Stefanie und ihr "total subjektiver Rundgang" durch Stockholm

Steffi Ramb hat ihre Eindrücke von sechs Monaten Stockholm in einem eigenen Hörspiel festgehalten. Eine akustische Gedankenreise durch die Stadt – zum Anhören und Fernweh bekommen
franziska-schoenenberger
Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Du hast einen akustischen Stadtführer namens "Stockholm - ein total subjektiver Stadtrundgang" produziert. Wie kommt man denn dazu? Ich habe ein halbes Jahr Auslandsemester in Stockholm gemacht, von dem ich einfach wahnsinnig viele Eindrücke mitgenommen habe – Eindrücke, die ich festhalten wollte. Das nicht als Text oder als Fotos in einem Album, sondern ich wollte ein Hörstück machen. Ich habe dann angefangen, ein Manuskript zu schreiben, habe Sprecher gesucht und bin nach Stockholm gefahren, um Geräusche und Atmosphäre aufzunehmen. Das Endprodukt ist ein fünfzehnminütiges Stück, das von mir und einem Sprecher vorgetragen wird. Eine Freundin hat extra für mich drei Musikstücke komponiert. Ich habe ihr ein paar Musikbeispiele von schwedischen Bands als Anhaltspunkt gegeben, die mir sehr gefallen. Für die CD hat mir eine andere Freundin, die Illustratorin ist, das Cover gemacht. Akustische Stadtführer sind so neu nicht. Was ist an Deinem anders? Für diverse Orte gibt es einem akustische Stadtführer, den man sich auf den iPod laden und sich anhören kann, während man durch die Stadt läuft. So etwas in der Art wollte ich auch machen, nur eben keinen touristischen Reiseführer. Ich wollte meine subjektiven Eindrücke von Stockholm beschreiben. Gerade solche Erinnerungen sind schwer auf Bildern festzuhalten. Wie hast Du das umgesetzt? Ich habe mir verschiedene Orte, beziehungsweise Stadtteile in Stockholm ausgesucht, von denen jeder für mich etwas ganz Charakteristisches hat, und habe dann einen Text in zwei Sprecherhaltungen geschrieben. Dabei habe ich eine objektive Position mit meiner persönlichen, subjektiven Haltung verbunden. Von den beiden Sprechern werden diese Orte dann abwechselnd geschildert. Das Stück liefert nicht nur Fakten, sondern es erzählt von meinem persönlichen Blick auf die Stadt und die Dinge, die dort passieren. Ich habe zum Beispiel auch versucht, Gerüche einzuweben, eben zu beschreiben, wie der Ort für mich riecht. In erster Linie ist es für mich auch eine Aufarbeitung der Zeit, die ich dort verbracht habe. Weil es ein doch sehr persönlicher Blick auf die Stadt geworden ist, habe ich das Stück „Stockholm – ein total subjektiver Stadtrundgang“ genannt.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Warum gerade Stockholm und nicht München oder eine andere Stadt? Meine Heimatstadt sehe ich mit ganz anderen Augen, das ist meine Alltags- und Arbeitstadt, in der ich mich immer aufhalte. Hier fehlt mir dieser neue frische Blick auf die Dinge. Allerdings, als ich nach einem halben Jahr Aufenthalt in Schweden zurückkam, ging es mir zum ersten Mal in München ein bisschen so wie in Stockholm. Ich habe Orte anders oder neu entdeckt. Ich habe Plätze und Orte in der Stadt „neu“ gesehen und war ganz erstaunt wie viel Neues München dann doch zu bieten hatte. Du hattest eine professionelle Unterstützung bei Deinem Projekt… Mein Hörspiel ist im Rahmen von „In eigener Regie“ entstanden. Das ist ein Förderprogramm für junge Leute unter 26, die ein Audio-, Video- oder Multimediaprojekt machen wollen. Das ist ein Projekt vom JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis und der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) für Jugendlichen in ganz Bayern. Man muss einen Antrag einreichen mit einem Konzept, was man machen will – das kann ein Hörspiel, ein Radiobeitrag, ein Kurzfilm oder eine Website sein. Dazu noch einen Kostenvoranschlag, wie viel das ganze ungefähr kosten könnte und ein Motivationsschreiben. Ich habe für mein Hörspiel etwa 400 Euro Unterstützung bekommen. Aber die Förderungen je nach Bereich verschieden hoch. Kann sich dort jeder einfach bewerben? Genau. Das Projekt ist dafür gedacht, eigene Ideen zu realisieren. Man bekommt aber nicht nur Geld, sondern auch einen Betreuer zur Seite gestellt. Das ist wichtig vor allem für jemand, der gerade anfängt, eigene Ideen zu verwirklichen oder einfach etwas ausprobieren möchte. Wo kann ich das hören? Auf meiner Internetseite kann jeder das Hörspiel anhören. Außerdem habe ich das Stück bei verschiedenen Wettbewerben der freien Hörspielszene eingereicht. Wenn ihr euch auch bei in eigener Regie bewerben wollt, die Einreichungsfrist für Projekte läuft noch bis zum 31.03.2008. Mehr dazu unter www.jff.de/ier/

  • teilen
  • schließen