Korbinian Breu ist 23 Jahre alt und hat vergangenes Jahr sein Informatik-Studium an der TU München abgeschlossen. Seitdem arbeitet er in einem Start-up. Während des Studiums wurde er u.a. von der Studienstiftung des dt. Volkes, der bayerischen Elite-Akademie und dem Max-Weber-Programm gefördert.

jetzt: Du bist 23 Jahre alt, hast vor einem Jahr das Studium abgeschlossen, dabei sieben Leistungsstipendien bekommen und gibst nun selbst Ratschläge, wie man bei so einer Bewerbung vorgehen sollte. Klingt nicht sehr sympathisch. Korbinian: Wie meinst du das? Naja, Stipendien werden ja schon sehr mystifiziert, angeblich ist jede Auswahlkommission anders und unberechenbar. Wenn sich da nun ein 23-Jähriger hinstellt und platt gesprochen sagt: Ich erkläre die Welt – klingt ja schon erstmal überheblich. Nee, ganz so einfach ist es ja nicht. In dem Buch steht nicht: „Antworte auf Frage A bitte mit B“, das wäre zu einfach. Aber ich habe halt gemerkt, dass es man sich sehr wohl auf die Auswahlseminare vorbereiten kann, auch wenn oft das Gegenteil behauptet wird. Dass es da Muster gibt und Fragen, die immer wieder vorkommen und dass viele Leute, die es in eine Stiftung geschaft haben, das auch wissen. Es hat halt nur noch nie jemand aufgeschrieben.

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Wie haben denn die Förderungswerke auf dein Buch reagiert? Ich war im Vorfeld mit einigen in Kontakt, die Reaktionen waren gemischt. Einige Mitglieder aus Auwahlkommissionen fanden meine Ansätze gut und haben sich darin wiedererkannt. Andere haben gesagt, sie wollten das nicht offiziell unterstützen, weil sie „authentische Kandidaten“ bei den Gesprächen wollen. Aber da stimme ich ja auch zu: Sich verstellen bringt in so einem Gespräch gar nichts. Vielleicht  gab es da aber auch ein Missverständnis und sie dachten, ich wolle teure Coachings anbieten, mit denen reiche Studenten Stipendien bekommen – das habe ich nicht vor. Mir haben Stipendien so viel gebracht: ich konnte meine Auslandsaufenthalte finanzieren und habe dort so viele tolle Menschen kennengelernt, dass ich anderen helfen will, das auch zu schaffen. Was sind denn deine drei Tipps für die Stipendienbewerbung? Erstens: Man sollte sich nicht selber bewerten. Viele sagen und schreiben Dinge wie: „Ich bin ein Teamplayer, ehrgeizig, superbelastbar“, weil sie es in irgendwelchen Bewerbungsratgebern für Jobs gelesen haben. Aber das könnte jeder schreiben. Besser ist da das „Show, don't tell“-Prinzip. Sagen: „Ich war aktiv in dieser Jugendorganisation und habe dabei das und das gelernt“ oder „In meinem Praktikum habe ich das und das gemacht.“ Nur so werden diese Begriffe „superbelastbar, Teamplayer“ auch mit Inhalten gefüllt. Zweitens: Die besten Auswahlgespräche sind die, in denen es wirklich zu einem Gespräch kommt. Das bedeutet, auch mal den Interviewer etwas zu fragen. Und der dritte ist ein ganz praktischer Tipp: Beim Vortrag sich immer einen Schritt näher ans Publikum stellen als man es normalerweise tun würde. Das wirkt nahbarer. Viele Stipendienauswahlgespräche finden nach dem Abitur statt. Da haben die meisten noch gar keine Erfahrung mit Vorstellungsgesprächen... Ja und viele denken dann auch, sie hätten noch überhaupt nichts in ihrem Leben gemacht, weil sie ja erst 18 sind. Die meisten Leute haben extrem viel gemacht, sie wissen es nur nicht. Ein Bekannter von mir hatte zum Beispiel einen Youtube-Kanal und hätte das von sich aus nie in die Bewerbung geschrieben – er dachte, das sei nicht wichtig. Dabei ist das doch ein toller Nachweis von Engagement für eine Bewerbung! Du listest in deinem Buch auch noch andere Beispiele für „Engagement“ auf, zum Beispiel DJing. Für mich klingt das eher nach Schönreden eines Hobbies. Muss man bei Stipendienbewerbungen übertreiben? Man sollte sich auf jeden Fall positiv darstellen, aber nicht übertreiben und lügen. Das meine ich ja: Zu sagen „Ich gebe Nachhilfe und das ist mein soziales Engagement“ ist übertreiben. Aber einfach zu sagen „Ich habe XY Nachhilfe darin gegeben“ ist besser. Meiner Erfahrung nach untertreiben die meisten Bewerber bei ihrer ersten Bewerbung übrigens eher. Klavierspielen für sich alleine ist ein Hobby. Damit Konzerte zu geben, ist schon Engagement. Aber als DJ auf einer Party aufzulegen ist doch nicht besonders altruistisch? Da steckt schon jede Menge Arbeit drin. Und mit dem Argument kann man jedes Engagement kleinreden und sagen: „Der fährt ja nur nach Namibia und hilft dort armen Leuten um sich selber besser zu fühlen.“ Ich kenne jemanden, der wurde im Auswahlseminar gefragt: „Wie hätten Sie den zweiten Weltkrieg verhindert?“. Was sagt man da? Auch bei solchen Fragen gibt es Strukturen, mit denen man arbeiten kann. Ich würde zuerst nachfragen, wie die Frage genau gemeint ist: Warum ist das jetzt relevant, in welcher Rolle soll man das durchdenken? Als Politiker? Als einfacher Bürger? Und dann muss man aufspalten, was für verschiedene Möglichkeiten es gäbe – man könnte Frieden schließen, Aufklärungsarbeit leisten usw. Das ist wie in den Assessment-Centern von Unternehmensberatern: Es geht weniger um die Antwort als darum, gut zu argumentieren. Bekommt man also, wenn man die Tipps aus deinem Buch beherzigt, auf jeden Fall ein Stipendium? Eine Garantie dafür kann ich natürlich nicht geben. Die Entscheidung hängt ja auch von Faktoren ab, die ich nicht beeinflussen kann - von den Noten des Bewerbers zum Beispiel. Aber das Buch bringt denjenigen etwas, die wissen wollen, welche Fragen in so einem Auswahlseminar drankommen könnten. Sie können dann im Vorfeld ihre eigenen Antworten darauf finden.