Sag Nokia deine Meinung.de

Ralf List, Besitzer einer PR-Agentur, sammelt User-Kommentare zu der Werkschließung Nokias in Bochum. Aus den gesammelten Pamphleten soll dann ein Buch entstehen.
christina-waechter

Wie sind Sie auf die Idee für die Seite SagNokiaDeineMeinung.de und das Buchprojekt gekommen? Die Idee ist aus einem Stammtischgespräch entstanden, wo wir über das Thema Nokia gesprochen haben. Die einen meinten, dass die Schließung des Werkes in Bochum eine totale Sauerei sei, wieder andere fanden das Handeln von Nokia vollkommen legitim. Die Meinungen gehen da weit auseinander. Und für diese Diskussion gab es kein Forum im Internet. So habe ich mit einem Kunden von mir, der Social-Communitys macht, die Seite Online gestellt. Und der Erfolg ist groß. Wir hatten bis zu 120.000 Besucher auf der Seite, Fernsehsender berichteten und mittlerweile haben wir 5000 Meinungen. Daraufhin habe ich mir überlegt, wie man das noch steigern könnte und beschlossen, aus all diesen Meinungen ein Buch zu machen. Da wählen wir dann 1500 repräsentative Meinungen aus, drucken die mit einem Vorwort und bringen das Buch in den nächsten Wochen raus.

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Illustration: Julia Schubert

Was ist der Zweck dieser Aktion? Erst mal wollte ich nur auf das Thema Nokia aufmerksam zu machen, wobei wir uns da neutral halten. Mein Ziel ist es, eine öffentliche Diskussion zu entfachen. 80 Prozent unserer User sagen, dass die Schließung des Nokia-Werks eine Riesensauerei ist, 20 Prozent sagen: „Leute, lasst mal die Kirche im Dorf. Dieses Unternehmen handelt völlig legitim und die müssen auch an ihre Aktionäre denken.“ Das ist für den Betrachter von außen doch interessant. Wann haben denn mal 5000 Leute die Möglichkeit, ihre Meinung öffentlich zu sagen? Wer soll das Buch denn lesen? Das Buch soll alle die lesen, die nicht ganz uninteressiert am sozialen Miteinander sind, die sich eine Meinung bilden möchten. In dem Buch gibt es auch einen Aufkleber für Leute, die ihre Solidarität gegen die Schließung des Werks in Bochum ausdrücken wollen. Die können den dann auf ihr Auto kleben. Damit zeigen sie ihre Solidarität in der Öffentlichkeit und sagen nicht ganz wie in den 70er Jahren „Atomkraft,nein danke“, sondern „Sag Nokia deine Meinung.“ Man kann kritisieren, dass Ihre Aktion ziemlich nahe an „Deutsche kauft nicht bei Finnen ein“ herankommt. Können Sie solche Kritik nachvollziehen? Wenn Harald Schmidt sagt, „Deutsche kauft nicht bei Finnen“, dann ist das seine Meinung. Wenn aber Steuergelder in so immenser Summe verprasst werden … wir rufen ja nicht zum Boykott auf. Wenn die Menschen schreiben, dass sie nie mehr ein Handy von Nokia kaufen werden, dass sie ihren Kindern verbieten, ein Nokia-Handy zu kaufen, dann ist das deren Meinung und wir bieten ihnen eine Plattform. Und der Erfolg gibt uns recht. Da sieht man, wie groß das Interesse ist. Was passiert mit den Buch-Einnahmen? Der geht zu 100 Prozent an den Betriebsrat von Nokia. Wieso machen Sie das? Sie arbeiten ja nicht bei Nokia Deswegen habe ich auch einen gewissen Abstand, Neutralität und bin nicht so emotional. Aber ich bin Journalist und Besitzer einer PR-Agentur und habe eben die Möglichkeit, mich effektiv an die Medien zu wenden und Öffentlichkeit herzustellen. Profitieren Sie denn von der Aktion? Ich verdiene damit kein Geld.

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