"Oberflächlich betrachtet sind wir alle Jungs, die mit Gitarre deutsche Texte singen"

Abitur mit 17, ein abgebrochenes Studium. Jetzt spielt Max Prosa Gitarre und singt nachdenkliche Texte. Ein Interview über das Woher und Wohin
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Illustration: Julia Schubert


Dein Künstlername „Max Prosa“ lädt ja fast schon zu einer Frage nach der tieferen Bedeutung ein. In wie vielen Interviews war das bisher der Einstieg? Max Prosa: Bei mindestens 75 Prozent  (lacht)  

Hast du die Namenswahl schon mal bereut? Immerhin klingt „Prosa“ ja furchtbar bedeutungsschwer und intellektuell.
Clueso wurde auch immer nach seinem Namen gefragt. Das liegt einfach auf der Hand, gerade weil bei mir noch die Bedeutung des Wortes „Prosa“ dazukommt. Für mich hat aber nur der Klang gezählt und jetzt muss ich damit leben. (Lacht)  

Eine weitere Unart von Journalisten ist das Vergleichen. Gab es Vergleiche, die dich wirklich geärgert oder verwundert haben?
Ärger wäre das falsche Wort. Etwas blöd ist die aktuelle Welle von Songwriter, wie Poisel, Bendzko und Co. Dass mein Album im Januar kommt, sieht ein bisschen danach aus, als würde ich noch mitschwimmen wollen. Ich kann aber versichern, dass mein Album alles enthält, was ich schon seit Jahren mache. Deshalb ist es ein bisschen komisch für mich, in den Zeitgeist-Topf geworfen zu werden.  

Mal Hand aufs Herz. Du profitierst aber doch auch von dem gestiegenen Interesse an deutscher Popmusik!?
Das kann sein. Aber das passiert auf einer Ebene, die hinter meiner Musik liegt. Klar sind deutsche Singer/Songwriter gerade mehr im Fokus und vielleicht werden deshalb auch mehr Menschen auf mich aufmerksam. Aber das Album hätte ich auch ohne  diese Welle genauso gemacht.  

Du hast mit 17 Jahren dein Abitur gemacht und danach Physik und Philosophie studiert. So etwas ist ja häufig Produkt einer enorm pädagogischen Jugend. Wie sah es denn mit einer musikalischen Bildung aus?
Ja, du hast recht. Meine Eltern haben viel Wert auf eine pädagogische und kultivierte Erziehung gelegt (lacht). Dazu gehörte natürlich auch das klassische Instrument, da mein bester Freund Klavierunterricht bekommen hat, fiel bei mir die Wahl auf die Konzertgitarre. Bis in die Pubertät habe ich also klassische Sachen gespielt, bis ich dann irgendwann die E-Gitarre für mich entdeckt habe. Damals war aber der Fokus noch auf der Schule und nach dem frühen Abitur wusste ich nicht so recht, was ich machen soll. Meine Physiknote war sehr gut und darum habe ich das Studium begonnen. Doch dann kam auch bald die Erkenntnis, dass es das nicht ist. Wie ein Künstlerleben aussehen kann, musste ich dann erstmal herausfinden. Bis heute würde ich sagen, ist die Suche nicht abgeschlossen.  

Wie schwer war es, für deine Eltern diese Selbstfindung zu akzeptieren?
 Das war schon nicht leicht. Musik spielte für sie immer nur als Freizeitbeschäftigung eine Rolle. Es war ein wenig, wie einem Blinden zu erklären, was Grün ist. Daran bin ich lange verzweifelt. Erst im letzten Jahr kam eine Reflexion auf, die wirklich positiv war. Nachdem bei ihnen ein paar Träume für meine Zukunft zusammengebrochen sind, akzeptieren sie jetzt meinen Weg. Ich verstehe sie ja auch, immerhin sah es ja am Anfang schon eher nach einer Verwirrung aus und nicht nach etwas Solidem.  

