Polnische Lumpenstudenten kämpfen gegen Patriotismusunterricht

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[b]„Patriotische Erziehung“ klingt merkwürdig. Was soll da denn unterrichtet werden?[/b] So ganz klar ist mir das auch nicht. Herr Giertych hört sich zwar gerne reden, sagt aber selten was Konkretes. Es soll so eine Art Geschichtsunterricht sein, in dem die Vergangenheit allerdings nicht neutral dargestellt wird, sondern auf eine Art und Weise, die den Jugendlichen nahe legt, dass Polen das tollste Land der Welt ist und die polnische Nation eine Nation von Helden. Das ist natürlich gewaltiger Quatsch. Zu Geschichtsunterricht muss immer kritische Reflektion gehören. Dieses Überlegenheitsgetue war vielleicht im 19. und 20. Jahrhundert zeitgemäß, aber da hat es nur zu Katastrophen geführt – übrigens zu Katastrophen, unter denen viele Polen sehr gelitten haben. Dazu kommt, dass die Einführung eines solchen Unterrichtsfachs sehr teuer wäre. Das Geld kann man in sinnvollere Dinge stecken.

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Illustration: Julia Schubert

Protestieren gegen den Bildungsminister und gegen Patriotismus-Unterricht: Polnische Studenten. (Foto: afp)

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Illustration: Julia Schubert

Roman Giertych (rechts) ist Bildungsminister in Polen. (Foto: ap) [b]Wie versucht ihr die Einführung des Patriotismus-Unterrichts zu verhindern?[/b] Wir haben Unterschriften gesammelt und auch demonstriert – nicht erst jetzt, als der Giertych die Kampagne für die „Patriotische Erziehung“ gestartet hat, sondern schon, als er zum Bildungsminister ernannt wurde. Die meisten polnischen Jugendlichen sind leider nicht besonders politisch. Bei den letzten Wahlen hat die Mehrheit der unter 25-jährigen gar nicht gewählt. Sie waren frustriert wegen all der leeren Versprechungen und der Korruptionsskandale, die es in Polen in den letzten Jahren gab. Aber jetzt haben wir den Schlamassel: Wir werden von einer Regierung repräsentiert, die die polnische Gesellschaft ins frühe 20. Jahrhundert zurück befördern will. Aber immerhin, nach dem bösen Erwachen werden jetzt endlich junge Leute aktiv und beginnen zu kämpfen – für ein freies und weltoffenes Polen. [b]Bist du selbst denn gar kein Patriot?[/b] Doch, wenn man Patriotismus so versteht, dass man sich für das Land in dem man lebt engagiert, dass man aktiv am politischen Leben teilnimmt und versucht ein guter, kritischer Bürger zu sein, dann will ich gerne ein Patriot sein. Wenn man das so sieht, dann war die Ernennung eines ultrakonservativen Politikers für uns junge Polen ein prima Patriotismus-Unterricht. Uns wurde dadurch klar, dass Demokratie etwas ist, für das man ständig kämpfen muss. Man führt sie nicht einmal ein und dann kann jeder vor sich hinleben wie er will. Also, Herr Giertych, wir danken Ihnen für diese Lektion in „echtem Patriotismus“. Jetzt können Sie das Bildungsministerium wieder jemandem überlassen, der etwas davon versteht. [b]Ihr nennt euch „Lumpenstudenci“ – Lumpenstudenten. Wie kommt ihr denn zu dieser hübschen Selbstbezeichnung?[/b] Das Wort „Lumpen“ wird auch im Polnischen verwendet, für den sogenannten „Abschaum der Gesellschaft“. Ich glaube wir haben das Wort wegen Karl Marx` Begriff vom „Lumpenproletariat“ in unsere Sprache übernommen. Die neue national-konservative Regierung hat den Begriff reaktiviert, um gegen die sogenannten „Lumpenintellektuellen“ zu wettern. Damit meinen Giertych und seine Kumpanen lauter weltoffene, liberal eingestellte Leute, die ich sehr bewundere: Den Journalisten Adam Michnik zum Beispiel, der für die Solidarnosc-Bewegung und ein freies Polen ins Gefängnis ging. Wir haben das Ganze deshalb umgedreht: Für uns ist „Lump“ ein Kompliment. Wir sind stolz darauf, echte „Lumpenstudenten“ zu sein.

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