Wachmänner auf dem Pausenhof - eine Bilanz nach sechs Wochen

Vor sechs Wochen trat Önder Öztürk, 28, seinen Dienst als uniformierter Wachmann an der Röntgen-Realschule in Berlin-Neukölln an: An dieser und an zwölf weiteren „Problemschulen“ in dem Berliner Stadtteil stehen seit dem 12. Dezember 2007 Sicherheitsleute der Firma Germania. Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky bezeichnete diesen Schritt damals als „unausweichlich“, weil sonst der Schutz der Schulkinder nicht mehr garantiert werden könne. Nach Angaben der Bezirksregierung Neukölln war es im Lauf der vergangenen beiden Jahre zu 56 Gewalttaten gekommen, bei denen die Täter von außerhalb an die Schulen kamen. Unter anderem Schlug im Juni ein 17-Jähriger einen Lehrer auf einem Schulhof nieder. jetzt.de hat bei Wachmann Önder Öztürk nachgefragt, wie die ersten sechs Wochen als Schulwächter gelaufen sind.
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Wie hast du die ersten Wochen erlebt? Ach, das war bisher alles sehr ruhig. Keine besonderen Vorkommnisse. Wir stehen ab halb acht vor der Schule und achten bis 15 Uhr darauf, dass keine Fremden die Schule betreten. Und sollten die Lehrer einmal überfordert sein, können wir natürlich einschreiten.

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Illustration: Julia Schubert

Amerikanische Verhältnisse? Zwei Wachmänner kontrollieren an einer Neuköllner Schule den Eingang. Woher weißt du, wer rein darf und wer nicht? Das zeigt sich von ganz alleine. Die kommen dann ganz langsam an, schauen schon von weitem. Man merkt das. Die haben auch keine Schultaschen dabei. Ich weiß zwar nicht, wie es vorher war, aber es kommen in meiner Zeit sehr, sehr wenige Leute zur Schule, die nicht rein dürfen. Manchmal kommt es vor, dass ein Freund seine Freundin zum Beispiel besuchen will. Dem sage ich dann, dass er vor der Tür warten muss. Wenn so wenig passiert, ist dir dann oft langweilig? Ab und zu, ja. Was sollen wir machen? Wir unterhalten uns dann eben. Wir sind immer zu zweit. Wie erlebst du die Schüler? Die Schüler sind sehr respektvoll, das hätte ich nicht gedacht. Das sind junge, nette Leute. Wir kennen viele mit Namen. Es gibt auch nette Unterhaltungen. Alles ist sehr stressfrei. Wenn es überhaupt einmal Stress gibt, dann vielleicht, wenn die Grundschüler Pause haben. Kleine Kinder stellen eben viele Fragen. Bei uns gibt es versetzte Pausen: Erst die Kinder, dann die Oberschüler. Wie wurdest du für diesen Job ausgebildet? Ich habe ein Deeskalationstraining hinter mir. Das ging zwei Tage lang und wurde von der Landespolizei durchgeführt. Dazu bin ich Türke, was natürlich ganz praktisch ist, wenn man bedenkt, dass 80 Prozent der Schüler hier Ausländer sind. Wenn also mein deutscher Kollege auf türkisch angepöbelt wird, kann ich aushelfen. Das ist aber bisher nicht passiert. Weißt du schon, wie lange dein Auftrag an der Schule noch dauert? Mein Kollege und ich bleiben noch bis Sommer, erstmal.

Text: sascha-chaimowicz - Foto:dpa

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