Feleknas Uca, Abgeordnete des Europäischen Parlamentes und unter anderem Mitglied im Ausschuss für die Gleichstellung der Geschlechter und die Rechte der Frauen, startet anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März einen Spendenaufruf für die Arbeit der Nichtregierungsorganisation NAFGEM (Network Against Female Genital Mutilation) in Tansania, um auf die Problematik der Genitalverstümmelung aufmerksam zu machen. Warum setzen Sie sich für dieses Thema ein? Mir bedeutet das Thema sehr viel, denn Genitalverstümmelung ist eine Menschenrechtsverletzung. Bei der Genitalverstümmelung werden - je nach traditioneller Praxis - die Klitoris, die Schamlippen und auch Haut und Gewebe aus der Vagina entfernt. Das nennt man Infibulation. Darüber hinaus wird die Vagina bis auf eine winzige, erbsengroße Öffnung zugenäht. Um Geschlechtsverkehr zu haben, muss diese vernarbte Öffnung vom Ehemann - in selteneren Fällen von einer Beschneiderin - mit einem Messer defibuliert werden. Nach einer Schwangerschaft wird die Vagina der Frau erneut zugenäht. Den Mädchen und Frauen wird ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit und Sexualität geraubt. Die traumatische Erfahrung der Verstümmelung verfolgt die Frauen ihr Leben lang. Warum wird Genitalverstümmelung immer noch praktiziert? All diese Qualen werden mit kulturellen Traditionen begründet, die von Ethnie zu Ethnie variieren. So gilt eine Frau beispielsweise als nicht heiratsfähig, wenn sie nicht "beschnitten" wurde, als "unrein" oder als "unästhetisch". Darüber hinaus zielt die Genitalverstümmelung ganz klar darauf ab, das sexuelle Verlangen der Frau abzutöten, um den Mann nicht "zu überfordern" oder zu betrügen. Das Thema ist für mich deshalb so wichtig, weil es sich in meinen Augen um eine unnötige Form der Unterdrückung von Frauen handelt. Warum engagieren Sie sich gerade für das Projekt von "NAFGEM"? Genitalverstümmelung wird nicht nur in Afrika praktiziert, sondern findet auch vor unserer eigenen Haustür in Europa statt. Allein in Deutschland werden Schätzungen zufolge jährlich 10.000 bis 20.000 Mädchen verstümmelt. Ich versuche deshalb, Genitalverstümmelung europaweit zu thematisieren und zu enttabuisieren. Deshalb unterstütze ich auch das Projekt von "NAFGEM" durch einen Spendenaufruf, weil dieses Projekt in besonderer Weise das Umdenken innerhalb der Bevölkerung fördert, indem es auf die Menschen und ihre Bedürfnisse eingeht. Wie schätzen Sie den Erfolg des Projektes ein? Ich habe ein sehr gutes Gefühl, was den Erfolg der Arbeit von "NAFGEM" angeht. Seit der Gründung haben insgesamt etwa 300 ehemalige Beschneiderinnen an speziellen Umschulungsprogrammen teilgenommen. Die lange und hartnäckige Arbeit von "NAFGEM" mit der Massai-Bevölkerung hat zum Umdenken von rund 3000 Einwohnern des Mikocheni-Bezirks im Norden Tansanias geführt. In vielen Dörfern ging die Beschneidungsrate um bis zu 90 Prozent zurück, in einigen Gebieten wird mittlerweile keine Genitalverstümmelung mehr praktiziert. Das Konzept von "NAFGEM", möglichst viele lokale soziale und medizinische Einrichtungen in die Arbeit einzubeziehen, halte ich für sehr gut und wichtig. In Moshi in Tansania arbeiten zur Zeit drei hauptamtliche Mitarbeiterinnen unter der Leitung der Soziologin Basilla Urasa, die gemeinsam mit etlichen Ehrenamtlichen in fünf Distrikten in Tansania zusammen arbeiten. Wofür werden die Spendengelder verwendet? Mit dem gespendeten Geld soll die Stelle einer Mitarbeiterin in einem entlegenen Bezirk im Norden des Landes geschaffen werden, um die Umschulung der ehemaligen Beschneiderinnen zu gewährleisten. Das monatliche Gehalt für eine solche Stelle liegt bei ca. 50 Euro, so dass jede noch so geringe Spende einen wichtigen Beitrag zur Abschaffung der Genitalverstümmelung leistet. Wer spenden will kann, das hier tun: NAFGEM: Stichwort „NAFGEM-Moshi Uca“: Sonderkonto TERRE DES FEMMES e.V. Kreissparkasse Tübingen Kto. Nr. 22 44 22 BLZ 641 500 20 Spenden für „Genitalverstümmelung überwinden“ an folgendes Konto: Lebendige Kommunikation e. V. Sparkasse Fulda Konto-Nr. 43510203 BLZ: 53050180 Für weitere Informationen: - feleknasuca.de - terre-des-femmes.de - weibliche-genitalverstuemmelung-ueberwinden.com