Schülerstreik: "Überall Lehrermangel oder Lehrerüberforderung"

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[b]Fabian, was ärgert euch so, dass ihr am Mittwoch streiken wollt?[/b] Es sind natürlich viele verschiedene Dinge, auch von Bundesland zu Bundesland verschieden. Aber worin wir Schüler uns einig sind, ist, dass sich endlich was an deutschen Schulen ändern muss. [b]Was?[/b] Überall herrscht Lehrermangel oder Lehrerüberforderung, weil die Klassen einfach viel zu groß sind. Ein wichtiges Thema ist auch das dreigliedrige Schulsystem, in dem Kinder schon mit zehn Jahren entscheiden müssen, welchen Weg sie wählen - Hauptschule, Realschule oder Gymnasium. Das System geht absolut auf Kosten der sozial schwachen Familien, in denen Kinder vielleicht nicht dieselbe Aufmerksamkeit zuteil wird, wie in reicheren, funktionierenden Familien. [b]Heißt das, die Schule soll in Zukunft die Rolle der Eltern übernehmen?[/b] Naja, bei manchen Kindern muss das eben sein, wenn von Zuhause nichts kommt. Wir wollen einfach eine individuellere Förderung des Einzelnen bewirken, dass dieser frühe Riss in einer Generation gar nicht erst entsteht. Es lastet auf den Schülern außerdem ein immenser Leistungsdruck, aufs Gymnasium gehen zu müssen. Und dort wird es ja noch schwieriger. Man denke dabei an das G8 und die daraus resultierenden Selektionsvorgänge, wenn sich 2011, beim doppelten Abitursjahrgang, plötzlich doppelt so viele Studenten als sonst an der Uni einschreiben. [b]Die Landesregierung von Bayern hat aber versprochen, bis dahin 38.000 zusätzliche Studienplätze in Bayern und 3000 neue Lehrstellen an Universitäten zu schaffen. Das klingt doch vielversprechend, oder?[/b] Wenn alles so eintritt, sicher. Aber das Problem bei G8 war, dass es viel zu übereilt eingesetzt wurde, zumindest hier in Bayern. Beispielsweise ist jetzt erst die Mensa an meiner Schule fertig geworden, obwohl es schon seit einigen Jahren Schüler gibt, die wegen G8 immer mittags Unterricht hatten, aber nie an der Schule essen konnten. Auch der Lehrplan sollte überarbeitet werden – derzeit haben 13-jährige mehr Wochenstunden, als Schüler der Oberstufe. Das kann ja echt nicht sein. [b]Warum streikt ihr ausgerechnet jetzt? Der Bayerische Landtag ist neu gewählt, die Ämter sind besetzt – großen Einfluss auf einen Wechsel habt ihr nicht.[/b] Das stimmt. Aber wir sind ja noch eine sehr junge Initiative, uns gibt es erst seit September 2008. Jetzt wollen wir eben der neuen bayerischen Landesregierung gleich zu Beginn ihrer Amtszeit klar die Missstände aufzeigen und die Bildung in Zukunft aktiv mitgestalten. Die FDP wollte ja die sechsjährige Grundschule einführen. Ein interessanter Ansatz, der ja leider abgelehnt wurde. Wir wollen bei solchen Entscheidungen jetzt mehr Einfluss nehmen. [b]Und warum haltet ihr eure Kundgebung an der Universität?[/b] Weil die Universität ja die letzte Instanz des Bildungssystems ist und wir jetzt schon den Ausblick darauf wagen und auf das, was auf Schüler an der Uni zukommt. Stichwort Studiengebühren: Wir sehen uns alle als Teil der Bildungspolitik, daher werden am Mittwoch außer Schülern und Eltern auch Lehrer und Studenten sprechen. [b]Wollt ihr nicht einfach nur einen Tag länger Ferien?[/b] Leider gibt es natürlich auch solche Mitläufer, die es cool finden, frei zu haben, oder einfach irgendwie mal gegen die Schule zu sein, klar. Manche Schüler bleiben auch bewusst fern, weil sie Angst vor Ärger mit der Schulleitung haben, oder längst resigniert haben. Aber der Mehrheit der Leute geht es wirklich darum, von den Politikern gehört zu werden. Und wenn nur genug Leute dabei sind, kann man auch etwas bewegen.

Text: christiane-lutz - Bild: dpa

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