"Wir halten das Urteil für eine juristische Farce"

Auf der Website www.hartplatzhelden.de können Amateurfußballer ihre Videos hochladen. Doch genau das hat ein Gericht am Freitag verboten.
philipp-mattheis

Am Freitag hat das Landgericht Stuttgart der Klage des Württembergischen Fußballverbands gegen die Website hartplatzhelden.de entsprochen. Danach dürfen keine Videos mehr von Fußballspielen zu Marketingzwecken verbreitet werden. Für alle, die mit Fußball nicht so viel am Hut haben – was genau ist die Website www.hartplatzhelden.de? Wir sind so etwas wie die Kreisligasportschau im Internet. Hobby-Fußballer können ihre eigenen Fußballvideos hoch laden, damit sie jeder sehen kann. Als eine Art Youtube für Fußball? Genau. Natürlich spielen wir redaktionell damit etwas: Wir vergeben Awards oder schreiben kleine Kommentare dazu, wir liefern einen redaktionellen Rahmen. Seit wann gibt es rechtliche Probleme? Seit gut einem Jahr. Im Frühjahr 2007 bekamen wir Post vom Hessischen Fußballverband. Sie waren der Meinung, die Rechte an den Videos zu besitzen und forderten uns zu einer Stellungnahme auf. Danach rief der Bayerische Fußballverband an, doch auch mit dem gab es keine Probleme. Erst der Württembergischen Fußballverbands machte dann ernst: Wir sollten die Clips herunternehmen und eine Unterlassungserklärung abgeben. Nachdem wir das nicht getan hatten, kam die Klage. Das klingt absurd. Wie argumentiert der Fußballverband? Der Verband reklamiert die Vermarktung aller Videos für sich, weil sie der Meinung sind, dass ein Spiel in einer Kreisliga, letztlich ihr Produkt sei. Die Klage bezieht sich auf alle Videos von Wettbewerbsspielen. Das Tor des Jahres 2006 auf Hartplatzhelden.de Wie geht es jetzt weiter? Wir gehen in Berufung, weil wir das für eine absolute Frechheit halten. Wir tun so viel für den Fußball und jetzt kommt so ein bornierter Verband, hält sich für den großen Förderer des Fußballs und will uns kleinkriegen. Zudem halten wir das Urteil auch juristisch für eine Farce. Wie seht ihr das denn rechtlich? Ein Hobbyfußballer hat keineswegs das Recht an seinem Bild abgegeben. Natürlich ist das bei Profis wie Miroslav Klose etwas anderes. Aber Amateur-Fußballer spielen erstens nicht um des Geldes sondern um des Hobbys wegen. Letztlich wird ja nicht nur uns verboten, die Videos zu zeigen, sondern allen Amateuren auch, ihre Videos hoch zu laden. Zweitens spielt sich der Verband als Veranstalter eines Fußballspiels auf. Das ist er aber mitnichten, sondern das sind die Vereine und Spieler. Jeder Vater, der seinen Sohn bei einem Spiel der F-Jugend filmt, darf das Video nicht weiter verbreiten? Zumindest darf er es laut WFV nicht vermarkten.

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