Schmetterlinge für lau? Bei Kostenlos-Verlieben.de funkt es gratis

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Kostenlos verlieben – das sollte doch eigentlich sowieso klar sein, oder? Der Name Kostenlos-Verlieben.de ist schon sehr plakativ, ja. Wir haben uns aber dafür und nicht für einen Fantasienamen entschieden, weil wir so ganz direkt sagen, was wir bieten. Da kann sich jeder was drunter vorstellen. Wie lange ist die Seite schon online und wie viele Zugriffe hatten Sie bereits? Wir haben die Testphase am 8. Juni gestartet, die ist jetzt kurz vor dem Abschluss. Zugriffe waren es im ersten Monat knapp 20 000, das hat uns selbst positiv überrascht. Unser kleines Projekt ist ja nicht mit den entgeltpflichtigen Größen der Branche, Parship oder Neu.de, vergleichbar. Habt ihr vor denen keine Angst? Die werben ja mit Millionen von Mitgliedern. Nein. Noch wurden wir nicht angefeindet. Wir wollen uns an solchen Konkurrenzstreitigkeiten gar nicht beteiligen und bezeichnen uns auch ganz bewusst als den kleinen David, der dem großen Goliath ein Steinchen entgegenwirft. Aber mit dieser kostenfreien Nische, die wir aufgemacht haben und dem besonderen Augenmerk auf dem Community-Gedanken – wir machen ohnehin unser eigenes Ding. Wie finanziert ihr euch? Das ist eine ähnliche Idee wie bei Wikipedia damals. Man muss sich überlegen, wie gut finde ich diesen Service, was hat er mir gebracht – etwa netten E-Mail-Kontakt et cetera – und dann kann man sozusagen als Dank eine freiwillige Summe spenden. Diesen Spenden können wir natürlich nicht hinterherlaufen. Aber kleinere Beträge sind schon eingegangen, und die gehen über verbesserte Funktionen und neue Features auch direkt wieder in die Community zurück.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Ganz in Rosé: So sieht das aus. Gibt es neben der Kostenfreiheit noch andere Vorteile für die Suchenden? Der Kostenfaktor ist schon der größte Vorteil, so muss niemand außen vor bleiben. Ganz stark soll bei uns aber auch der Community-Gedanke reinspielen. Das Klima ist bei uns lockerer. Man hat nicht diesen Erfolgszwang, dass man für sein Geld jetzt unbedingt auch was bekommen muss. Diesen Gedanken, wie viel ist mir denn die Liebe im Monat wert... Das finden wir fürchterlich. Die Profile sind recht mager – Nickname, Alter, Hobbies. Wieso nicht mehr? Wir wollten das erst mal bewusst offen lassen, um die User mitbestimmen zu lassen, was man da noch reinhaben möchte. So etwas wie psychologische Tests wurde bisher aber noch gar nicht gefordert. Die User wollen zum Beispiel lieber größere Fotos und einen Chat. Aber klar, man muss natürlich erst ein paar Nachrichten austauschen, bis man merkt, ob es funkt! Momentan erfährt man von anderen Usern nur, ob sie Mann oder Frau suchen. Ob man sich für kompatibel hält, bleibt einem selbst überlassen. Wird das noch eingeschränkt? Man sollte sich nur melden, wenn man glaubt, dass die Interessen übereinstimmen könnten. Vor Nutzern, die Massenanfragen schicken, ist man natürlich nie gefeit, aber solche kann man über eine Ignore-Funktion ignorieren oder im Zweifelsfall melden. Könnt ihr uns verraten, wie der Durchschnittsuser aussieht? Den gibt es gar nicht, weil wir keine Altersvorgabe oder so haben. Klar, Zwanzig- bis Dreißigjährige sind einfach mehr im Internet, und der andere Schwerpunkt ist dann wieder so um die 40. Das Geschlechterverhältnis ist übrigens ziemlich Fifty-Fifty. Betont exklusive Singlebörsen haben regen Zulauf. Viele Menschen möchten sich bei der Partnersuche scheinbar eher nach oben orientieren – könnt ihr denen auch helfen? Wir finden diese finanziellen Staffelungen nicht gut und irgendwie auch ein bisschen unwürdig. Die Grundidee hinter Kostenlos-Verlieben.de war ja, dass es komisch ist, für Liebe Geld zu kassieren. Auf der Startseite habe ich vorhin ein Profil eines Users entdeckt, der sich nach einer bekannten Rolle aus den „American Pie“-Filmen nennt und sich mit dem Foto des entsprechenden Schauspielers schmückt. Wie sichert ihr euch vor unseriösen Usern? In diesem Fall könnten Sie selbst den betreffenden Herren melden, dann nehmen wir uns der Sache an. Gleiches gilt für unflätige oder politisch unkorrekte Äußerungen – die Nutzer sind die einzige Kontrollinstanz, und wir greifen nicht ein, bevor die Nutzer uns nicht benachrichtigen. Klar, das überträgt eine Menge Verantwortung, aber wir glauben, dass das über kurz oder lang ein gutes Gefühl bei den Nutzern hinterlässt. Wir möchten keine Ansammlung von Kunden, die sich noch dazu ständig kontrolliert vorkommen, sondern ein Gefühl der Gemeinschaft. Das braucht vielleicht noch ein wenig Zeit zur Entwicklung, aber wir sind zuversichtlich. Auf der Startseite steht, man solle allen Freunden von der Seite erzählen, „damit sich die Liebe im ganzen Internet verbreitet“. Macht ihr wirklich keine Werbung? Wir sind auf Mundpropaganda angewiesen, das hat aber bisher sehr gut geklappt. Gibt es schon Erfolgsgeschichten? Das können wir leider nicht sagen, weil wir ja die Nachrichten der User nicht ausspionieren.... Aber in einiger Zeit werden wir dazu aufrufen, uns die schönsten Liebesgeschichten zu schicken. Jetzt mögen böse Zungen ja behaupten, was nichts kostet, ist auch nichts wert. Ja, das ist das Paradoxe an unserer Gesellschaft: Gleichzeitig wollen wir immer alles noch billiger haben. Wir sind der Überzeugung, dass wir ein gutes, übersichtliches Portal bieten, und wenn wir das nicht kostenfrei anbieten würden, wäre unser ganzes Konzept dahin. Man kann diesen Ausspruch vielleicht auf die übliche Warenwelt beziehen, aber jedenfalls nicht aufs Internet. Siehe Freemail – da sagt ja auch niemand was.

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