Obama hört seine Songs

Kareem Salama gilt als Amerikas erster muslimischer Country-Sänger. Zuletzt ist er mit seiner Band durch den Mittleren Osten getourt, um den Menschen dort typisch amerikanische Musik vorzuspielen.
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Illustration: Julia Schubert



Kareem, deine Eltern kamen in den 1960ern von Ägypten nach Amerika. Konnten sie schnell ihren amerikanischen Traum leben – oder hat man ihnen das aufgrund ihrer Herkunft erschwert?
Sie hatten die Probleme, die alle jungen Leute haben, wenn sie irgendwo neu anfangen. Sie mussten hart arbeiten, hatten wenig Geld. Was die Integration in die Gesellschaft angeht, haben sie mir aber von keinen wirklichen Schwierigkeiten erzählt. 

 Du selbst bist dann in Green Country in Oklahoma aufgewachsen. Kamst du dir dort jemals fremd vor?
Nein, ich habe mich dort immer sehr zu Hause gefühlt. Ich hatte auch nie irgendwelche Identitätsprobleme. Weil ich ja das Privileg hatte, meine Identität selbst formen zu dürfen, und zwar aus den Traditionen, die meine Eltern mitgebracht hatten, und denen der Amerikaner. Dass ich mich in Green Country so wohl gefühlt habe, lag auch daran, dass meine Eltern dort überall sehr respektiert wurden und viele Freunde hatten. Dieses Gefühl, ein Teil der Gemeinschaft zu sein, hat sich auf mich und meine Geschwister übertragen. Wir haben uns immer als Amerikaner gefühlt.  

Ich stelle mir gerade vor, wie ein typisch amerikanisches High-School-Mädchen dich mit nach Hause nimmt und ihrem christlich-konservativen Daddy vorstellt, hätte es da ein Problem gegeben?
 Damals war 9/11 und vieles andere ja noch nicht passiert. Die Welt war eine andere. Ich habe die Leute in der Gegend, in der ich groß geworden bin, immer als sehr warmherzig wahr genommen. Und es ist doch so: Wenn man sich in eine Gesellschaft integrieren möchte, muss man mehr annehmen als nur die Staatsbürgerschaft. Wenn man die Privilegien eines Landes genießen will, darf einem dieses Land nicht egal sein. Man muss ein Teil davon sein wollen. Das heißt nicht, dass man sich dafür von seinen Wurzeln trennen muss, ganz im Gegenteil. Mit dem, was man mitbringt, kann man die Gesellschaft, in die man hineinwachsen will, ja auch unterstützen. Genau davon lebt Amerika lebt doch auch – von mitgebrachten Traditionen.  

Es heißt, einige der amerikanischen Traditionen hätten es dir schon als Kind angetan: Rodeoreiten und Country-Musik.
Stimmt, meine Mutter hat uns zum Rodeo gebracht und auch auf einige Country-Festivals mitgenommen. Ich habe schon als kleiner Junge Country-Songs gehört. Country-Musik ist so was wie der Soundtrack meines Lebens geworden.  

Wenn du über die Amerikaner und ihre Traditionen sprichst, hört man dir einen gewissen Stolz an. Hast du das Gefühl, dass die Amerikaner nach 9/11 auch schon stolz auf einen muslimischen Country-Sänger sein können?
Die interessantere Antwort wäre sicher ‚nein’. Aber die ehrliche Antwort ist ‚ja’. Ich bekomme nicht viele negative Reaktionen auf meine Musik. Fast allen, die sie hören, scheint es zu gefallen. Letztendlich bewerten dich die meisten Leute ja nach dem, was du machst – nicht nachdem, wer du bist.  

http://www.youtube.com/watch?v=0V4ePb3aOT0

Zu den meisten zählt auch Präsident Obama. Der hat dich sogar schon ins Weiße Haus eingeladen. Worüber hast du mit ihm gesprochen, als du ihn getroffen hast?
Nur kurz über meine Songs. Bis dahin konnte ich gar nicht glauben, dass er die überhaupt kennt.  

