Wie sieht denn die neue Strategie aus? Eigentlich tunen wir gerade die gesamte Kommunikation bei Greenpeace. Wir wollen das alles ein bisschen frischer machen, damit die Leute besser verstehen, was wir eigentlich tun, und die Hintergründe nachvollziehen können. Ein Teil aus dem gesamten neuen Konzept ist auch unsere Internet-Strategie. Das bedeutet zum Beispiel, dass wir unsere noch sehr Web 1.0-lastige Homepage dem Mitmach-Web anpassen. Bisher haben wir eher einen Monolog gehalten, jetzt wollen wir auch online in den Dialog übergehen. Wie sieht das dann aus? Von nun an kann man auf unserer Seite Beiträge kommentieren, später kann man einer Community beitreten und Online-Petitionen starten. Man kann Vorschläge zu vorhandenen Kampagnen machen, sein Feedback abgeben, neue Ideen kommunizieren. Das Ganze soll alles auf einer Plattform gebündelt werden und den Leuten die Möglichkeit geben, von überall aktiv zu werden. Das Web 2.0 ist ja eigentlich doch ein bisschen wie das reale Leben. Man verabredet sich zwar im Netz, trifft sich am Ende aber doch auch in echt. Und die, die analog eh schon aktiv sind, finden über die Plattform vielleicht noch mehr Menschen, die ihnen helfen.

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Wie kann man mitmachen? Es ist wichtig, dass auch neue Leute draußen recherchieren und zum Beispiel in Baumärkte gehen und gucken, ob da Tropenholz verwendet wird oder im Supermarkt gentechnisch veränderte Produkte liegen. Die Aktivitäten müssen etwas verändern und einen politischen Hintergrund haben. Müssen bei Greenpeace jetzt alle erst einmal einen Blog-Lehrgang machen? Wir sind wirklich im Prozess uns zu verändern. Wenn du gelernt hast, immer nur die klassischen Medien zu bedienen, dauert es eine Weile, bis man sich umstellt und weiter denkt. Ich glaube aber, das können wir jetzt. Unsere ersten vier Blogs sind jetzt fest in die Seite integriert. Es gibt da zum Beispiel einen, der die Entstehung eines Meeresmuseums begleitet. Das klingt erst einmal total langweilig, ist aber, wenn man mal reinguckt, ziemlich spannend. Bekommt ihr online Gegenwind? In Auto-Communities wird viel über Greenpeace geschrieben und das in nicht sonderlich netter Art und Weisen mit Witze wie: „Wenn du einen Greenpeacer am Straßenrand siehst, fahr doch drüber“. Wichtig ist, dass man darauf reagiert. Denn es hat einen Effekt, wenn man mit diskutiert. Ich wünsche mir , dass auf unsere Plattform dann aber auch solche kritischen Diskussionen stattfinden und mit dieser Vernetzung auch der Dialog mit Kritikern und Gegnern leichter wird. Das Internet verbraucht ja auch sehr viel Strom. Wie geht ihr damit um, wenn ihr jetzt verstärkt auf die Nutzung des Web 2.0 setzt? Unsere Tochter Greenpeace Energy produziert Ökostrom. Und wir versuchen erst einmal für uns, möglichst wenig konventionellen Strom zu verbrauchen. Den Rest der Menschen können wir nur ebenfalls dazu anhalten, auf Ökostrom umzustellen. Aber in der Tat ist der Stromverbrauch im Internetsektor ein Riesenproblem. Wir haben auch noch keine Lösung vor Augen, aber wir suchen danach. Mehr zum Thema auf jetzt.de: Ein Interview mit den Machern von LovePeace, einer grünen Dating-Community von Greenpeace in der Schweiz.