Dominik, was ist die Idee hinter Wuala? Wuala ist ein Online-Speicher, auf den man von überall zugreifen kann und mit dessen Hilfe man auch Daten teilen kann. Wenn ich also von einem Fest oder einem Meeting Fotos gemacht habe, kann ich sie bei Wuala speichern und mit den Leuten teilen, die auch dort waren. Ich kann entweder Gruppen bilden, zu denen ich die anderen Leute einlade oder ich schicke denen einen Link auf die Dateien.

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Die Speicher-Erfinder: Wuala-Gründer Dominik (links) und Luzius. Und wieviel Speicher kann ich bei Wuala nutzen? Los gehts mit einem Gigabyte. Und wer mehr möchte, kann entweder Speicher kaufen oder selbst Speicher von der eigenen Festplatte zur Verfügung stellen. Wie geht das? Überall im Internet gibt es Computer, die freien Festplattenspeicher haben und es gibt Bandbreite, die nicht genutzt wird. Wenn jetzt jeder ein bisschen was dazu beiträgt, hat man ein Riesenpotenzial, um richtig viel Speicher zu nutzen. Nach diesem Peer-to-Peer-System funktioniert zum Beispiel auch Skype ... Richtig. Wir waren damals an der ETH in Zürich auf der Suche nach einem verteilten Datenspeicher, bei dem man die Ressourcen der Benutzer einsetzen kann, um so ein günstigeres Angebot zu entwickeln, das auch zuverlässiger ist als die bisherigen Angebote. Wofür braucht man sowas? Einerseits gibt es schon Angebote im Netz und ich kann mir sehr günstig Speicher im Elektronikmarkt kaufen. Ein Online-Speicher lohnt sich allein deshalb, weil man den Speicher, den man zum Beispiel im Mediamarkt kauft, nicht mit anderen Leuten teilen kann. Es sei denn, man trägt ihn kompliziert vom einen Ort an den anderen. Andererseits kann man den Online-Speicher natürlich als Backup nutzen, um Sicherungskopien zu machen, die verschlüsselt werden, auf die man dann aber von jedem Ort der Welt zugreifen kann. Und was unterscheidet Wuala von gewöhnlichen Online-Speichern? Wir verwenden eine andere Technologie, die dem User zahlreiche Vorteile bringt. Bei uns kann man Dateien in beliebiger Größe abspeichern. Es gibt keine Bandbreiten-Beschränkungen. Man hat aber wiederum sehr schnelle Downloads, weil man von verschiedenen Quellen parallel runterladen kann. Und weil Wuala eine Software-Applikation ist, die du lokal von deinem Rechner nutzt, läuft die Verschlüsselung deiner Daten lokal auf deinem Rechner. Bei anderen Anbietern werden die Daten unverschlüsselt auf den Servern gespeichert, bei uns werden sie auf dem Computer des Benutzers verschlüsselt und dann erst hochgeladen. Unser Angebot ist also sicherer. Wenn ich das richtig verstanden habe, muss ich mir also ein Programm auf dem Rechner installieren, um Wuala zu nutzen. Ab dem Start der Public-Beta-Phase am 14. August ist das nicht mehr nötig. Es ist zwar eine Software, du kannst sie aber mit einem Button vom Web aus starten. Wenn man es möchte, kann man das Programm aber natürlich auf seinem Homecomputer installieren. Man kann Wuala aber auch aus einem Internet-Cafe oder von der Uni aus über einen Webbrowser bedienen. Auf der nächsten Seite: Wie Dominik die Idee entwickelte und wie er sich für juristische Debatten wappnet.


Wann hast du gemerkt, dass eine solche Form des Online-Speichers eine Zukunft hat? Ich hatte schon vor zehn Jahren eine kleine Firma, die ganz gut lief. Dann habe ich Informatik studiert und bin während des Studiums gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Luzius Meisser auf die Idee zu Wuala gekommen. Und wir wollten da nicht nur etwas entwickeln, sondern auch direkt eine Anwendung haben. Deshalb haben wir wieder eine Firma gegründet.

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Worum ging es bei deiner ersten Firma? Das war eine Adressverwaltung für Privat- und Kleinfirmen. Das lief ganz gut und dann wollte ich etwas machen, das größer werden kann und technologisch auch spannender ist. So kam es zu Wuala. Zum Thema Online-Speicher gibt es derzeit einige juristische Auseinandersetzungen. Es gibt Menschen, die sagen, dass Angebote wie Eures nur darauf angelegt sind, Urheberrechtsverletzungen zu verüben. Das ist ein wichtiges Thema, das wir auch sehr ernst nehmen. Es geht uns darum, ein legales Angebot zu haben. Wir tun alles, um dagegen vorzugehen ... ... was kann man da machen? Alles, was privat hochgeladen wird, sehen wir nicht. Da haben wir auch keinen Zugriff. Sobald eine Datei aber öffentlich gemacht wird, sieht sie jeder und so auch wir. Und dann gehen wir proaktiv durch und filtern gewisse Dateien. Zusätzlich haben wir die Möglichkeit, dass man uns direkt informiert. Und wenn da jetzt eine Urheberrechtsverletzung vorliegt, reagieren wir sofort darauf und löschen den Inhalt. Wenn ich jetzt meine Musikbibliothek zur Sicherheit kopieren will, kann ich sie dann bei Wuala speichern? Klar, das ist kein Problem. Das ist ja keine Urheberrechtsverletzung. Wenn du die Musik dann aber öffentlich machst und anderen zur Verfügung stellst, ist das ein Problem. In der Schweiz ist es zudem erlaubt, dass man seine Musik mit seinen Freunden teilt, das ist von Land zu Land unterschiedlich. Hast du Angst, dass Wuala aus juristischen Gründen scheitern könnte? Nein. Wir kooperieren da mit verschiedenen Organisationen, um den Urheberrechtsverletzungen vorzubeugen. Hier in der Schweiz gibt es eine Bundesstelle, die Internetkriminalität bekämpft. Mit denen arbeiten wir sehr eng zusammen. Außerdem muss man sagen: Unsere Plattform ist auf etwas ganz anderes ausgerichtet. Was ist der Unterschied? Beim klassischen One-Click-Hosting geht es um eine Datei, die man sehr einfach hochladen kann und von der man dann die URL weiterschicken kann. Das ist eher eine Variante des Mailens. Bei uns geht es aber nicht um eine Datei, sondern eher um eine Sammlung von Dateien. Es geht um einen Desktop im Internet. Du kannst bei Word zum Beispiel direkt “Speichern unter” aufrufen und Dateien bei Wuala speichern. Wuala ist also nicht auf eine spezifische Nutzung ausgerichtet, sondern dafür konzipiert, alle möglichen Bedürfnisse rund um Dateien im Internet abzudecken. *** Du interessierst dich für das Thema? Dann lies unser Porträt des One-Click-Hosters RapidShare. Und hier geht es zu wua.la. Der Dienst startet am Donnerstag, den 14. August 2008 in die öffentliche Betaphase.

Text: dirk-vongehlen - Foto: privat