"Stummer Protest, den ich laut vortragen kann."

Sascha Vogt zog seine Kandidatur für den SPD-Bundesvorstand zurück. Damit sind die Jungsozialisten ohne Stimmrecht im Parteien-Mutterschiff. Was daran gut sein soll, erzählt er im Interview.
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Illustration: Julia Schubert


Jetzt.de: Sascha, warum hast du dich dagegen entschieden für einen Platz im Bundesvorstand zu kandidieren?
Sascha Vogt: Auf Grund der Tatsache dass zehn Plätze wegreduziert wurden, hatten viele Landesverbände Sorge um ihre Kandidaturen. Viele haben mir deswegen signalisiert, dass sie meine Kandidatur nicht unterstützen würden, da ich als Vorsitzender der Jungsozialisten sowieso weiterhin beratendes Mitglied des Vorstandes bleiben würde. Da habe ich mir gedacht: „Ja, gut, das ist richtig. Dann mache ich eben den Weg frei, für Leute, die die Positionen der Jusos unterstützen.“

Das heißt die Kandidaturen der Landesverbände sind dir wichtiger, als die der Jungsozialisten und deswegen machst du freiwillig Platz?
Mir sind Inhalte wichtiger als Ämter. Als Vorsitzender der Jungsozialisten bin ich automatisch beratendes Mitglied des Parteivorstandes. Das heißt ich sitze da, ich kann dort auch reden und Anträge stellen – alles wie bisher auch. Es ändert sich nichts, bis auf die Tatsache, dass ich jetzt kein Stimmrecht bekommen habe.

Damit sind die Jusos die einzige Jugendorganisation, die nicht Teil des Vorstandes ihrer Mutterpartei ist. Das ist einfach so hinzunehmen?
Dass ich kein Stimmrecht habe, kann für das Gesicht der Jusos ja auch mal zum Vorteil sein, weil ich so in die Kompromissentscheidungen - die im Vorstand recht häufig getroffen werden - nicht miteinstimmen muss.

Also siehst du in deiner Entscheidung eine Möglichkeit zum stummen Protest?
Ja, nur dass ich den auch laut vortragen kann.

Und was halten deine eigenen Reihen davon?
Natürlich sind die alles andere als begeistert, dass wir jetzt kein Stimmrecht haben. Wobei die überwiegende Mehrheit meine Entscheidung unter den gegebenen Rahmenbedingungen schon nachvollziehen konnte - also soweit ich das jetzt hier auf dem Parteitag mitbekommen habe.

Als du 2010 zum Juso-­Chef gewählt wurdest, sagtest du: „Wir müssen an der Spitze der Protestbewegung stehen und uns dafür einsetzten, dass die SPD ein neues Steuerkonzept hat, damit die Kommunen wieder Geld in die Kasse bekommen.“  
Im Großen und Ganzen geht das, was heute beschlossen wurde, doch in die richtige Richtung. Ich hätte nie erwartet, dass die SPD zwei Jahre nach der verlorenen Bundestagswahl ein Steuerkonzept beschließen würde, wo die Vermögenssteuer eingeführt werden soll, die Erbschaftssteuer erhöht werden soll und der Spitzensteuersatz erhöht wird. So kommen wir wieder zu mehr Einnahmen, um die Kommunen finanziell gut auszustatten und gute Bildung zu ermöglichen. All das waren zentrale Forderungen von uns, deswegen bin ich sehr zufrieden mit der aktuellen Stoßrichtung.

Auch ohne Stimmrecht?
Ja, auch ohne Stimmrecht.

Text: julia-friese - Foto: Mark Wilkendorf

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