Weltband aus Nürnberg: Warum The Robocop Kraus trotzdem nicht nach LA ziehen

The Robocop Kraus machen seit 1998 Musik, die ebenso wahl- wie vorzugsweise als Krautrock, Postpunk oder New New Wave bezeichnet wird und bislang auf fünf Alben Platz fand. Demnächst erscheint eine weitere vorzügliche Platte der Nürnberger: "Blunders & Mistakes". Ob sich dadurch am von allerlei Musikmagazinen hartnäckig kolportierten Ruf der "am meisten unterbewerteten Band Deutschlands" etwas ändert, kann nicht abschließend geklärt werden. Im Gespräch mit jetzt.de lassen Sänger Thomas Lang und Gitarrist Matthias Wendl indes leise anklingen, warum man bei The Robocop Kraus nicht zwangsläufig an Begriffe wie "kommerzieller Durchbruch" denkt
uli-karg

Euer letztes Album "They Think They Are The Robocop Kraus" war ein kleiner Welterfolg. An Eurem Geheimtipp-Status hat sich trotzdem nichts geändert… Matthias Wendl: Es gibt viele gute Alben die nicht so bekannt werden. Es gehört auch viel Glück dazu, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein. Als deutsche Band werden wir im Ausland vielleicht auch nur am Rande wahrgenommen. Und deshalb ist es ein bisschen schwer, dort durchzustarten. Thomas Lang: Erfolg ist für mich auch nicht so ein Gradmesser für die Güte von Musik. Außerdem habe ich das Gefühl, dass wir mit der Platte viel erreicht haben. Im Ausland kommt viel Publikum zu unseren Konzerten. Die Leute kennen sogar die Texte der Lieder.

Default Bild

Illustration: Julia Schubert

Beeindruckendstes Auslandskonzert bisher? Thomas Lang: Wir haben unter anderem in Amerika getourt, waren aber auch beim Primavera- und Benicàssim-Festival. Da haben wir sogar zur besten Zeit gespielt. Vor 5000 Menschen. Das war unfassbar gut. Überlegt man sich da auf der Bühne nicht, wie's wäre, wenn Konzerte dieser Größenordnung die Regel wären? Thomas Lang: Naja, das wäre vielleicht schon möglich gewesen. Aber alles wollten wir als Band auch nicht mitmachen. Erfolg um jeden Preis gibt es bei uns nicht. Und manche Bands würden für den Erfolg eben alles mitmachen. Jeden Werbedeal zum Beispiel. Auch Sachen, die keinen Spaß machen. Aber wir wollen nur Dinge in Angriff nehmen, wenn wir danach noch in den Spiegel schauen können. Hat es unmoralische Angebote gegeben? Thomas Lang: Ja. Ein Beispiel wäre jetzt sehr schön. Thomas Lang: Möchte ich keines nennen. Das kann man sich an fünf Fingern abzählen. Könnte man, wäre aber sehr unbefriedigend. Ihr braucht ja keine Namen nennen… Thomas Lang: Also gut. Benicàssim hat zum Beispiel Heinecken als Sponsor mit an Bord. Das ist okay, denn da wird eine gutes Booking garantiert. Wenn aber eine Tabakfirma direkt an dich heran tritt, dann überlegst du schon. An Euch ist also eine Tabakfirma herangetreten. Thomas Lang: Ja. Und Ihr habt das Angebot abgelehnt, weil bei The Robocop Kraus nur Nichtraucher dabei sind. Matthias Wendl: Nein. Ich bin Raucher aber ich finde es nicht gut. Wie so ziemlich alle Raucher nehme ich mal an. Weitere Gewohnheiten von Euch, die Ihr nicht gut findet? Thomas Lang: Ich esse zu schnell, ich schlinge. Nicht gut. Im Gegenzug zu den unmoralischen Angeboten: Gibt es auch Sachen, die Ihr gerne gemacht hättet, die aber nicht funktioniert haben? Thomas Lang: Wir wären gerne in Australien getourt was aber geplatzt ist. Schade, denn dort sind wir sogar im Radio gelaufen. Euer Name funktioniert international ja auch ganz wunderbar. Thomas Lang: Stimmt. Ist zwar selten bescheuert, aber es funktioniert. Besonders in Spanien. Die haben ja auch dieses rollende R. Da klingt der Name fast wie im Fränkischen. Habt Ihr die Namenswahl jemals bereut? Thomas Lang: Nur, wenn wir gefragt werden, wie wir auf den Namen kamen und wir es wieder erklären müssen. Typische Einstiegsfrage bei Interviews übrigens. Matthias Wendl: Eine ganz verrückte Frage am Anfang. (lacht) Wo wir gerade bei verrückten Fragen sind: Wie liefen die Aufnahmen zum neuen Album? Thomas Lang: Wir haben alles in einem Raum aufgenommen. Also nicht mit verschiedenen Tonspuren. So ein Sixties-Ansatz vielleicht. Wir haben teilweise die Chöre mit Schlagzeugmikros eingesungen. Darf man sowas schon "revolutionäres Aufnahmeverfahren" nennen? Thomas Lang: Nein, wir revolutionieren da nichts. Das ist doch schon immer gemacht worden. Aber: Unser Mann mit dem wir jetzt in Hamburg aufgenommen haben, nervt seitdem jede Band, dass er so aufnehmen möchte. Eine Band, die nach uns dort aufgenommen hat, war gar nicht zufrieden damit. Der finale Mix des Albums erfolgte in Los Angeles. Was würde passieren, wenn Ihr nach Kalifornien ziehen würdet? Thomas Lang: Dann würde ich keine Musik mehr machen, sondern nur noch auf dem Muscle Beach einlaufen. Nein: Uns spukt's ja schon seit Jahren im Kopf rum, dass wir vielleicht mal weggehen sollten. Wenn weg: Wohin? Thomas Lang: Nach Los Angeles. Ganz im Ernst. Das wäre der Hammer. Was hält Euch noch in Nürnberg? Matthias Wendl: Puh, ich wohne im fünften Stock und dann muss ich zum Umziehen das Sofa wieder runtertragen. Zuviel Stress. Und das Klo ist auch gerade neu gemacht.

  • teilen
  • schließen