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Steckt euer Geld in den Krieg und werdet reich!

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Katja, du führst den Leuten vor, wie viel Rendite sie mit dem Krieg machen könnten. Am meisten Gewinn wirft wohl der Waffenhandel ab. Welche Branchen empfiehlst du uns noch? Wie wäre es mit Organhandel? Der Gewinn, der da für dich abspringt, ist einfach sagenhaft - besonders in Nachkriegsgebieten. Eine verarmte Mutter gibt für ein paar Hundert Euro gerne ihre Niere weg, wenn sie mit diesem Geld ein Schuljahr für ihr Kind bezahlen kann. Aber auch Investitionen in die Medienkonzerne und Fotoagenturen können sehr rentabel sein. Während dem Krieg können die blutige Informationen und Bilder liefern, das wiederum führt zu höheren Werbeeinnahmen. Am Ende streichst du als Investor eine satte Dividende ein. Das ist ziemlich zynisch. Politisch korrekt ist es natürlich nicht. Wir übertreiben total, und erzählen teilweise echt geschmacklose Sachen. Aber wir nennen die Dinge beim Namen und verzichten auf ethische Euphemismen.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

„Nix Bausparen, nix Sparbuch: Kriegsanleihen sind das neue Ding“ Kennt das Investmentbusiness denn keine Ethik? Das Kapital ist weder gut noch böse. Das Problem ist aber doch, das heutzutage nicht die Menschen das Kapital regulieren, sondern das Kapital die Menschen. Wir alle leben in dieser Welt, und wir alle sind auf die eine oder andere Weise verwickelt in das ökonomische System. Auch wenn du Steuern zahlst, dann geht ein gewisser Prozentsatz von diesen Steuern in die Rüstungsindustrie. Wer kann das schon überblicken. Oder wenn du Aktien von einem Telekommunikationsunternehmen besitzt - man weiß ja nie, welche Geschäfte dieses Unternehmen sonst so gemacht hat. Vielleicht hat die Firma gerade einen lukrativen Deal im Sudan oder im Irak abgeschlossen. Was willst du mit den War-Investment-Starter-Kits, kleinen Pappschachteln mit verbrannter Erde drin, bewirken? Die Rolle der Kunst soll es ja sein, eine Selbstbeobachtung der Gesellschaft zu ermöglichen, aber das ist eine zwiespältige Rolle, weil man einerseits vielleicht unter bestimmten Bedingungen tatsächliche Veränderungen ermöglicht, andererseits betreibt man natürlich immer die Reproduktion des bestehenden Systems. Die Kunst folgt dem Marktdiktat doch genauso. Deshalb kann ich die Frage nach der Wirkung von Warmarkt Inc. auch nicht endgültig beantworten, ich weiß es einfach nicht. Du kommst aus Slowenien und hast an der LMU in München über den Krieg in Ex-Jugoslawien geforscht. Hat das deine Arbeit bei Warmarkt Inc. beeinflusst? Es heißt ja immer, dass der Krieg in Jugoslawien ein ethnischer, religiöser und politischer Konflikt war. Aber meine Recherchen haben mir eines klar gemacht: Im Krieg geht es immer auch um Ökonomie. Nur ein Beispiel: Ein Kriegsreporter der serbischen Wochenzeitung „Vreme“, sagte einmal zu mir: „Früher dachte ich, dass die Front da anfängt, wo geschossen wird. Aber heute weiß ich, dass die Front da anfängt, wo die LKWs mit ihren Lieferungen gereiht stehen.“ An jeder Front werden Geschäfte gemacht. Kroaten, Serben und bosnischen Muslime haben pausenlos untereinander gehandelt, der verkaufte Waffen an den Feind, der wiederum Munition, und die internationalen Player haben auch immer ein paar Panzer im Angebot.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Katja Kobolt und ihr „War-Investment-Kit“ „There is no business like war business!“ Wie reagieren die Leute auf so ein Statement? In München waren die meisten Leute total empört. Obwohl das Projekt in den Kunstarkaden stattfand, haben die Wenigsten gemerkt, dass das eine Kunstaktion ist. Als ich in meinem superschnöseligen Berater-Outfit den Besuchern gegenüberstand und meine Slogans zum Besten gab, waren einige so entsetzt, dass sie gleich gedroht haben, sich an die Presse zu wenden. Aber es gab hier auch genug Leute, die dann gesagt haben: „Ist ja eigentlich ganz interessant, vielleicht sollte ich auch investieren.“ Hast du in deiner Heimat andere Erfahrungen gemacht? Ganz klar. Die Leute dort sind viel mehr auf die satirische Ebene eingestiegen. In den Staaten Ex-Jugoslawiens macht einfach jeder so seine Witze über den Krieg. Ich kenne viele Leute in Bosnien, also einem Staat, in dem die Menschen direkt unter dem Krieg leiden mussten. Für die ist der Humor so eine Art Überlebensstrategie, um sich zu distanzieren, um sich einer traumatischen Situation zu entziehen. Ich denke in Deutschland gibt es viel mehr Tabus zum Thema Krieg, man kann da nicht frei drüber reden. Fotos: ddp, privat

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