Souljaboy ist 17, steht im Geldregen und hört vor allem auf 50 Cent

„Crank Dat“ und die Folgen: Nachdem der 17-jährige Rap-Novize DeAndre Way alias Souljaboy mit seinem daheim gebastelten Dance-Hit selbst Superstars 50 Cent und Kanye West abgehängt hat, gilt er als Blaupause einer neuen HipHop-Generation. Nicht ganz zufällig titelt sein Debutalbum wie seine Webseite: „Souljaboytellem.com“ (Interscope/Universal). Mit seinen Jungstar-Kollegen Chris Brown und Lil’ Bow Wow ist Souljaboy noch bis Januar auf seiner ersten US-Tournee.
jonathan-fischer
Default Bild

Illustration: Julia Schubert

SZ: Mal ganz ehrlich: Wie lange haben Sie gebraucht, um Ihren Welthit „Crank Dat“ aus der Taufe zu heben... Souljaboy: Das kann ich Ihnen ziemlich exakt vorrechnen: Der Beat hat mich zehn Minuten gekostet, das Finden der richtigen Tanzschritte genauso lange. Kommen noch zehn bis zwanzig Minuten dazu, um das ganze mit dem Fruity-Loops-Programm meines Heimcomputers aufzunehmen. Plus die fünf Minuten für das Hochladen ins Internet... Macht alles in allem eine gute halbe Stunde für einen Song, der dann auf Youtube 15 Millionen mal aufgerufen wurde... Ich durchschaue diesen Schneeball-Effekt bis heute nicht ganz. Schließlich habe ich eine ganze Menge Tänze erfunden. Aber „Crank Dat“ war wohl extra-frisch. Er hat jedenfalls ein Eigenleben entwickelt: Alle wollten meine Tanzschritte lernen, Millionen haben es daheim geübt, und „Crank Dat“ auf die Schulhöfe und in die Clubs getragen.. Selbst Beyoncé und Samuel Jackson haben Ihren Tanz getanzt. Und das ganz ohne Plattenfirma... Ich habe über 20 Millionen Besuche auf meiner My-Space-Seite. Irgendwann hat das jemand dem HipHop-Produzenten Mr. Collipark gesteckt: Zuerst glaubte er an einen Schwindel: Wie sollte das ein 16-jähriger Noname aus Mississippi bewerkstelligen? Vielleicht sei ich nur ein Kunstprodukt? Bis er mich über My-Space kontaktiert hat: Und schon war ich auf dem selben Label wie 50 Cent, obwohl ich nur aus meinem Schlafzimmer heraus gearbeitet habe Die Zeiten als Sie noch allein im Wohnzimmer Ihres Vaters Ihre Tanzschritte übten sind aber längst vorbei.... Ja, auf meiner Tournee trete ich manchmal in Football-Arenen vor 30 000 bis 40 000 Fans auf. Und ich werde alles tun, um kein One-Hit-Wonder zu bleiben. Die Leute sehen nicht wie viel Arbeit hinter meiner Karriere steckt: Einen Hit zu schreiben, ist doch nur der aller erste Schritt, danach musst du dir ein Image zulegen, dich weltweit promoten, die richtigen Rechtsanwälte suchen... Was möchten Sie am liebsten noch lernen? Ich glaube ich bin ein erstklassiger Performer auf der Bühne. Aber was das Geschäft angeht, habe ich noch eine Menge Hausaufgaben zu erledigen... Wie man etwa mit dem vielen Geld umgeht, das jetzt auf Sie niederregnet? Viele Fans glauben, ich müsste mir jetzt erst mal einen Ferrrari oder Maserati zulegen. Bullshit! Ich spare das Geld. Erstens weil ich doch noch gar keinen Führerschein habe. Zweitens weil ich Geschäftsmann bin... Sie verkaufen Millionen Soulja Boy-Sonnenbrillen und T-Shirts und gönnen sich selbst gar nichts? Okay, ich kaufe mir jetzt all die Bathing-Ape-Sneakers, die ich schon immer wollte. Und meinen Eltern habe ich auch ein paar Geschenke gemacht. Sie waren stets ein Einser-Schüler, könnten auf jedes College gehen. Sind Ihre Eltern glücklich über Ihre Berufswahl? Früher haben sie nur gelacht, wenn ich von einer Rap-Karriere träumte. Mein Vater ist technischer Ingenieur: Aber mich haben die ganzen Computerprogramme und der Maschinenkram, für den er mich immer begeistern wollte, bloß gelangweilt. Stattdessen habe ich mit meinen Schulfreunden gerapt und auf der Soundkarte rumgespielt...

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

50 Cent hat Souljaboy erzählt, wie man Erfolg hat. Siehe nächste Seite.


Den Künstlernamen Souljaboy hat Ihnen Ihre Mutter gegeben. Hören Sie noch auf die Ratschläge Ihrer Eltern? Vom HipHop-Business haben die doch keine Ahnung – dafür hilft mir 50 Cent. Er war der Erste, der es allein mit Mixtapes geschafft hat. Ich bin der erste Internet-Star. Schon bevor er mich in seine Fernsehsendung eingeladen hat, bin ich seiner Strategie gefolgt: Nicht trinken, nicht rauchen, immer auf das Geschäft konzentrieren. Vor allem berät er mich, auf wen ich mich verlassen kann: Wenn du soviel Geld hast, musst du vorsichtig sein, dass sich keine Schlangen in deinen Freundeskreis einschleichen. Sehen Sie sich schon in der selben Liga mit Kanye West und 50 Cent? Oh nein, bis ich soweit bin, dauert das noch drei bis vier Jahre... Einige Kritiker haben Ihnen vorgeworfen, den HipHop zur billigen Tanzmucke zu degradieren... Mann, das ist doch vollkommen ungerecht: Mich als 17-jährigen Anfänger gegen irgendwelche College-geschulten 40-jährigen Hardcore-Lyriker antreten zu lassen. Ich jedenfalls würde mich nie mit Common, Rakim oder Ghostface Killah vergleichen. Das ist als ob du einen Fußballspieler mit einem Schwergewichtsringer in den Ring steckst. Kann nach Ihrem Erfolg jeder Laie mit dem richtigen Riecher und einem Internet-Auftritt ein HipHop-Star werden? Ich habe mit „Crank Dat“ gezeigt, wie es in Zukunft laufen wird. Du brauchst im Internet-Zeitalter nicht mehr auf das grüne Licht irgendwelcher Plattenfirmen-Manager zu warten. Das ist wie mit der Entwicklung der Tonträger: Von Eight-Track zu Cassetten zu CDs. Meine Plattenfirma hat ihre Lektion gelernt: Man darf sich nie gegen eine Erfolgsgeschichte stellen. Irgendwann wird doch auch „Crank Dat“ ein alter Hut sein... Warten Sie nur ab. Sobald „Crank Dat“ ausgelaufen ist, werde ich die Welt mit einem neuen Tanz schocken. Das Video ist schon gedreht – aber das muss noch top secret bleiben, wie beim CIA. Das Video: Soulja Boy Tell 'Em - "Crank Dat"

  • teilen
  • schließen