jetzt.de: Du hast dich schon sehr früh für Comics und Zeichentrickserien interessiert. Hat dein Mitwirken an Filmen wie „Transformers“ oder „Teenage Mutant Ninja Turtles“ eine besondere Bedeutung für dich?
Megan Fox: Das sind die Art Filme, die ich mir selbst am liebsten im Kino ansehe. Wenn ich also die Chance bekomme, in einem davon mitzuspielen – umso besser! Und von den Turtles war ich als Kind bereits Fan. Ich kann mich noch erinnern, dass ich ungefähr fünf Jahre alt war, als ich mir mit meiner zwölf Jahre älteren Schwester „Turtles II – Das Geheimnis des Ooze“ angesehen habe.  

1027652



Du hast schon häufig action-geladene Rollen gespielt und hast mal angemerkt, dass du eine aggressive Persönlichkeit hättest. Liegt darin deine Rollenwahl begründet?
Ich selbst würde mich gar nicht als aggressiv bezeichnen, aber ich werde von anderen Menschen häufig so wahrgenommen. Ich habe eben keine Angst vor Konfrontation. Das hat aber nichts mit Aggression zu tun, sondern mit Selbstbewusstsein.  

Im Film geht es aber nicht nur um den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, sondern auch um die Beziehung zwischen vier Geschwistern. Deine eigene Schwester hast du eben bereits erwähnt. Wie ist das Verhältnis zu ihr?
Wir verstehen uns super. Sie wohnt mittlerweile auch in Los Angeles, ganz bei uns in der Nähe, sodass wir uns häufig sehen. Sie hilft mir viel mit meinen Babys. Sie hat selbst zwei Jungs, die ich abgöttisch liebe und mit denen ich gerne Zeit verbringe. Für mich ist meine Schwester eher eine Mutterfigur. Das liegt zum einen natürlich an dem großen Altersunterschied, zum anderen war sie immer zu Hause, während unsere Mutter gearbeitet hat. Daher hat meine Schwester eine ganze Menge zu meiner Erziehung beigetragen. Ich muss allerdings sagen: Wir haben sehr unterschiedliche Auffassungen vom Leben.  

Also streitet ihr viel?
Nein, aber wir diskutieren viel!  

Fragst du sie um Rat in Sachen Kindererziehung?
Eher weniger, denn auch da haben wir sehr unterschiedliche Ansichten. Meine Schwester ist relativ streng, während ich wohl eher der Typ Künstler- oder Hippie-Mutter bin.  

Stimmt es eigentlich, dass du als Kind in der Schule nicht sonderlich beliebt warst?
Ja, leider. Als ich in der sechsten Klasse war, sind wir nach Florida gezogen, wo ich auf eine neue Schule gekommen bin. Dort gab es etwa 2000 Schüler, aber Freunde gefunden habe ich dort nicht. Ich habe allerdings immer Aufmerksamkeit generiert, wenn auch nicht immer positive. Das muss wohl mit meinem Karma zu tun gehabt haben.  

Heute wirst du dafür von vielen Menschen vergöttert...
Klar, und das ist schön – auf eine bizarre Art und Weise. Aber für beides gilt ja: die Leute kennen mich nicht. Auf welcher Grundlage beruht also ihre Sympathie oder Abneigung mir gegenüber? Aber ich verstehe natürlich, dass es eine komische Form von Vertrautheit erzeugt, wenn dich die Leute in ihrem Zuhause im TV sehen.  

Wie gehst du damit um?
Das größte Problem liegt vor allem darin, dass ich mit den Menschen ja nie direkt kommuniziere, sämtliche Infos über mich kommen von den Medien, ich kann nur versuchen, stets nett und freundlich zu sein. Ich bin also davon abhängig, richtig verstanden zu werden. Wenn ich aber einen Scherz oder eine ironische Bemerkung mache, wird das häufig in einen falschen Kontext gesetzt und schon stehe ich als Idiot da.  

