"Und alle so: Yeaahh" - wird jetzt versteigert

Arndt Klinkhart hat sich das berühmteste Wahlplakat Deutschlands gesichert und versteigert es auf ebay. jetzt.de sprach mit dem Hamburger.
sebastian-sittner
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Illustration: Julia Schubert

Wie hast du das berühmte Plakat in Hamburg gefunden? Das war sehr einfach. Das Bild wurde ja auf der Plattform Flickr online gestellt und da stand dann auch, dass das Bild am Hamburger Hauptbahnhof gemacht wurde. Darf man ein Wahlkampfplakat einfach so mitnehmen? Das ist im Grunde genommen nicht erlaubt. Aber ich finde, dass da niemand etwas dagegen haben kann, wenn ein thematisch und terminlich abgelaufenes Plakat mitgenommen wird. Die Kanzlerin hatte ja schon ihren Auftritt in Hamburg. Außerdem handelt es sich in diesem Fall um ein sogenanntes Plakatfoul. Die Piratenpartei beklagt auf ihrer Internetseite, dass viele ihrer Plakate überklebt oder entfernt und durch CDU-Plakate ersetzt werden. Das war in diesem Fall auch so. Für viele stellt das CDU-Schild jetzt auch einen Kunstgegenstand im öffentlichen Raum da. Da wäre es doch schade, wenn man es nicht vor dem Abfall rettet. Dieser Kunstgegenstand scheint so mancher Person viel Geld wert zu sein. Schon nach 24 Stunden haben Menschen schon über 100€ geboten. Hattest du damit gerechnet? Das hat mich auf jeden Fall sehr überrascht. Dass es so viele Menschen gibt, die bereit sind, weit mehr als 50 Euro dafür auszugeben. Aber wir freuen uns natürlich darüber, dass jetzt schon soviel Geld zusammengekommen ist. Die Auktion dauert noch bis zum 1. Oktober. Im Nachhinein hätte ich das Datum anders wählen sollen. Der Wahltag hätte beispielsweise besser zum Thema gepasst. Aber so ist es ja auch in Ordnung. Die Medien berichteten ungewöhnlich ausführlich über den Flashmob. Wie, denkst du, wird sich das Thema weiterentwickeln? Ich glaube, dass sich das jetzt erstmal ein bisschen abkühlen wird. Um sich dann aber noch einmal in Berlin zur Abschlusskundgebung der Frau Merkel noch einmal aufzuheizen. Ich bin gespannt, wie viele Leute dann erscheinen werden. Du warst selber beim Flashmob auf dem Hamburger Gänsemarkt dabei. Hat die Kanzlerin überhaupt etwas von euch bemerkt? Also zunächst dachten wir, dass wir zu weit hinten stehen und neben den Atomkraftgegnern der Grünen und den CDU-Jublern untergehen. Doch die Architektur des Platzes hat uns geholfen und unsere Schreie verstärkt. Mir wurde berichtet, dass wir die Sound-Anlage der Bühne übertönt haben und dadurch unüberhörbar waren. Merkel hat uns ja dann auch als "meine Freunde aus dem Internet" bezeichnet Wie haben die Demonstranten um euch herum darauf reagiert? Die Atomkraftgegner waren zuerst irritiert, doch dann fanden sie den Witz dieser Aktion sehr gut und erfrischend. Ich finde, „Buh“ zu rufen ist ja eher so 1990er-Style. Viele dachten ja, dass das eine Aktion der Piratenpartei ist. Aber dem war ja überhaupt nicht so. Es war einfach eine Versammlung von intelligenten und witzigen Menschen aus der Internetgemeinde. Wer jetzt damit seine politische Einstellung rüberbringen will und wer nicht, ist jedem selbst überlassen. Jeder kann diese Aktion für sich selber interpretieren. Was passiert mit dem Erlös aus der Versteigerung? Wir haben untereinander diskutiert und dachten zunächst daran, den Erlös der Aids-Hilfe zu spenden. Doch wir fanden es passender, das Geld den Obdachlosen zukommen zu lassen. Denn zur Schill/CDU-Zeit in Hamburg hat man ja die Stadt schicker machen wollen. Da sollten Obdachlose aus der Innenstadt abgeschoben werden. Und da es sich hier um ein CDU-Plakat handelt, ist das somit eine runde Sache.

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