Wie es ist, den ersten Film zu drehen: Interview mit dem Regisseur Mike Marzuk

Mike Marzuk, 37, arbeitete bisher als Cutter und Werbefilm-Regisseur. Weisst was geil wär...?! kommt am 1. November ins Kino und ist sein erster Film. Entstanden ist er an nur 21 Drehtagen und mit sehr kleinem Budget. Die Handlung des Films ist ein Stück weit autobiographisch: Es geht um zwei Studenten, die sich ebenfalls Träumereien um ein eigenes Filmprojekt hingeben. Sie wohnen bei der Oma und verbringen den Tag hauptsächlich mit Computerspielen und Partys. Als sie ihr Filmprojekt realisieren möchten und dafür Geld brauchen, holen sie sich Lisa als neue Mitbewohnerin ins Boot – und merken, dass ihr Leben der eigentliche Film ist. jetzt.de sprach mit Mike darüber, wie es ist, mit wenig Geld einen Film zu drehen.
dana-brueller
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Illustration: Julia Schubert

Heinz, Lisa und Tommy beschließen, einen Film zu drehen „Weißt was geil wär...?!“ ist ja mit einem für einen Kinofilm kleinen Budget entstanden: Ihr hattet 100.000 Euro zur Verfügung. War das eine Einschränkung? Nein, es hat sich sogar als positiv heraus gestellt. Das niedrige Budget zwang mich, das Drehbuch so einfach wie möglich zu halten. Von den 21 Drehtagen fanden elf in der Wohnung statt. Dadurch ging alles relativ schnell und wir konnten uns so die zeitaufwändigen Umzüge sparen. Dieses Jahr habe ich auch „Sommer" gedreht, einen Film mit großem Budget. Danach muss ich sagen: Das kleine Budget war sehr hilfreich. Es ist zwar mühsam, Leute zu finden, die fast umsonst mitarbeiten. Aber wenn man das mal geschafft hat, sind sie auch wirklich motiviert: Es geht ihnen nicht ums Geld, sie haben Spaß an der Sache, und letztendlich bildet man eine Gemeinschaft, in der alle im gleichen Boot sitzen und keiner mehr verdient als der Andere. Unter den Schauspielern gab es keinen Neid, jeder hatte seine lächerliche Gage von 50 Euro am Tag, ein Witz! Aber so einen Film kann man nur einmal machen, man kann die Leute ja nicht ständig so missbrauchen. Der Dreh der Low-Budget-Produktion hat also mehr Spaß gemacht als dein neuer Film? Aus dem Nachhinein betrachtet hat mir „WWGW“ wirklich mehr Spaß gemacht. Bei dem großen Filmprojekt danach, mit einem dreimal so großen Team und richtig viel Geld, war es nicht annähernd so angenehm. Der Druck war logischerweise viel größer, es redeten viel mehr Leute mit. Bei WWGW hingegen durfte ich machen, was ich wollte, und die Erwartungen waren gering. Ich konnte mit dem Film nur überraschen. Hätte ich ihn in den Sand gesetzt, wäre das auch egal gewesen. Das war ein Luxus. Du hast das Drehbuch für „WWGW“ in nur zehn Tagen geschrieben. Naja, das sagt man gerne so. Ich habe es in zehn Tagen geschrieben, aber die lange Zeit, die man mit so einem Drehbuch schwanger geht, ist natürlich nicht eingerechnet. Tommy und Heinz, die Protagonisten des Films, hängen den ganzen Tag nur herum und reden hauptsächlich davon, einen Film zu drehen. Du warst früher auch so, oder? Genau, ich bin auch so herumgehangen. Aus dem Gelaber, das man oft von sich gibt, nachdem man einen schlechten Film im Kino gesehen hat, ist die Idee entstanden. "Wir machen einen eigenen Film" undlässt kein gutes Haar an den Dingen, um sich besser zu fühlen. Irgendwann ging mir mein eigenes Gerede auf die Nerven und ich dachte, man müsste mal einen Film machen über zwei Typen, die genau in dieser Situation sind.

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Illustration: Julia Schubert

Mike Marzuk bei der Arbeit Euer niedriges Budget hat die Dreharbeiten wohl beeinflusst. Ihr habt euch in einer seltsamen, voll möblierten Oma-Wohnung eingemietet, und um die altmodischen Möbel zu erklären, habt ihr einfach eine Oma dazu erfunden, die die Jungs sozusagen gegen Kost und Logis betreuen. Nein, die Oma-Idee war eigentlich schon vorher da. Sie lieferte eine gute Erklärung für das relativ sorgenfreie finanzielle Überleben der Jungs und machte Heinz auch sympathischer. Das mit der Wohnung war aber wirklich ein Glücksfall. Sie stand schon länger leer, nachdem die Besitzerin verstorben war. Gab es viel Ärger mit den Hausbewohnern? Ja, dabei haben wir uns wirklich Mühe gegeben, leise zu sein. Trotzdem war es scheinbar stressig für die Anwohner und es entstand eine Aggression. Die Leute haben den Aufzug abgesperrt, dass wir nicht mehr hochgekommen sind Unsere arme Omi musste dann die Treppen raufgehen. Einmal haben sie auch den Keller zugesperrt, in dem unsere Maskenabteilung war. Ich weiß wirklich nicht, was in den Leuten vorging. Wir haben denen sogar immer Sekt vor die Tür gestellt und uns die ganze Zeit entschuldigt. Was wäre passiert, wenn es der Film nicht ins Kino geschafft hätte? Gar nichts. Die Produktionsfirma hat gesagt: „Hier ist das Geld, schauen wir mal, was passiert“. Dass er jetzt ins Kino kommt, ist reine Glücksache. Wir hätten ihn natürlich auf Festivals einreichen können, aber dafür wäre er nicht gut geeignet gewesen, weil er sehr kommerziell ist. Wie wichtig ist dir der Erfolg deines Films? Es wäre schön, wenn ein paar Leute rein gehen würden. Ich selbst denke aber – das ist vielleicht eine Schutzhaltung - dass für mich selbst der Film nicht besser wird, nur weil Leute ihn gut finden. Bilder: Kinowelt

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