Selbstbefriedigung als Kunst

Gerald Kukla, 27, studiert an der Akademie der Bildenden Künste in München. In seiner ersten Ausstellung „POZR – COZ U NEED IT“ sind eigenwillige Masturbations- und Posergeräte zu sehen.
theresa-steinel

jetzt.de: Deine Arbeit wird als „erster Pozr Showroom in München“ präsentiert. Was bedeutet das? Gerald Kukla: Pozr heißen die Geräte, die ich baue. Der Pozr Showroom ist einfach der erste Ausstellungsraum für die Marke Pozr. Unter dieser Marke präsentiere ich meine bildhauerischen Arbeiten. Pozr steht für den ganz normalen Begriff „Poser“, den man auch aus dem Sport kennt oder aus abfälligen Bemerkungen über komische Kerle. Was bezwecken deine Geräte? Die Geräte entstehen aus einer Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper, es dreht sich alles um Körperhaltungen, deswegen auch Pozr. In dieser Ausstellung geht es speziell um Männlichkeit, Imponiergehabe, Auffälligsein, Frauen beeindrucken. Wie bist du auf so ein männerkritisches Thema gekommen? Ich glaube, das hängt mit meiner Kindheit zusammen. Ich habe wahnsinnig viele Comics gelesen und all die Schund-Sendungen wie „He-Man“ und „Airwolf“ angeschaut. Das ist so eine Welt, in der ich ab und zu lebe. Mir macht das sehr viel Spaß, aber es sind natürlich Märchen. Ich finde es spannend von der Ästhetik her und von dem Bild, das einem verkauft wird über Männer - von wegen, dass sie unglaublich stark sind und alles können. Das ist natürlich nicht so im echten Leben. Und genau in diesem Spannungsfeld arbeite ich. Deine Geräte stellen also die Erwartungen an das Männerbild von heute in Frage? Auch das. Man kann es aber auch sehr gut auf den Kunstbetrieb beziehen. Vor allem der Pozr „Gorilla-R“, bei dem man sich ganz heftig auf die Brust trommeln und Töne erzeugen muss. Wenn man das nicht macht auf dem Kunstmarkt, passiert es ganz schnell, dass egal, wie gut die Arbeit ist, sie untergeht und von keinem gesehen und gewollt wird. Besonders schön ist deine Maschine „P-Cock“. Ist das eine Anspielung auf den Penis-Vergleich unter Männern? Definitiv. Es hat auch was mit dem Mann-sein an sich zu tun. Wie in der Tierwelt auch, sind wir Männer doch nur Tiere und versuchen, Frauen zu beeindrucken. Und genau das macht der „P-Cock“: Wenn er sich einen runterholt, bläst sich hinter ihm ein Pfauenrad auf. Bei der Präsentation deiner Geräte bist du in Unterwäsche. Hat das eine Bedeutung? Wichtig ist mir, dass relativ viel vom menschlichen Körper gezeigt wird. Dabei soll keine Kleidung im Weg sein.

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Posen Frauen auch? Natürlich tun sie das. Sie benutzen ganz viel Schminke zum Beispiel und Push-up-BHs. Da gibts ganz tolle Dinge, die Frauen einsetzen können Machst du das vielleicht zum Thema deiner nächsten Arbeit? Definitiv. Dieses Mal ist alles rein auf Männer gemünzt. Aber es ist grundsätzlich so, wenn man Männer anspricht ist das Frauen-Thema unweigerlich verbandelt. In meinem Kopf sind auch schon Sachen für Frauen. Was hast du bisher für Reaktionen bekommen? Manche sind schockiert. Da das ganze hier wie ein Schaufenster-Laden aufgebaut ist, ist die Reaktion erstmal Überraschung, Irritation. Viele bleiben draußen vor dem Fenster stehen und wissen nicht was das soll. Einer ist reingekommen und hat gefragt: „Eröffnen Sie hier jetzt ein Fitnessstudio?“ Der hat gar nicht begreifen können, dass das Kunst ist. Und eine Frau kam rein und hat gefragt: „Kommt das wieder aus Amerika? Diese neue Sportart kommt wieder aus Amerika, oder?“ Was ist dein Lieblingsexponat? Der Protect-R. Das ist ein Cape aus schwarzem Kunstleder und vielen Nieten das man sich umhängen kann. Die Funktion von diesem Ding ist, dass man sich einigeln und verkriechen kann. Das Superhelden-Prinzip wird hier umgedreht: Anstatt die Welt zu retten, sucht man Schutz unter seinem Mantel und ist der Feigling. Möchtest du nach Beendiung deines Studiums kommerziell arbeiten? Vielleicht als Sex-Toy-Hersteller? Eigentlich nicht. Die Austellungsexponate sind ja keine Spielzeuge für den privaten, heimlichen Gebrauch. Ich werd versuchen es als freischaffender Künstler zu schaffen. Die Ausstellung „POZR – COZ U NEED IT“ wird in München bis zum 24.06.2008 von Mittwoch bis Sonntag von 16-20 Uhr in der AkademieGalerie in der U-Bahn Station Universität zu sehen sein.

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