Bayerns Innenminister Günter Beckstein möchte so genannte Killerspiele verbieten. Und auch die Innen- und Justizminister der EU haben heute in Dresden über ein Verbot gesprochen. Sie sind dagegen. Warum? Aus dem ganz einfach Grund, weil wir ein Verbot nicht für zielführend halten. Das Argument für ein Verbot geht davon aus, dass Gewalt in Computerspielen auch zu Gewalt im realen Leben führt. Sehen Sie das nicht so? Das stimmt nicht so ganz. Auch Herr Beckstein sagt, dass solche Computerspiele Auswirkungen auf labile Menschen haben. Das heißt, man muss sich die Frage stellen: Warum sind diese Menschen labil? Deshalb sagen wir: Die negativen Folgen eines Verbotes würden die positiven Folgen klar überwiegen.

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Pixel als Killer? Illustration: dirk-schmidt Was sind denn die negativen Folgen eines Verbots? Man macht solche Spiele gerade für jüngere Menschen noch viel interessanter. Der Reiz des Verbotenen wird steigen. Außerdem wird so eine Mehrheit an Computerspielern kriminalisiert, die sich nichts hat zu Schulden kommen lassen und sich auch in Zukunft wohl nichts zu Schulden kommen lassen wird. D.h. man drängt viele junge Menschen sozusagen in den Untergrund. So wird es für die Eltern noch schwieriger, den Medienkonsum ihrer Kinder im Auge zu behalten. Sie glauben also nicht, dass sich Spieler durch ein Verbot vom Spielen abhalten lassen? Sicher nicht. Die meisten werden das nicht nachvollziehen können. Ein Abschreckungspotential ist also auch nicht gegeben. Im Gegenteil: sie werden ihren Medienkonsum weiter von ihren Eltern abschotten. Warum wird trotzdem so häufig über ein Verbot von Killerspielen diskutiert? Ich denke schon, dass es begründete Sorgen sind, die Herr Beckstein hier anspricht. Es ist auch seine Aufgabe als Politiker, Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Für ihn ist die einzige Lösung wohl das Strafrecht. Wir glauben aber, die Ursachen für Gewalt liegen woanders. Wo liegen die Ursachen? Wir glauben, es ist zu einfach, den Medien und konkret den Computerspielen, die Schuld in die Schuhe zu schieben. Hier drückt sich die Politik davor, andere Probleme, nämlich jene, die Gewalt verursachen zu lösen: das sind z.B. Vernachlässigung und mangelnde Zukunftsperspektiven in Folge von Bildungsdefiziten. Trotzdem wird immer wieder über Computerspiele diskutiert. Das liegt sicher auch an einer Verständnis-Kluft zwischen den Generationen. Viele ältere Menschen können den Lebensstil jüngerer Menschen, zu dem Computerspiele gehören, nicht mehr nachvollziehen. Und da jüngere Menschen in der Politik unterrepräsentiert sind, wird diese Debatte von eher älteren Politikern natürlich gerne immer wieder angestoßen. Eine Umfrage der letzten Woche hat herausgefunden, dass eine Mehrheit der Deutschen trotz aller Argumente für ein Verbot so genannter Killerspiele sind. Woran kann das liegen? Die Berichterstattung der Medien beeinflußt natürlich die Meinung der Menschen und in den vergangenen Wochen ist viel und oft auch einseitig über ein solches Verbot diskutiert worden. Aber man muss natürlich auch fragen: Wie repräsentativ ist eine solche Umfrage? Wieviele der Befragten nutzen selber Computerspiele und wissen überhaupt, worüber sie sprechen? Mehr über Games auf jetzt.de: > ein Porträt von Christoph Klimmt, der einer der ersten deutschen Computerspiel-Forscher ist. > ein Interview mit Javkhlan Tahery Boeini, der als Javman für Hertha BSC kickt - virtuell. > eine Übersicht über die Games-Convention 2006 in Leipzig > ein historischer Abriss über die Geschichte des Spiels Pong. > ein Gespräch mit dem Literaturwissenschaftler Wilfried Kaminsiki, der sagt: Videospile sind das Leitmedium der Gegenwart > eine Übersicht über die wichtigsten Fakten zum Konsolenkrieg. > ein Interview mit David DeMartini, der für ElectronicArts den Filmklassiker "Der Pate" zu einem Videospiel machte. > ein Fall für Zwei über die Rückkehr der Videospiel-Ikone Lara Croft > ein Interview mit dem E-Games-Moderator Alexander Albrecht, dem Marcel Reif des CPU.