OK Go sagen: Ok, Ciao!

Weil die großen Plattenfirmen noch nicht kapieren, wie eine Band heute funktioniert, haben die Musiker aus Chicago jetzt lieber zwei Hunde zum Boss.
dirk-vongehlen
Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Der Anfang des Band-Ruhms: Screenshot aus dem Clip zu A Million Ways, Bassist Tim Nordwind steht ganz links 

Anfang des Monats berichteten wir über Probleme der amerikanischen Band OK Go  mit ihrem Label EMI. Kurz darauf kündigten die Musiker an, nun ihr eigenes Label zu gründen. Es soll Paracadute heißen: Für diesen Schritt wählten OK Go einen Weg, der sie vorher bereits weltberühmt gemacht hatte: Sie veröffentlichten ein Video. Aber anders als bei den bekannten Clips zu „Here It Goes Again“ (2006) und „A Million Ways“ (2005) sah man in diesem Video keine tanzenden Menschen, sondern Sänger Damian Kulash und zwei Hunde: Dora und Bunny, die neuen Geschäftspartner von OK Go.

Wir sprachen mit Tim Nordwind, dem Bassisten der Band über die Pläne:

Wie geht’s den Hunden?

Danke der Nachfrage, den Chefs des Unternehmens geht’s gut.

Sie heißen Dora und Bunny?

Bunny ist einem Freund von mir zugelaufen. Und er hat mich gebeten, mich um ihn zu kümmern. Da ich aber bei mir keine Hunde halten darf, habe ich ihn Damian gegeben. Und jetzt leiten sie unsere Firma.

Und was ist der größte Unterschied zu Euren vorherigen Chefs?

lacht Die neuen Chefs haben vier Beine, die bisherigen hatten nur zwei.

Das war aber nicht der Grund, warum Ihr Euch von Ihnen getrennt habt?

Natürlich nicht. Es ging – jetzt mal ernsthaft – um Folgendes: Das Musikgeschäft ändert sich gerade grundlegend. Und wir wollen dabei gerne experimentieren – in Bezug auf die Musik und natürlich auch in Bezug auf andere Dinge, wie etwa unsere Videoclips. Bei EMI hatten wir – obwohl man dort immer ganz großartig zu uns war – nicht das Gefühl, die ausreichende Flexibilität zu haben. Es gab aber keinen großen Streit oder so was.

 

Aber es gab doch eine Auseinandersetzung um Video, oder?

Alle Majorlabels haben Vereinbarung mit YouTube, dass sie anteilig mitverdienen, wenn Clips auf YouTube angeschaut werden. Das Problem ist aber, dass viele Menschen die Videos auch in ihren Blogs oder sonst wo einbinden wollen. Dann verdienen die Labels aber nichts mehr. Deshalb unterbinden sie diese Einbetten-Funktion. Was ich verstehe, weil sie irgendwie Geld verdienen müssen. Aber für uns als Künstler geht es darum, dass möglichst viele Leute unsere Musik hören und unsere Clips sehen.

Deshalb habt Ihr jetzt ein eigenes Label gegründet: Werdet Ihr dann auch andere Bands unter Vertrag nehmen?

Klar, vielleicht schon. Aber gerade geht es um unsere eigene Band, um unsere Musik und unsere Clips.

 

Und dafür habt Ihr eine Kooperation mit YouTube geschlossen?

Ja, das ist ein Versuch, mit häufig angeschauten Videos auch Geld zu verdienen. Das ist ja die große Herausforderung für die Musikindustrie, die Aufmerksamkeit, die man im Internet bekommen kann, auch in Einnahmen zu überführen. Da bedarf es einiger Experimente bis man eine Lösung gefunden hat.

 

Es gibt Leute, die behaupten: Geld wird heute vor allem über Konzerte verdient. Stimmt das?

Wenn wir in den USA auf Tour gehen, verdienen wir damit meist schon ein wenig Geld. In Europa ist das nicht so sicher. Da gab es auch schon Tourneen, bei denen wir am Ende draufgezahlt haben. Die Organisation von Konzerten wird vermutlich eine der Sachen sein, bei der wir die Unterstützung eines großen Labels am meisten vermissen.

 

Gibt es da nicht viel mehr? Immerhin ist das doch bisher der große Traum einer Band gewesen, einen Plattenvertrag zu kriegen. Ihr hattet einen, sogar bei einem Majorlabel und habt den jetzt gekündigt. Was hat sich da verändert?

Als wir vor zehn Jahren unseren Plattenvertrag bekommen haben, waren wir auch sehr glücklich. Klar. Und wenn wir heute erst anfangen würden, könnten wir auch nicht so agieren, wie wir das jetzt tun. Um Experimente wie zum Beispiel Radiohead zu machen, muss man auch so bekannt sein wie Radiohead.

 

Wie meinst du das?

Uns fehlte vor zehn Jahren einfach das Kapital, um zum Beispiel zwei Monate auf Tour zu gehen. Da war es schon gut, dass wir ein Label hatten, das uns bezahlt hat. Das größte Risiko war damals, dass wir scheitern und man sich trennt. Jetzt ist das Risiko natürlich für uns viel größer.

 

Wie groß ist es? Was passiert, wenn Ihr scheitert?

Dann spring ich aus dem Fenster. Nein, im Ernst: Wenn wir wirklich scheitern sollten, müssen wir uns was anderes suchen. Aber Scheitern war nie eine Option für uns. Wir haben eine Menge Zeit in unserer Karriere darauf verwendet, neue und andere Weg zu finden und das werden wir auch jetzt tun. Und unser Erfolg basierte schon immer darauf, dass wir abseits der ausgetretenen Pfade gelaufen sind. Wenn wir also jetzt mit einer Idee scheitern sollten, denken wir uns eine andere aus.

 

Dann verrate uns doch bitte, welche Idee Ihr für Euren nächsten Clip habt.

Wir fangen diese Woche an, den nächsten Clip zu drehen. Es geht dabei um Zeit, soviel kann ich verraten. Wir drehen den Clip mit Jeff Lieberman, der eine Show namens Time Wrap im Discovery Channel hat. 

  • teilen
  • schließen