Wie habt ihr das Ende des Atomic Cafes erlebt?
Heike: Schmerzlich. Wir machen den Film ja nicht nur aus einer filmerischen Perspektive, sondern es ist auch eine Herzensangelegenheit. Wir mögen das Atomic sehr und sind da ziemlich oft hingegangen. Ich war auch in den letzten Minuten noch dort und das war schon komisch, als sich Leute plötzlich von der Garderoben-Frau verabschiedet haben. Das hat schon was mit mir gemacht. Es war plötzlich klar: Das ist jetzt echt das letzte Mal, und die gehen jetzt. Am 1. Januar gab es ja noch einen „Trauermarsch“. Da sind sich Leute weinend in den Armen gelegen!
Marc: Ich glaube, ich realisiere jetzt erst so langsam, was es bedeutet, dass es wirklich weg ist. Man merkt es an Abenden, an denen man mit Leuten was trinkt und dann seine vier, fünf Alternativen durchgeht, wo man noch hingehen könnte. Das Atomic ist da jetzt eben keine Option mehr.

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Heike Schuffenhauer und Marc Seibold sammeln bei Startnext Geld für eine Doku.

Was hat das Atomic für euch bedeutet?
Heike: Ich bin da 13 Jahre lang hingegangen. Als ich nach München gezogen bin, war das der erste Club, in den ich gegangen bin. Ich war total begeistert, dass es so ne Indie-Kultur in München gibt.
Marc: Ich war jetzt nicht so'n krasser Fan-Boy...
Heike: Hey!?
Marc: ... aber ich bin in München groß geworden und das Atomic hat eben einfach dazugehört.
Heike: Jetzt merkt man plötzlich, die ein oder andere Band, die jetzt so groß ist, hab ich ja damals dort gesehen, vielleicht einfach zufällig – ohne zu wissen, dass die mal so groß werden würden.

Welche Bands waren das zum Beispiel?
Heike: Also ich hab damals schon dieses Libertines-Konzert gesehen, Anfang der Nuller Jahre. Bei anderen, zum Beispiel Black Rebel Motorcycle Club, weiß ich es gar nicht mehr so genau, ob ich die da oder woanders gesehen habe, weil ich damals vielleicht einfach zufällig dort gelandet bin. Von denen bin ich jetzt ein großer Fan.

Was, meint ihr, war das Spezielle an diesem Ort?
Heike: Es war die besondere Atmosphäre in dem Laden, vielleicht schon allein durch die Auswahl der Leute, die dort gearbeitet haben. Dass ein Kiosk mit drin war. Es war eben ein Ort, wo bestimmte Leute zusammengekommen sind. Ich kenne Menschen, die da ihre Frau kennengelernt oder spontan eine Band gegründet haben! Die Five Fast Hits haben sich sogar über das Gästebuch des Atomics kennengelernt. Einer hat da einen Aufruf nach Bandmitgliedern gestartet und dann haben sie sich alle im Atomic zum ersten Mal getroffen. Christian Heine, einer der Besitzer, hat erzählt, dass sich auch Celeste, Whiskey Foundation und Twin Tone Trigger da gegründet haben - alles Münchner Bands. Es ranken sich natürlich auch unzählige Mythen und Anekdoten um den Laden.

Welche ist eure liebste?
Heike: Dass angeblich irgendjemand mal mit der Vespa reingerollt ist: am Türsteher vorbei, hat ein paar Runden auf der Tanzfläche gedreht, um dann einfach wieder zu verschwinden. Keiner wusste, wer das war.

Nun wollt ihr einen Film über das Atomic drehen: „This is Atomic Love“ ...
Heike: ... was eigentlich ein Songtitel von den Beatsteaks ist. Der Name war also etwas eine „Schnapsidee“(lacht). Ich bin ein Fan von Clubdokumentationen. Ich mag Orte, an denen Musik weiterentwickelt wurde.

Ihr habt schon angefangen, obwohl die Finanzierung noch nicht steht.
Marc: Wir wollten unbedingt auch noch „normale“ Clubabende einfangen wie zum Beispiel den „Britwoch“ - nicht nur die Trauerstimmung am Ende. Und auch die Besitzer wollten wir unbedingt in dem Club festhalten, mit Barleuten und DJs.
Heike: Das Projekt gärt schon seit etwa zwei Jahren. Irgendwann habe ich Chris Heine mal von der Idee erzählt.
Marc: Wir hatten Glück, denn wir kamen zur rechten Zeit. Vor einem Jahr wollte wohl schonmal jemand einen Film darüber machen. Damals hatten die Besitzer aber keinen Bock. Irgendwie haben sie wohl gemerkt, dass wir echtes Interesse daran haben, und dass der Film richtig gut werden kann. Und als wir die Besitzer im Boot hatten, war es leichter, an die anderen zu kommen. Plötzlich konnte jeder eine Geschichte erzählen. Leute wie Mehmet Scholl haben mitgemacht. Und wir sind gerade dabei, Künstler wie Pete Doherty anzufragen ...
Heike: ... das dauert aber wohl noch etwas ...
Marc: Das Material besteht aus drei Teilen: die Phase, als das Atomic noch offen war. Der Nachklapp von Leuten, die interessante Geschichten zu erzählen haben. Und dann die Archiv-Phase, wo wir alte Aufnahmen, Handyvideos, Zeitungsartikel, alles zusammen tragen. Damit sind wir noch lange nicht durch.

Ihr wollt das über Startnext crowdfunden. Wie viel fehlt noch?
Heike: Bisher ist ungefähr ein Fünftel finanziert. Aber das ändert sich natürlich ständig.

Und was bekommen die Unterstützer?
Heike: Es gibt verschiedene „Dankeschöns“. Für 20 Euro bekommt man einen Jutebeutel mit Atomic- und bald auch mit dem Film-Logo drauf. Wer will, kann seinen Namen für 30 Euro im Abspann haben. Und für 60 Euro gibt’s eine Einladung zur Premierenfeier.

Und wann und wo bekommt man euren Film zu sehen?
Marc: Details stehen noch nicht fest. Es wird aber wohl erstmal eine Premiere geben, die in einem Kinosaal laufen wird.
Heike: Der Plan ist, im Sommer fertig zu werden - hoffentlich im Juli. Das hängt davon ab, wann die Interviewpartner, wir und die Helfer Zeit haben. Wir haben Equipment geliehen, Geld vorgeschossen, Freunde und Bekannte haben uns in ihrer Freizeit unterstützt. Das Schöne an der Geschichte ist, dass das Atomic ja für viele Leute eine Bedeutung hatte, und sie dadurch auch Bock haben, uns zu helfen.

Text: lucia-heller - Foto: oh