Spießer gegen Ökos? Was haben CDU- und Grünen-Nachwuchs in Hamburg gemeinsam?

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Linda Heitmann, 25, studiert Politikwissenschaft und Geografie und ist Landesvorsitzende der Grünen Jugend Hamburg. Warum bist Du Mitglied bei der Grünen Jugend geworden und wie alt warst Du damals? Seit meiner Kindheit wollte ich nicht immer nur meckern, sondern selbst etwas verändern. Die Grünen waren dabei für mich am glaubwürdigsten und vertraten und vertreten meine Ideale von einer nachhaltigen, toleranten und sozialen Politik. Wirklich Zeit, politisch aktiv zu werden, hatte ich erst, als ich nach dem Abitur von zu Hause auszog. Deswegen war ich schon 21, als ich Mitglied der Grünen und der Grünen Jugend wurde. Warst Du schonmal mit einem JUler Bier trinken? Mit dem Landesvorstand der Grünen Jugend Hamburg haben wir uns vor circa einem Jahr mal mit dem Vorstand der Hamburger Jungen Union zu einem Bier getroffen. Die Atmosphäre war damals sehr aufgeschlossen, neugierig und ehrlich. Da das Treffen jedoch im Rahmen einer regulären JU-Vorstandssitzung stattfand, war es auch etwas steif und formell. Heute kennt man sich und trifft sich bei verschiedenen Anlässen immer wieder mal. Sind JUler spießiger? Ich würde sie vielleicht eher als konservativer bezeichnen. Sicher gibt es Mentalitätsunterschiede. In der Grünen Jugend gibt es zum Beispiel ein starkes Engagement dahingehend, dass man regelmäßig an Demonstrationen teilnimmt oder sich außerparteilich noch in anderen Vereinen und NGOs engagiert. Als wir die JU darauf ansprachen, inwiefern die Teilnahme an Demos in deren Kreisen ein Thema sei, kamen nur sehr zurückhaltende Reaktionen. Außerdem denke ich, dass die Parteistrukturen innerhalb der Union sehr viel hierarchischer und die Leute karriereorientierter sind, als bei den Grünen und der Grünen Jugend. Was trennt Grün von Schwarz? Speziell in Hamburg fast alles: Wir sind gegen die Elbvertiefung, gegen ein Kohlekraftwerk in Moorburg, für verbindliche Volksentscheide und für eine Schule, in der alle Kinder bis zur 9. Klasse bei individueller Förderung gemeinsam unterrichtet werden. Darüber hinaus gibt es aber auch starke Mentalitätsunterschiede, die sich nicht an einzelnen Projekten festmachen lassen - zum Beispiel in der Innen- und Flüchtlingspolitik. Die harte Linie, die der Senat in den letzten Jahren im Umgang mit DemonstrantInnen oder mit der schonungslose Abschiebung von Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus gefahren ist, ist für uns nicht akzeptabel. Auch eine immer weitere Einschränkung der Bürgerrechte wie in den letzten Jahren akzeptieren wir nicht. In den Uni-Parlamenten liefern sich grüne und schwarze Hochschulgruppen erbitterte Grabenkämpfe. Gibt es jetzt plötzlich Gemeinsamkeiten? Die gleichen inhaltlichen und mentalen Unterschiede gibt es natürlich auch in der Hochschulpolitik. Inwieweit man sich einander annähern kann, lässt sich nur jeweils im individuellen Fall beurteilen. Verliert die Grüne Jugend an Glaubwürdigkeit, wenn die Partei mit der CDU koaliert? Für einige auf jeden Fall. Größter Vorwurf, den Du der JU machen kannst? Sie haben zu wenig Mut zur Rebellion gegen die Mutterpartei CDU. Größtes Kompliment, das Du der JU machen kannst? Die Bereitschaft zum kritischen Dialog mit der Grünen Jugend. Welches Wahlplakat hat Dich am meisten geärgert? Da die CDU fast ausschließlich mit Gesichtern, speziell mit dem des Bürgermeisters, Wahlkampf geführt hat, gab es kein spezielles. Ich finde so eine Art des Wahlkampfes allerdings ziemlich schwach. Wirkliche inhaltliche Ziele scheint die CDU demnach nicht zu haben, oder sie hat sich davor gefürchtet, sie dem Wähler zu verraten. [i]Interview: philipp-mattheis[/i]


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Illustration: Julia Schubert

