Wachmänner auf dem Pausenhof - eine Bilanz nach sechs Wochen

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Wie hast du die ersten Wochen erlebt? Ach, das war bisher alles sehr ruhig. Keine besonderen Vorkommnisse. Wir stehen ab halb acht vor der Schule und achten bis 15 Uhr darauf, dass keine Fremden die Schule betreten. Und sollten die Lehrer einmal überfordert sein, können wir natürlich einschreiten.

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Illustration: Julia Schubert

Amerikanische Verhältnisse? Zwei Wachmänner kontrollieren an einer Neuköllner Schule den Eingang. Woher weißt du, wer rein darf und wer nicht? Das zeigt sich von ganz alleine. Die kommen dann ganz langsam an, schauen schon von weitem. Man merkt das. Die haben auch keine Schultaschen dabei. Ich weiß zwar nicht, wie es vorher war, aber es kommen in meiner Zeit sehr, sehr wenige Leute zur Schule, die nicht rein dürfen. Manchmal kommt es vor, dass ein Freund seine Freundin zum Beispiel besuchen will. Dem sage ich dann, dass er vor der Tür warten muss. Wenn so wenig passiert, ist dir dann oft langweilig? Ab und zu, ja. Was sollen wir machen? Wir unterhalten uns dann eben. Wir sind immer zu zweit. Wie erlebst du die Schüler? Die Schüler sind sehr respektvoll, das hätte ich nicht gedacht. Das sind junge, nette Leute. Wir kennen viele mit Namen. Es gibt auch nette Unterhaltungen. Alles ist sehr stressfrei. Wenn es überhaupt einmal Stress gibt, dann vielleicht, wenn die Grundschüler Pause haben. Kleine Kinder stellen eben viele Fragen. Bei uns gibt es versetzte Pausen: Erst die Kinder, dann die Oberschüler. Wie wurdest du für diesen Job ausgebildet? Ich habe ein Deeskalationstraining hinter mir. Das ging zwei Tage lang und wurde von der Landespolizei durchgeführt. Dazu bin ich Türke, was natürlich ganz praktisch ist, wenn man bedenkt, dass 80 Prozent der Schüler hier Ausländer sind. Wenn also mein deutscher Kollege auf türkisch angepöbelt wird, kann ich aushelfen. Das ist aber bisher nicht passiert. Weißt du schon, wie lange dein Auftrag an der Schule noch dauert? Mein Kollege und ich bleiben noch bis Sommer, erstmal.

Text: sascha-chaimowicz - Foto:dpa

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