermitteln. Was passiert bei der Abschlussveranstaltung? Die ist das Pendant zur Auftaktveranstaltung. Damals haben die Mädchen ein Poster erstellt, wie sie sich eine Informatikerin oder Ingenieurin vorstellen. Nun werden wir noch mal ein Poster herstellen und sehen: was hat sich geändert an dem Bild? Wird es ein Folgeprojekt geben, wenn Emento Ende 2006 ausläuft? Wir wollen auf jeden Fall weitermachen und ich bin sehr optimistisch, dass auch die Finanzierung klappt. Foto: Emento

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