Ina Diepold, 28, ist Landesvorsitzende der Jungen Union Hamburg. Sie hat Journalistik und Politikwissenschaft studiert und arbeitet als Referentin. Warum bist Du Mitglied bei der Jungen Union geworden und wie alt warst Du damals? Ich bin seit 14 Jahren in der Jungen Union, beim Einstieg war ich auch gerade 14 Jahre alt. Ich bin 1993 eingetreten, das war in den Nachwehen der Wiedervereinigung. Es hat mich geprägt, mitzuerleben, wie Deutschland wieder zusammenwächst. Dann war Helmut Kohl in den Messehallen zu Gast, und ich habe mir angehört, was er zu sagen hatte. Er hat mir so sehr imponiert, dass ich in die JU eingetreten bin. Warst Du schonmal mit jemandem von der Grünen Jugend Bier trinken? Wir hatten mal eine gemeinsame Landesvorstandssitzung, das war ganz angenehm. Wir haben über Gemeinsamkeiten gesprochen, aber auch über Dinge, die uns trennen. Ich selber war auch schon mal auf der Weihnachtsfeier der Grünen Jugend. Die Feier sieht anders aus, als bei uns. Da wird so manches Klischee noch mal bestätigt, aber es waren trotzdem nette Gespräche und ja, wir haben auch gemeinsam Bier getrunken. Stichwort bestätigte Klischees – Ist die Grüne Jugend sozialromantisch und voller verblendeter Ökos? Ich glaube, jede Partei hat Leute, die in die eine oder andere Richtung ausschlagen. Man sagt ja immer, bei den Grünen sei alles etwas speziell und exotisch, aber das sind auch ganz normale Leute. Heutzutage kann man eh nicht mehr so deutlich auseinanderhalten, wer zu wem gehört. Die Grenzen verschwimmen, das war in den Gründungszeiten der Grünen sicherlich anders. Was trennt Schwarz von Grün? Es gibt zwei Punkte, die einem da sofort ins Auge stechen. Zum Einen setzen wir uns für Studiengebühren ein, für ein Lernen mit entsprechend positivem Umfeld und verbesserten Bedingungen. Die Grüne Jugend ist gegen Studiengebühren. Zum zweiten Punkt in Sachen Bildung – Die Grünen setzen sich für die Einheitsschule ein. Wir als Junge Union, genau wie die CDU, sind aber für die Stärkung der Stadtteile und der Gymnasien. Wir setzen da auf Vielfalt statt auf Einfalt. In den Uni-Parlamenten liefern sich grüne und schwarze Hochschulgruppen erbitterte Grabenkämpfe. Gibt es jetzt plötzlich doch Gemeinsamkeiten? In Hamburg sind nicht alle Mitglieder der Jungen Union auch im RCDS [Ring Christlich-Demokratischer Studenten, CDU-Hochschulgruppe, d. Red.] vertreten. Deswegen kann man das nicht so gut vergleichen. Ich weiß auch nicht, wie die Lage in anderen Verbänden ist. Wir haben vor einiger Zeit eine gemeinsame Landesvorstandssitzung mit der Grünen Jugend gemacht. Dort konnten wir beim Thema nachhaltige Finanzpolitik Gemeinsamkeiten feststellen. Grüne Jugend und Junge Union setzen sich beide dafür ein, dass die finanziellen Geschäfte, die jetzt von den Regierenden gemacht werden, auch wirklich nachhaltig sind. Wir zahlen schließlich später die Schulden, die die Leute jetzt machen. Darin sind wir uns einig. Die Junge Union hat mit einem Antrag auch ein Schuldenverbot gefordert, das ja auch von der CDU beschlossen wurde. Verliert die Junge Union an Glaubwürdigkeit, wenn die Partei mit den Grünen koaliert? Nein. Grüne Jugend und die Junge Union sind ja zwei eigenständige Organisationen. Bei den Jusos ist man ja automatisch SPD-Mitglied. Das ist bei uns anders. Egal, ob die CDU mit der SPD oder den Grünen koaliert - wir als Jugendorganisation verlieren dadurch nicht unser Gesicht. Größter Vorwurf, den Du der Grünen Jugend machen kannst? Vielleicht, dass das ein oder andere Thema zu verbissen gesehen wird. Da wird dann gleich die große Keule geschwungen, wo wir manchmal etwas relaxter sind. Größtes Kompliment, das Du der Grünen Jugend machen kannst? Einige Leute, die ich kennengelernt habe, sind auf eine gewisse Weise sehr unkompliziert. Das finde ich im persönlichen Umgang sehr angenehm. Welches Wahlplakat hat dich am meisten geärgert? Soll ich jetzt nur eines nennen? Ich glaube, das Plakat, das mich am meisten geärgert hat, ist weder von den Grünen, noch von der SPD. Das war ein Plakat von der Partei „RECHTE MITTE Heimat Hamburg“ von Herrn Kusch, der sich als zweiter Bürgermeister hat plakatieren lassen. Roger Kusch gehörte schließlich mal dem CDU-Senat an – und dann so zu agieren, das finde ich unmöglich. Aber das Ergebnis lag dann ja auch bei 0,4 Prozent und ist damit sozusagen negativ bestätigt worden. [i]Interview: johannes-graupner[/i]

Text: philipp-mattheis - und johannes-graupner

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