So riecht der Sommer

Auch wenn gerade keine Kerzensaison ist: Zwei Berliner Architekten haben zusammen mit einer Duftdesignerin versucht, das einzufangen, was die großen Ferien ausgemacht hat.
max-scharnigg


 
Gunnar, ungewöhnlich, dass ein Architektenbüro einen eigenen Shop hat. In eurem stehen neben kristallin geformten Couchtischen auch Duftkerzen die den Namen "Freibad '76" und "Unterholz '82" tragen. Klingt ja sehr retro...
Gunnar: Eigentlich arbeiten wir nicht rückwärtsgewandt. Aber wir haben uns vor einem halben Jahr als Fundamental Group zusammen gefunden und gemerkt, dass wir uns nicht nur große Bauvorhaben einfallen lassen wollen, sondern auch kleine Ideen umsetzen, die wir selber und schneller verwirklichen können. Dann kamen wir zusammen mit einer Freundin, die als Duftdesignerin arbeitet, auf die Idee, diesen besonderen Geruch aus der Kindheit zu suchen. Das ist dann doch wieder irgendwie architektonisch, weil so ein Geruch ganz eigene Räume öffnet.  

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Illustration: Julia Schubert


Gunnar Roensch und Stephen Molly sind The Fundamental Group

Was waren das für Assoziationen bei "Freibad '76"?
Ohje, das klingt so nach Generation Golf, nicht wahr? Aber wir wollten einfach dieses gute Sommergefühl simulieren, das doch jeder aus Kindertagen kennt und da war das Freibad eben ein wichtiger Ort dafür. In Wirklichkeit war dieser Duft vielleicht eine Mischung aus Chlor und Pommes, aber das ist schwierig genau nachzustellen. Jetzt ist es eine Duftkerze geworden, die nach frischgemähtem Grass und auch ein bisschen nach Sonnencreme riecht. 

 Duftdesignerin Dillia Baille kommt dazu.  

Dillia: Ich bin in New York aufgewachsen und habe eine ähnliche Erinnerung an die Sommerzeit wie die beiden Jungs. Bei mir war es der erste Besuch in einem öffentlichen Freibad, an den ich mich noch sehr gut erinnere, da war ich acht oder neun Jahre alt. Ich erinnere mich an den Geruch des Wassers, aber eben auch an den der Erwachsenen mit ihren Sonnen-Lotions. Es ist doch interessant, dass diese Duft-Erinnerungen von so vielen Menschen rund um die Welt positiv und freundlich behalten werden. Jeder kennt irgendeinen Pool aus der Kindheit.    

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Illustration: Julia Schubert



Welche Zutaten hast du dann für "Freibad '76" gewählt?
Dillia: Also das sind viele so genannte grüne Noten dabei, dazu ein bisschen Vanille, schwarze Johannisbeere und noch ein paar andere Sachen. Oberthema war natürlich, dass es fresh und clean sein sollte und gerade im Winter vielleicht ein bisschen das Warten auf den Sommer verkürzen könnte. Es sollte riechen, als würde man an einem heißen Tag endlich am Pool stehen. Für den anderen Duft "Unterholz" haben wir die Erinnerung an das Spielen im Wald und Herumkriechen im Gebüsch auf unserem Moodboard gehabt. Das sind dann eher dunkle, weiche Grüntöne. Für mich als New Yorkerin, aufgewachsen im Betondschungel, waren solche Eindrücke aus der Natur als Kind besonders intensiv.  

Beobachtest du als Duftdesignerin irgendeinen Geruchstrend, gibt es noch mehr solche emotionalen Düfte?
Dillia: Es gibt heute viel mehr Indie-Parfumeure, die ungewöhnliche Gerüche entwerfen. Die schwedische Firma Byredo etwa, oder auch Comme de Garcons, die eine ganz klare, simple Duftkollektion haben. Ich bin Parfumjunkie, ich muss in jede Parfümerie und bin ganz wild auf neue Gerüche und glaube, da tut sich noch einiges. 

Wie waren die Reaktionen auf eure Freibad-Kerze?
Gunnar: Erstaunlich. Es haben zwar nicht alle mit Freibad assoziiert, aber viele mit Kindheitserinnerungen. Und gerade auch Menschen, die Duftkerzen sonst nicht ausstehen können, waren damit zufrieden. 



Text: max-scharnigg - Fotos: The Fundamental Group

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