Volkssport Videospiel: Welcher Spielertyp bist du?

Auch wenn die Playstation 3 oder das Nintendo Wii noch auf sich warten lassen, schon heute steht in jedem dritten Haushalt in Deutschland eine Videospiel-Konsole. 31,6 Prozent der Deutschen spielen ab und zu mit PC, Konsole oder Handheld. Außer ihrer Kaufkraft und ihrem Konsumverhalten ist bislang wenig bekannt über den immer größer werdenden Stamm der Videospieler. Dass nicht alle von ihnen viereckige Augen haben oder ihre Wochenenden auf LAN-Partys in der örtlichen Turnhalle verbringen, ist klar. Ansonsten: Terra Incognita, reloaded. Vor kurzem kam die Studie „Spielplatz Deutschland“ heraus, die in einer repräsentativen Umfrage verschiedene Spieler-Typen und deren Lebenswelten erforscht hat. jetzt.de sprach mit der Leiterin der Studie, Sabine Trepte von der Hamburg Media School, über Videospiele als Volksport, digitale Ureinwohner und welche Snacks ein Intensiv-Spieler eigentlich so im Kühlschrank stehen hat.
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Illustration: Julia Schubert

Frau Trepte, welches Verhältnis haben Sie denn eigentlich zu Ihrem Forschungsgegenstand? Spielen Sie auch selbst zwischen den Vorlesungen mal eine Runde Halo? Nein. Ich bin zwar vom Alter her Teil der Videospiel-Generation, habe aber eher einen intellektuellen Bezug zu diesem Medium. Ich finde es einfach ein wahnsinnig spannendes medienpsychologisches Phänomen. Kann man denn Videospiele erforschen, ohne sich damit auszukennen? Meine Mitarbeiter und Kollegen sind passionierte Videospieler und wir haben am Freitag eine Spiel-Einheit eingerichtet. Da spielen wir dann 30 Minuten lang neue und alte Spiele. Sie haben schon Recht, man muss ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist, ein Raumschiff zu steuern oder ein Abenteuer in Mittelerde zu durchleben. In Ihrer Studie haben Sie den „Spielplatz Deutschland“ untersucht: Wen haben Sie erwartet, auf diesem digitalen Rummelplatz zu treffen? Ich gebe es zu: Wir hatten zu Beginn natürlich ein recht klischeebeladenes und zielgruppenspezifisches Bild im Kopf. So in etwa: ein verqualmtes Zimmer, leere Pizza-Kartons, ein paar Teenager mit Kopfhörern und weiten Hosen, die die neuesten Spiele testen. Ich war schon ziemlich überrascht, dass Videospielen mittlerweile ein veritabler Volkssport ist. Mehr als 30 Prozent der Deutschen spielen gelegentlich mit einem Computer – das sind Dimensionen, die sonst höchstens der Fußball erreicht. In der Studie haben Sie verschiedene Gamer-Typen isoliert: Welcher Typ bin denn ich, wenn ich ab und zu nach der Arbeit ein paar Stunden Fifa Soccer mit den Mitbewohnern spiele? Wahrscheinlich sind sie ein Freizeitspieler. Die stellen mit 54 Prozent die bei weitem größte und mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren auch älteste Gruppe aller Videospieler. Der Freizeitspieler ist überwiegend berufstätig und spielt nur gelegentlich. Zum Entspannen oder zum Zeitvertreib, wenn es der Job, die Familie oder seine anderen Hobbys gerade zulassen. Wenn ich ehrlich sein soll: Das klingt eigentlich eher nach meinem Vater und seiner Solitär-Sucht. Ich hatte schon in der Schule meine erste Konsole. Vielleicht dann eher ein Gewohnheitsspieler. Die sind etwa um die 30 Jahre alt und sind den Games - seit sie als Kind mit C64 und Atari 2600 gespielt haben – treu geblieben. In der Lebenswelt der Gewohnheitsspieler haben Videospiele ihren festen Platz: zum Beispiel beim Spiel-Abend mit Freunden. Beliebte Genres sind Action-und Strategie-Spiele. Ansonsten gibt es noch kleinere Gruppen wie die Denk- oder Phantasiespieler. Die definieren sich vor allem durch die Vorliebe für ein bestimmtes Genre wie beispielsweise Sudoko oder World of Warcraft.

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Illustration: Julia Schubert

Der "Spielplatz Deutschland" ist ein bunter und vielfältiger Ort. Wie haben sie die Einteilung in verschiedene Typen denn vorgenommen? Mit einer Prozedur, die als „Clusteranalyse“ bezeichnet wird. Am wichtigsten war zunächst die Spielfrequenz. Aber rein quantitativ kann man den Zugang, den ein Mensch zum Videospielen hat, nicht beschreiben. Die Eyetoy-Fans und die Halflife-Community haben nicht besonders viel gemeinsam. Deshalb spielt in der Analyse die Genrevorliebe eine zentrale Rolle. In unsere Analysen sind dann auch allgemeine Einstellungen zum Spielen eingegangen, zum Beispiel, ob die Befragten Gaming für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung halten und ob sie neuen Technologien positiv gegenüber stehen. Ergänzend haben wir Auch in die Kühlschränke und Wohnzimmer der Leute geschaut und daraus ein Gesamtbild entwickelt. Das klingt alles eher nach Skat- oder Boccia-Spielern, die Sie hier beschreiben. Wo sind denn die spielsüchtigen, ausgemergelten Bildschirm-Junkies, vor denen die Elternbeiräte so viel Angst haben? Es gibt natürlich auch den Typus des Intensivspielers, die mit Abstand jüngste Gruppe, die wir isolieren konnten. 79 Prozent sind unter 30 Jahre alt. Der Intensivspieler spielt mehrere Stunden pro Tag, liest am wenigsten und hat die höchste Bildschirm-Verweildauer. Auch wenn Videospielen ein Volkssport ist, heißt das nicht, dass die Art und Weise, wie manche Leute diesen Sport betreiben, unbedingt gesund ist. Ich bezweifle allerdings auch, dass es gesund ist, acht Stunden am Tag Shakespeare zu lesen oder Fußball zu spielen. Tatsache ist, dass manche Spiele gewalttätiges Verhalten belohnen und von dieser Art Plot geht eine echte Gefahr aus. Wichtig ist dann vor allem, dass hier ein Monitoring des jugendlichen Medienkonsums stattfindet: Die Erwachsenen müssen da sein, anbieten mitzuspielen und ihren Kindern bei der Auswahl und Dosierung der Spiele helfen. Es gibt die sehr interessante Differenzierung zwischen digital natives und digital immigrants. Während Erstere im digitalen Zeitalter aufgewachsen sind und es als natürlich empfinden, sind die älteren Menschen nur Einwanderer, die sich zwar funktionale Dinge wie Email aneignen, aber sich grundsätzlich fremd fühlen. Nun, die Leute, die 1977 im Teenageralter waren, sind heute in den 40ern. Es sind bereits mehrere Generationen mit Computern aufgewachsen. Das hat große Vorteile: ein junger Vater kann seinen Kindern diese Welt zeigen. Viele moderne Spiele sind sehr komplex. Aber die Industrie arbeitet ja daran, mit einfachen und nutzerfreundlichen Eingabegeräten wie etwa der neuen Wii Konsole auch den digitalen Immigranten den Zugang zu Computern zu ermöglichen. Aber bei der rasanten Entwicklung können gar nicht alle mithalten. Ich gebe zu, bei neuen Rennspielen bekomme ich so etwas wie Cyber-Sickness. Letzten Freitag beim „Need for Speed“ spielen habe ich fluchtartig das Büro verlassen.

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