Natürlich hat er dich auch eingeladen, weil deine Ansätze zu seiner Politik passen. In deinen Songs geht es ums Brückenbauen zwischen dem Westen und dem Mittleren Osten und darum, dass alle Menschen gleich sind - egal woran sie glauben, egal welche Hautfarbe sie haben, egal wie reich oder arm sie sind. Eine Einstellung, die sich in Amerika leider noch nicht ganz durchgesetzt hat – oder geht es in dieser Hinsicht voran?
Als wir auf Tour im Mittleren Osten waren, haben uns die Leute dort genau die gleiche Frage gestellt. Und ich habe ihnen gesagt, dass eine Antwort darauf doch eigentlich gar nicht mehr nötig sei. Man braucht doch nur mich und meine Band anzuschauen. Wir sind alle so verschieden, haben unterschiedliche Herkünfte und Religionen. Und trotzdem sind wir die besten Freunde und reisen zusammen um die Welt.  

Ihr habt in Ländern von Marokko bis Bahrain gespielt. Wie kam Country-Musik dort an? Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die Konzerte ausverkauft waren. Das kam darauf an, wo wir gespielt haben. Manchmal waren die Konzerte ziemlich groß, manchmal waren sie aber auch bewusst klein gehalten, um einen Dialog mit dem Publikum zu ermöglichen. So konnten die Zuschauer auch mal ein paar Fragen stellen. Ich hatte aber eigentlich immer das Gefühl, dass es den Leuten gefällt. Wahrscheinlich kam es dort auch so gut an, weil Country-Musik der traditionellen Musik vieler Länder sehr ähnelt.   

In Kairo seid ihr in einer Fernsehshow aufgetreten. Dort wurden deine Bandkollegen gefragt, ob es nicht komisch für sie als Christen sei, mit einem Muslim zusammen zu spielen. Außerdem wurde mit den anderen Englisch, mit dir aber ausschließlich Arabisch gesprochen. Da schienen einige Berührungsängste im Spiel gewesen zu sein.
Ich habe dort ja nie gelebt, deshalb kann ich nicht eindeutig über die Gefühle der Menschen dort urteilen. Die Erfahrung, die ich auf Tour gemacht habe, ist dass die Leute im Mittleren Osten großen Respekt vor dem Westen haben. Irgendwie orientieren sich ja auch all diese Länder auf eine Art am Westen, dazu zählt zum Beispiel auch der Konsum der Massenmedien des Westens. Auf der anderen Seite sind viele auch immer noch wütend auf das, was im Westen passiert. Und unglücklicherweise ist es im Mittleren Osten genauso wie im Rest der Welt so, dass einige, die vorgeben unheimlich gläubig zu sein, mehr davon reden als es zeigen.  

Unangenehmer als in Kairo war es für dich sicher, als du beim US-Fernsehsender „Fox“ ein Interview gegeben hast und man dich darin fragte, ob du Angst hättest, dich bei einem erneuten terroristischen Anschlag auf Amerika von Islamisten verstecken zu müssen. Ich hätte nicht erwartet, dass du bei einer solchen Frage so ruhig bleiben würdest. Fiel dir das nicht schwer?
Nein, das war nicht schwer. Meine Eltern haben mich dazu erzogen, immer an das Gute im Menschen zu glauben. Deswegen verurteile ich niemanden vorschnell. Mich nervt auch, wenn sich Leute, die irgendeiner Minderheit angehören, zu schnell unterdrückt fühlen und deswegen auch ständig beschweren – im Westen wie im Mittleren Osten.  

In deiner neuen Single „Makes Me Crazy“ wiederholst du immer wieder den Satz „I have a dream“. Wovon genau träumst du? Im Song gibt es ja solche Zeilen wie „I have a dream that we could dance in the street and all the righties wouldn’t mind the kids with two left feet“. Damit will ich vor allem zu gegenseitigem Respekt aufrufen. Ich weiß, es ist ein Klischee – aber die meisten Menschen lieben ja Musik. Und wenn man auf einem Konzert nebeneinander steht und für den Moment zusammen etwas Schönes verfolgt, nämlich die Musik, dann sind Unterschiede wie zum Beispiel die der Hautfarbe plötzlich total unwichtig. Das passiert uns ja immer wieder. Im Angesicht von Schönheit vergessen wir auf einmal alle Sorgen und Probleme.  



Kareem Salamas neues Album „City Of Lights“ erscheint am 1. März auf LightRain Records.

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