Kommen wir mal zu deinem Karrierestart. Du warst zuerst im Bandpool der Popakademie Mannheim, richtig!?
Genau, das war noch vor dem Zughafen. Dort bekam ich als junger Musiker ein paar wichtige Tipps für den Karrierestart. Immerhin hat man ja recht wenig Erfahrung mit den ganzen Musikbusiness-Dingen. Für mich war das auf jeden Fall der erste Grashalm, der aber dann von dem Zughafen abgelöst wurde.

http://www.youtube.com/watch?v=bDLHW22Ogd0&feature=related

Wie bist du denn zum Zughafen als Management gekommen? Du hast ja nicht den HipHop-Background wie deren andere Kunden Ryo oder Clueso.
Das stimmt! Nach einem Konzert kam der Präsident der Mannheimer Popakademie zu mir und wollte mein Demo haben. Er hat das dann zu dem Universal Musikverlag geschickt und der A&R von dort wollte sich relativ schnell mit mir treffen. Wir trafen uns im Michelberger Hotel in Berlin zum Mittag. Ich hatte aber gar nicht genug Geld dabei, um mein Essen selbst zu bezahlen. Also hab ich mir die gesamte Zeit nur Gedanken darüber gemacht, ob ich nun eingeladen werde und das es ja ziemlich peinlich wäre, kein Geld zu haben. Darum habe ich schlichtweg gar nicht mitbekommen, was er mir erzählt hat. Zum Glück lud er mich, aber ich konnte mich einfach an nichts aus dem Gespräch erinnern. Darum hat er mir dann ein Management vermittelt, das mir diese Dinge abnimmt. Von den sechs Kandidaten war mir Andi vom Zughafen am sympathischsten.  

 Ich habe vor einiger Zeit mal gelesen, dass die deutsche Songwriter-Landschaft zweigeteilt sei, also zwischen den fröhlichen Vertretern wie Bendzko und der bedeutungsschwereren Fraktion, zu der ich dich einfach mal zähle. Siehst du solche Grenzziehung auch?
Ich glaube, nur in fröhlich und traurig zu denken, wäre zu einfach. Vielleicht passen die Begriffe „zugänglich“ und „nachdenklich“ besser. Bei manchen Liedern muss man sich vielleicht einfach mehr Gedanken machen als bei anderen. Aber das macht die Szene ja auch so spannend. Oberflächlich betrachtet sind wir alles Jungs, die mit Gitarre deutsche Texte singen. Aber wenn man dahinter schaut und sich mit den einzelnen Songs auseinandersetzt, kann man eben diese Unterschiede entdecken. 

 Ich habe in einem Radiointerview mit dir erfahren, dass du Rio Reiser als Inspirationsquelle siehst. Er war vielleicht einer der meinungsstärksten deutschen Musiker überhaupt. Fehlt es aus deiner Sicht an solchen Persönlichkeiten in der deutschen Poplandschaft?
Ohne Frage hat Rio Reiser einige monumentale Stücke geschrieben und das macht ihn einfach unaustauschbar. Diese Verehrung und dieser Respekt vor einem Werk kann aus meiner Sicht nur entstehen, wenn Songs eine gewisse Tiefe und einen unverwechselbaren Stil haben. Bei solchen Künstlern kann einfach kein anderen kommen und das erfolgreich kopieren. Mit gutem Aussehen und Charttauglichkeit wird man nicht unsterblich (lacht). Diese Unaustauschbarkeit macht für mich Rio Reiser so bewundernswert.  

Du hast vorhin gesagt, dass du nicht weiß, wo dich dein Weg hinführt. Heißt das auch im Umkehrschluss, dass die Musik nicht der einzige mögliche Weg des kreativen Ausleben für dich ist?
Das könnte durchaus sein. Ich habe mir nie konkrete Ziele gesetzt oder einen übergeordneten Lebensplan gehabt, sondern immer das gemacht, was ich wollte oder was mich interessiert hat. Ich hoffe sogar, dass ich mich nochmals verändere und halte das sogar für Künstler notwendig. Gerade was die Texte betrifft, finde ich zum Beispiel noch viele andere Formen reizvoll. Konkretes ist aber nicht geplant.     

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Illustration: Julia Schubert


Das Album "Die Phantasie wird siegen" von Max Prosa erscheint am 27. Januar bei Columbia d / Sony


Text: birk-grueling - Fotos: Sandra Ludewig

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