"Wenn ich an einem Tag 4000 Dollar verliere, belastet mich das schon"

Seit Fabian*, 24, klein ist, spielt er um Geld. Jetzt studiert er - und verdient seinen Lebensunterhalt mit Pokern. Ein Interview
timo-stukenberg

jetzt.de: Fabian, wieviel von deinem Studium finanzierst Du durch Pokern? Fabian: Ich könnte mir ziemlich leicht mein gesamtes Studium finanzieren. Ich bekomme aber trotzdem Unterstützung von meinen Eltern. Mein Vater meint, ich stünde zu sehr unter Druck, wenn ich meinen ganzen Lebensunterhalt mit Pokern verdienen müsste. Das Geld von meinen Eltern reicht, um meine Miete zu zahlen, aber nicht, um mir irgendwas zu leisten. Pokern ermöglicht mir einen etwas höheren Lebensstandard als den eines normalen Studenten. Ich hätte, zum Beispiel, kein Problem, täglich essen zu gehen. Wie bist Du auf Pokern gekommen? Mein Vater hat mir mit fünf Jahren Schafkopf beigebracht. Mit zehn Jahren habe ich angefangen, um Geld zu spielen. Damals habe ich mir damit mein Taschengeld aufgebessert. Jetzt ist das eine etwas höhere Ebene. Was heißt das? Bei Turnieren habe ich schon mal zehn-, elftausend Dollar gewonnen. Aber ich habe auch schon relativ hoch verloren.

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Illustration: Julia Schubert

Wie vereinbarst du Uni und Pokern? Jetzt, wo das Semester begonnen hat, spiele ich nicht so viel. Aber bevor die Uni-Zeit anfing, waren Turnierwochen. In denen mache ich nichts anderes als Pokern. Ich spiele dann von sechs Uhr nachmittags bis fünf Uhr früh. Warum um diese Uhrzeit? Die Webseite, auf der ich gerade spiele, ist auf die Zeit von Las Vegas eingestellt. Wenn die Turniere dort vormittags starten, sitze ich mitten in der Nacht vor dem Computer. Das bringt deinen ganzen Rhythmus durcheinander. Und sozialen Kontakt hat man auch keinen mehr, wenn man den ganzen Tag schläft und nachts zockt. Dabei soll Pokern mir eigentlich mehr Freiheit ermöglichen. Kannst du Uni und Pokern klar voneinander trennen? Sind das zwei Welten für dich? Wenn ich an einem Tag drei- oder viertausend Dollar verliere, dann belastet mich das schon. Das ist so viel, wie andere Leute im Monat verdienen. Ich sitze dann in der Uni und denke darüber nach. Da ist es mir auch ziemlich egal, was mir der Dozent in der Vorlesung erzählen will. Und wenn ich viel Geld verliere, spiele ich ja noch mehr, um ein bisschen was aufzuholen ... Kommt ein normaler Nebenjob nun gar nicht mehr in Frage? Wenn andere in einem Café arbeiten, schreibt ihnen der Chef vor, wann sie da sein müssen. Ich kann mir aussuchen, wann ich spiele. Und der Stundenlohn ist meistens höher. Man kann es mit einem Nebenjob vergleichen. Aber wenn ich Pokern als Arbeit sehen würde, dann würde es mir schnell keinen Spaß mehr machen. Bringt dir Pokern außer Geld etwas für Dein Studium? Nein. Aber man eignet sich eine gute Menschenkenntnis an und man lernt mit Druck umzugehen, egal, ob beim Pokern oder bei Klausuren. Du möchtest deinen echten Namen nicht hier lesen. Warum eigentlich? Ich habe nichts dagegen, wenn das Leute in meinem privaten Umfeld wissen. Aber es kann sein, dass das später bei meinem Arbeitgeber nicht gut ankommt. Außerdem will ich nicht, dass jemand auf die Idee kommt, dass ich dafür Steuern zahlen müsste. * Der Name wurde auf Wunsch von der Redaktion geändert.

Text: timo-stukenberg - Foto: Niggl / photocase.com

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