Sneaker Freaker: Ein Heft für die deutsche Turnschuh-Szene

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jetzt.de: Wie im gesamten Fashionbereich gibt es auch für Sneaker ziemlich viele gute Blogs. Ist eine Printmagazin dabei überhaupt noch ein Format mit Zukunft?
Pascal: Ein Printmagazin hat nur dann eine Zukunft, wenn es etwas besonderes bietet. Bei uns ist es zum Beispiel das Pocketformat, für das wir viel positive Rückmeldungen bekommen haben. Eine weitere Besonderheit ist die Art der Fotografie. Im Onlinebereich kann man sich einfach einen Schuh nicht so lange anschauen und wir bieten zu der Fotografie auch noch ein haptisches Gefühl. Ähnlich wie man einen Schuh auch gern in den Händen hält, wollen wir, dass man auch in unser Magazin gerne blättert.  

jetzt.de: Warum gibt es jetzt noch eine deutsche Ausgabe? Gibt es zwischen den Ausgaben inhaltliche Unterschiede?
Pascal: Es gibt auch eine spanische und russische Ausgabe, ähnlich vielleicht wie beim Vice Magazin. Wir kannten die Leute von den anderen Sneaker Freaker Ausgaben schon länger, zum Beispiel aus einschlägigen Internetforen. Bei dem Austausch haben wir einfach festgestellt, dass wir alle aus einer großen Szene kommen und den gleichen Modellen oder neuen Releases entgegenfiebern. Aber es gibt auch eine ganz individuelle Ausprägung dieser Szene in jedem Land. Spanische Sammler sind ganz anders drauf als zum Beispiel englische oder auch deutsche, auch wenn es um das gleiche Thema geht. Wir können beides verbinden, unsere Leser können die globalen Trends verfolgen und kriegen trotzdem viele lokale Geschichten aus Deutschland geliefert. Das hat beim ersten Heft schon ganz gut geklappt, aber es geht noch besser. Im zweiten Heft werden deshalb noch mehr Inhalte aus Deutschland kommen und auch in die internationale Ausgabe einfließen.  
jetzt.de: Du hast von Besonderheiten in der deutschen Szene gesprochen. Welche Besonderheiten gibt es in dem Sneakerland Deutschland?
Pascal: Das ist schwer zu sagen. Deutschland ist eine Mischung aus vielen Sneaker-Kulturen. Man kann nicht sagen, dass alle nur auf den Running-Style stehen oder auf Basketballschuhe, das ist eher bunt durchmischt. In England oder Frankreich sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Szenen zum Beispiel viel größer.

http://vimeo.com/17396908

jetzt.de: Immer wieder hört man, dass der Turnschuh zu einem Kulturgut geworden ist. Worin liegt für die kulturelle Leistung des Sneakers?
Pascal: Der Turnschuh ist ein Teil der Jugendrevolution. Heute kennt man das kaum noch, aber früher wurden die Jugendlichen belächelt, die ihre Turnschuhe außerhalb der Sporthalle getragen haben. Kann sich der keine Lederschuhe leisten und muss seine Sportschuhe draußen tragen? Darum wurden die Turnschuhe ein bisschen zur Revolte, häufig auch in Verbindung mit Musik. Besonder Beispiel dafür sind der Hiphop und der Punkrock. Das Bedürfnis anders zu sein, war glaub ich ein großer Motor der Sneakerbewegung.  

jetzt.de: Wie in jeder Kulturszene gibt es eine kleine Elite und eine breite Masse an Interessierten. Euer Magazin spricht ja eher die wirklichen Sneakerheads an. Hat der Durchschnittssneakerträger überhaupt Spass an eurem Magazin?
Pascal: Das ist schwer zu sagen. Eins ist erstmal klar, Sneaker sind schon lange nicht mehr Underground. Fast jeder hat Zuhause zwei oder drei Paar stehen und seit es Zalando oder diverse Ladenketten gibt, hat sich das noch verstärkt. Also das extrem Nerdige ist verflogen und immer mehr Menschen sind bestens über ihre Lieblingsmarke informiert. Dementsprechend ist auch der Output der Hersteller. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass ein neuer Schuhe oder eine Farbe auf den Markt kommt. Hier gibt es ein großes Klientel, das vielleicht gerade ins Berufsleben gestartet ist und erstes Geld verdient. Die können sich natürlich auch mal ein oder zwei Schuhe pro Monat leisten. Aber auf der anderen Seite bekommen auch die wirklichen Sneaker-Fans bei uns im Heft ganz seltene Modelle zu sehen.    

jetzt.de: Ich fand euer Heft etwas zu fotolastig. Erst am Ende bin ich wirklich bei den Geschichten über die Sneakerszene in New York hängen geblieben. Bleibt das so oder wird sich im Konzept noch etwas geändern?
Pascal: Es wird in den nächsten Ausgaben noch mehr Interviews geben, allerdings hat man beim „Sneaker Freaker“ schon immer den Fokus auf die Fotografie gelegt. Immerhin geht es um die Produkte. Viele unserer Leser wollen sich auch längerfristig mit Bildern von Schuhen beschäftigen und machen das auch täglich im Internet. In der nächsten Ausgabe werden wir 32 Seiten dicker und dadurch gibt es auch mehr Platz für Geschichten und Interviews.     

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