Popstar Pink über Konsumwahn und ein totes Hochzeitsgeschenk

Wer Pink schon einmal auf der Bühne erlebt hat, weiß was für ein Energiebündel die 25-jährige Amerikanerin sein kann. Nun steht sie derzeit nicht vor Tausenden von Menschen, sondern wirbt für ihr neues Album, „I’m not dead“, das am 31. März erscheint. Dennoch zischt ein großer zorniger Energiestrahl aus dem Pink-Universum – direkt auf die Birnen der Hollywood-Schönheiten wie Jessica Simpson, Paris Hilton oder Britney Spears.
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Der Vorwurf, den die zweifache Grammy-Gewinnerin ihren Kolleginnen durch die Single „Stupid Girl“ und das zugehörige Video macht: Die Blondinenbande würde einen falschen Schönheits- und Konsumwahn vermitteln. Hilton konterte, Pink wolle mit der öffentlichen Kritik nur ihr Comeback bewerben. Pink setzte einen drauf: Hilton solle doch erstmal das Wort Comeback buchstabieren.

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Illustration: Julia Schubert

Screenshots aus dem Video "Stupid Girl" (Fotos: La Face) Im Video „Stupid Girl“ machst du dich über den öffentlichen Fitnesswahn, Diätsucht und Schönheitsoperationen lustig. Wie bist du auf das Thema gekommen? Die Idee dazu überkam mich an dem Tag, als ich das Lied schrieb. Die Diskussionen zu diesem Thema habe ich mit verschiedenen Menschen über viele Jahre hinweg geführt. Aber niemand will sich dazu in der Öffentlichkeit äußern. Es ist eine Tatsache, dass einfach gedankenlos konsumiert wird. Niemand überlegt, sondern jeder kauft, kauft und kauft. Und keiner leistet einen sinnvollen Beitrag zu den Geschicken der Welt. Es geht nur noch um die Verdummung – um der Schönheit Willen. Sind also die Hiltons die wahren Vorbilder dieser Tage? Jeder, der sich im Blick der Öffentlichkeit bewegt, ist zu einem gewissen Grad ein Vorbild. Weil Leute eben zu Celebrities aufblicken. Das hat zum Beispiel die Modeentwicklung auch entscheidend vorangetrieben. Aber die Idee, gedankenlos zu konsumieren, passt nicht zu einer Vorbildfunktion. Danach strebe ich nicht. Und auch nicht viele Leute, die ich kenne. Also muss es eine Alternative geben. Und diese würde ich gerne sehen.

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Illustration: Julia Schubert

Und deshalb wird im Song und besonders im Video mal richtig ausgeteilt? Nun, ich mache mich gern über mich selbst lustig, aber auch über andere. Denn: Wichtige Nachrichten kommen mit ein bisschen Humor einfach besser rüber. Wie würdest du reagieren, wenn dir dein Ehemann Carey Hart zum Beispiel einen Gutschein für ein Fitnessstudio schenken würde? Es ist nicht so, dass ich so etwas generell schlecht finde. Ich denke aber, dass es in der heutigen Welt zu sehr um diese Dinge geht. Das Gleichgewicht muss wieder hergestellt werden. Fitness ist wunderbar. Schönheit ist wundervoll. Shopping ist großartig. Aber alles in Maßen. Es gibt wichtigere Dinge, die in der Welt geschehen, um die man sich kümmern sollte. Zum Beispiel um Tiere. Du bist seit Kindestagen ein großer Tierfan und hast selbst vier Hunde. Haben die Hunde dein neues Album schon zu hören bekommen? Ja, ich habe es ihnen vorgespielt. Zwei sind dabei eingeschlafen und zwei sind weggelaufen. Keine gute Reaktion. Du hast außerdem noch zwei Ratten namens Thelma und Louise. Wer kam auf die Idee, sie nach dem Film zu benennen? Das war meine Idee. „Thelma und Louise“ verkörpert für mich den absoluten Frieden. Die Idee eines Roadtrips von Geächteten ist für mich sehr romantisch. Und dass die beiden nie aufgeben. Sie gehen einfach ihren Weg. Das selbstbewusste Frauenbild des Films kommt dir aber sicher auch entgegen . . . Stimmt, das kommt hinzu. Das ist das ultimative Frauenbild, das dort gezeichnet wird.

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Illustration: Julia Schubert

Du hast im Januar den Motocross-Champion und Tatoo-Ladenbesitzer Carey Hart geheiratet. Bei dem Fest wolltet Ihr keine Geschenke. Stimmt. Alle, die zu unserer Hochzeit kamen, haben Geld für einen karitativen Zweck gespendet, denn Carey und ich haben alles, was wir zum Leben brauchen. Trotzdem haben wir etliche Geschenke bekommen. Und welches war das schönste? Ein Freund schenkte uns einen kleinen runden Baum, an dem Wein wächst. Und der Wein wächst solange man darauf achtgibt und ihn immer gießt. Das finde ich schön, denn das steht für eine Beziehung. Man muss der Pflanze Wasser, Sonne, Zeit und Liebe schenken und sich auch mit ihr unterhalten. Ja, aber du bist doch nie Zuhause, um dich darum zu kümmern? Ja, deshalb ging die Pflanze ja auch ein (lacht). Aber ich hab’s wirklich versucht . . .

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