The German Wunderkind Of Baseball

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jetzt.de: Max, du giltst als „größtes europäisches Baseball-Talent aller Zeiten“ und als „German Wunderkind Of Baseball“. Wie gehst du mit dem Druck um, den solche Bezeichnungen mit sich bringen? Max: Ich blende die Medien weitgehend aus und versuche vielmehr, mich auf mich selbst und die Verbesserung meiner sportlichen Leistungen zu konzentrieren. Ich habe schließlich keinen Einfluss darauf, was in den Zeitungen steht, und nehme es stattdessen einfach als Kompliment. Zusätzlichen Druck verspüre ich deshalb aber nicht.

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„Meist schweißt es die Partner eher zusammen, wenn sie gemeinsam die Depression überstehen”, sagt Dr. Gabriele Pitschel-Walz.

Illustration: Julia Schubert

Wie hast du denn den Hype um deine Person nach der Unterschrift im letzten Sommer bei den Minnesota Twins empfunden? Die Zeit war ziemlich anstrengend. Wirklich gewöhnen konnte ich mich daran nicht. Ein paar Wochen lang hatte ich nahezu jeden Tag ein Interview, musste mich aber neben dem Baseball auch noch parallel auf die Schule konzentrieren, und das hat dann schon ein bisschen genervt. Du hast auch mal ein Jahr als Torwart in der Jugend von Hertha BSC Fußball gespielt. Warum hast du dich gegen den Volkssport Fußball und für den Nischensport Baseball entschieden? Ich habe damals ziemlich viel ausprobiert: Tennis, Fußball, Schwimmen, Baseball und Basketball. Fußball und Baseball haben mir am meisten Spaß gemacht, sodass ich mich auf diese beiden Sportarten konzentriert habe. Mit 14 Jahren bin ich dann in die Baseball-Nationalmannschaft berufen worden, sodass mir zum Fußballspielen irgendwann schlichtweg die Zeit gefehlt hat. Deine Eltern haben professionell Ballett getanzt. War die Option „Profi-Sportler“ für dich deshalb naheliegender als bei anderen? Sicherlich, meine Eltern haben mir viel geholfen, Tipps gegeben und konnten ihre Erfahrungen an mich weitergeben. Aber wenn ein anderer Junge denselben Traum gehabt hätte, hätte er diesen Weg genauso gut einschlagen können. Mein Vater hat mir allerdings schon früh diverse Stretching-Techniken gezeigt, die mir vor allem zu meiner Zeit als First Baseman sehr geholfen haben – denn da muss man fast einen Spagat machen, um an den Ball zu kommen. Du bist von mehreren amerikanischen Top-Teams umworben worden, unter anderem von Traditionsmannschaften wie den Yankees und den Red Sox. Wie sind die Scouts auf dich aufmerksam geworden? Zu den deutschen Vereinen kommen die Talentspäher kaum. Das Niveau der Bundesliga bewegt sich schließlich gerade mal auf amerikanischem College-Level. Daher sind die Scouts vor allem bei großen Turnieren wie der Europameisterschaft zugegen und halten dort ihre Augen offen. Was war denn deine erste Reaktion, als du gehört hast, dass die Minnesota Twins bereit sind, 855.000 Dollar für dich zu bezahlen? Meine erste Reaktion war: Wow! Ich konnte das gar nicht glauben. Aber ich habe relativ schnell gemerkt, dass der Betrag selbst gar keine so große Rolle spielt, zumal ich die Kohle eh nicht benutzen kann bevor ich 18 Jahre alt bin. Diese Summe ist vor allem für den Fall gedacht, dass ich mit dem Geld meine schulische Laufbahn oder Ausbildung bezahlen kann, falls ich mich verletzen sollte und meine Baseball-Karriere an den Nagel hängen muss. Ich gehe mal davon aus, dass deine Eltern das Geld verwalten. Kriegst du denn weiterhin dasselbe Taschengeld, das du vor dem Vertrag bekommen hast? Wenn die Saison in der Minor League, in der ich zur Zeit noch spiele, richtig anfängt, bekommt jeder Spieler etwa 1.000 Dollar im Monat, um sich was zu essen kaufen oder mal ins Kino gehen zu können. Bis dahin kriege ich immer noch Geld von meiner Mutter, die mit mir zusammen nach Amerika gegangen ist. Hat man dir mal gesagt, warum der Verein eigentlich bereit war, so viel Geld für dich zu bezahlen? Was sehen die in dir? Vor allem wohl Potenzial. Die Twins sind nicht unbedingt bekannt dafür, mit Geld um sich zu schmeißen und horrende Summen auszugeben. Insofern war das auch für den Verein ein großer Schritt. Die Minor League gilt als eher wenig glamourös. Muss man da schnellstmöglich durch? Ja, ein bisschen ist das so. Einige Leute versuchen sehr verbissen, sich da durchzukämpfen, sehen alles sehr ernst und geben sich auch nicht sonderlich viel Mühe, die Anderen im Team näher kennenzulernen. Aber mit den meisten Jungs verstehe ich mich blendend, es ist also alles cool. Wie beurteilst du denn deine bisherige Entwicklung in den Staaten – sowohl sportlich als auch persönlich? Unter sportlichen Gesichtspunkten hat sich mein Wurf deutlich verbessert. Die Bälle sind schneller geworden. Beim Schlagen hat es am Anfang nicht so gut geklappt, aber mittlerweile habe ich auch dort Fortschritte gemacht. Was das Persönliche angeht, habe ich sicherlich viele Erfahrungen gemacht, die mich auch als Mensch weitergebracht haben. Zudem habe ich viele neue Leute kennengelernt und kann mich auch in der Schule ganz gut behaupten. Wann peilst du denn deinen ersten Einsatz in der Major League an? Ich hoffe, dass es innerhalb der nächsten fünf, sechs Jahre so weit ist. Wenn es gut läuft, vielleicht auch schon früher. Man muss eine ganze Menge lernen, bevor man sich dort beweisen darf. Natürlich beherrsche ich das Spiel und weiß um meine Fähigkeiten, aber auf Profiebene kommt es auf die Feinheiten an. Auf jedes Detail. Es geht um Perfektion, und die muss ich in meinem Spiel erst noch erlangen. Bisher sind sämtliche deutschen Nachwuchshoffnungen daran gescheitert, den Sprung in die US-Major League Baseball zu schaffen. Macht dir das Angst? Nein, gar nicht. Es ist vor allem wichtig, geduldig zu bleiben und sich keine Verletzungen zuzuziehen, was bisher bei vielen deutschen Talenten der Grund dafür gewesen ist, warum sie es nicht geschafft haben. Und natürlich man muss zu jeder Zeit sein Bestes geben. Nimmst du denn nur positive Erfahrungen aus den letzten Monaten mit oder gab es auch Phasen, in denen dir das alles zu viel wurde und du am liebsten wieder nach Hause geflogen wärst? Die gab es auch, klar. Ich denke sehr oft an meine Freunde in Deutschland und vermisse die sehr. Doch wenn man im Leben weiterkommen will, muss man eben auch manchmal weiterziehen. Das geht gar nicht anders. Und heutzutage gibt es zum Glück ja Skype und Facebook, die es einem ermöglichen, regelmäßig in Kontakt zu bleiben. Viele Freunde wollen mich auch bald in Amerika besuchen kommen, aber momentan fehlt allen leider noch das Geld.

Text: daniel-schieferdecker - Foto: dpa

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