Ein Beispiel bitte!
Vor ein paar Tagen habe ich eine Pressekonferenz zum Turtles-Film gegeben. Dort wurde ich gefragt, ob ich auch der Meinung sei, Michael Bay hätte mit seinen Filmen das Seelenheil der Kinder auf dem Gewissen. Daraufhin habe ich geantwortet, die Leute sollen sich den Film erst mal ansehen und danach ein Urteil fällen. Und dann habe ich noch lachend hinzugefügt: „Wenn der Film ihnen dann nicht zusagt: Fuck off!“ Ich habe das wirklich ganz süß formuliert, sodass für jeden klar gewesen sein muss, dass es als Witz gemeint war. Aber keine zehn Minuten später konnte man online bereits überall die Headline lesen: „Megan Fox sagt ihren Fans: Fuck off!“  

Du sagtest deshalb auch mal, dass du in Interviews eigentlich keine Witze mehr machen könntest, weil der Humor bei der Verschriftlichung oft flöten geht.
Ja, absolut. Denn das gibt Journalisten den Raum, das Gesagte wörtlich zu nehmen und dadurch dramatisch klingen zu lassen. Klar, ich könnte über Facebook permanent Richtigstellungen raushauen, aber ganz ehrlich: Das wäre ein Kampf gegen Windmühlen.  

Witze machst du trotzdem. Auf dem roten Teppich hast du einem Reporter mal gesagt, du wärst eine Transe...
Ja, das stimmt. (lacht) Ich habe mich darüber lustig gemacht, dass sich Frauen auf dem roten Teppich häufig unsicher fühlen und habe so etwas gesagt wie: „Ich bin wohl eher ein Typ.“ Daraufhin gab es einen Schlagabtausch über Transsexualität. Der Interviewer hat das auch eindeutig als Gag verstanden, aber die Leute drum herum wohl nicht. Plötzlich stand überall: „Megan Fox: Ich bin eine Transe.“  

Freust du dich eigentlich schon darauf, wenn du deinen Kindern die Filme zeigen kannst, in denen sie sehen, wie ihre Mutter die Welt rettet?
Absolut! Je cooler sie mich finden, desto größer die Chancen, dass sie Zeit mit mir verbringen wollen. Deswegen ja auch diese Rollen in Actionfilmen: Da können sie ja gar nicht anders, als mich für die coolste Mum der Welt zu halten! (lacht) Ich liebe sie einfach abgrundtief und möchte sie für immer um mich haben.

Du hast auch einen 12-jährigen Stiefsohn, Kassius, der Sohn deines Ehemanns Brian Austin Green. Was hält der von deinen Weltretterfähigkeiten?
„Teenage Mutant Ninja Turtles“ hat er sich zusammen mit Brian angesehen und fand ihn super. Aber für ihn ist der Umgang mit mir ein bisschen schwierig, weil ich zu Hause eine Mutterfigur für ihn bin, er in der Schule aber ständig mit meinem Celebrity-Status konfrontiert wird.  

Inwiefern?
Vor Jahren, da muss Kassius etwa acht gewesen sein, wurde er von einem Mitschüler gefragt: „Kassius, wo ist Megan Fox?“ Und er dann: „Bei uns zu Hause.“ Woraufhin das andere Kind meinte: „Nee, stimmt gar nicht. Meine Mum hat gesagt, sie ist bei Shia LaBeouf“ – was, nebenbei, nie der Fall war. Mittags kam Kassius dann ganz geknickt nach Hause, weil er auf dem Schulhof die ganze Zeit deshalb gepisackt wurde – von diesem Kind, dessen Mutter offensichtlich nichts Besseres zu tun halte, als falsche Boulevardzeitungsinhalte mit ihrem Sohn zu diskutieren. Er hat es also nicht ganz leicht und das tut mir leid. Er muss für sich noch den richtigen Weg finden, damit umzugehen.  

Du machst für den Film gerade viel Promotion. Wie handhabst du das mit deinen Kindern?
Die sind zum Glück noch so jung, dass ich sie ohne Probleme überall hin mitnehmen kann, aber auch für sie ist das hart. Die sind total gejetlaggt und schlafen am Tag 16 bis 18 Stunden, weil das so anstrengend für sie ist. Aber ich könnte diese Termine nicht machen, wenn ich sie nicht um mich hätte. Ich würde mir ständig Sorgen machen, dass es ihnen nicht gut geht.  

Das war alles einfacher, als du noch keine Kinder hattest, oder?
Ja, natürlich. Aber bei diesen Promo-Terminen geht es ja noch. Wenn ich meine Kinder kurz sehen will, ist das kein Ding. Beim Filmdreh: Keine Chance! Da kennen die nichts.

Text: daniel-schieferdecker - Foto: dpa